Bosbach verlässt Studio Bei G20 eskaliert sogar der Maischberger-Talk

Von Beginn an aufgeheizte Atmosphäre: Sandra Maischberger wollte über die Gewalt beim G20-Gipfel sprechen. Doch die Runde war auf Streit aus, besonders zwei Gäste taten sich dabei hervor - bis einer ging.

WDR/Melanie Grande

Am Ende entglitt Sandra Maischberger die Sendung zum Thema "Gewalt in Hamburg: Warum versagt der Staat?", wie allen Beteiligten die Ereignisse rund um den G20-Gipfel entglitten sind: spektakulär, katastrophal, mit Ankündigung. Und dann verlor sie auch noch Wolfgang Bosbach.

Eingangs hatte sie vom notorischen Allzweck-Talker (CDU) nur wissen wollen, was ihm angesichts der Bilder aus dem Schanzenviertel so durch den Kopf gegangen sei. Da war Bosbach schon auf 180 und forderte einen "flächendeckenden parteiübergreifenden gesellschaftlichen Konsens", wie es ihn gegen "jede Form von rechter Gewalt" gebe, auch "gegen jede Form von linker Gewalt".

Als direkte Gegenspielerin sah die linke Aktivistin Jutta Ditfurth die Sache naturgemäß anders. Sie hatte keine "Bilder" von Hamburg im Kopf, sondern war - übrigens eifrig und instruktiv twitternd - vor Ort. Sie nennt die polizeilichen Aktivitäten "eine der übelsten Reaktionen, die ich je erlebt habe". Man habe zuschauen können, "wie Tag für Tag durch Schikanen und Prügel" alles schlimmer geworden sei.

"Wenn es in dieser Runde darum ginge, was ich ein bisschen bezweifle, zu erfahren, was passiert ist", so Ditfurth, dann müsse man die acht Tage "differenziert" betrachten und sich auch für die "soziale Frage interessieren". Im Übrigen gäbe es in Deutschland heute 100 Atomkraftwerke, wäre damals nicht mit "kluger", also "vermittelbarer Militanz" dagegen protestiert worden.

"Stern"-Kolumnist weiß im Nachhinein alles besser

Während Bosbach solchen Ausführungen wie versteinert lauscht, protestiert an seiner Stelle Hauptkommissar Joachim Lenders. Die Polizei habe "keine Fehler" gemacht und "nicht eskaliert". Im Schanzenviertel hätten sich 6000 "Krawalltouristen, erlebnisorientierte Jugendliche und gewaltbereite Autonome" aufgehalten - und das Kulturzentrum Rote Flora sei "das strategische Kontrollzentrum". Ditfurth feixt.

Lenders beteuert, der politische Hintergrund der "Chaoten" sei ihm schnurz. Ob links, rechts oder islamistisch: "Jeder Extremist ist Mist." Das wiederum mag der Publizist Hans-Ulrich Jörges ("Stern") nicht unkommentiert lassen, er geißelt die falsche Strategie der Polizei und fordert den Kopf von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD): "Politische Verantwortung heißt, dass man einen Ehrbegriff hat." Außerdem hätten "Tagungsinteressen der Politik keinen Vorrang vor der Sicherheit der Menschen".

Im Übrigen brilliert Jörges, der die Ereignisse vom Sofa aus verfolgt hat, als echter "Captain Hindsight". Im Nachhinein kann er nicht nur mühelos alle Fehler klar benennen, er hat auch seinen Clausewitz gelesen: "Sie haben den schwarzen Block versprengt und nicht festgehalten", da hätten die radikalen Linken sich zerstreuen und noch mehr Unheil anrichten können.

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"Maischberger" zur G20-Gewalt: "Es ist unerträglich, mit Ihnen in einer Runde zu sitzen"

"Es ist unerträglich, mit Ihnen in einer Runde zu sitzen"

Katarina Barley (SPD) steigt prompt zu Jörges auf den Feldherrenhügel ("Die Massierung der Truppen war nicht am Schanzenviertel!"). Vor allem schützt sie ihren Parteifreund Scholz: "Man kann nicht einem Stadtstaat überantworten, die europäische autonome Szene" in Schach zu halten.

Konfrontiert mit der Scholz'schen Vollmundigkeit vor dem Gipfel argumentiert Barley eher hilflos: "Olaf Scholz ist ein anständiger Mann." Übrigens schlössen sich "Linke" und "Gewalt" gegenseitig aus. Derzeit erlebe man "den strategischen Versuch, an den Begriff 'links' die Gewalt ranzutackern."

Jan van Aken von den Linken macht in der bereits aufgeheizten Atmosphäre einen auffällig ruhigen Eindruck. Er hat eine Großdemonstration mit rund 70.000 Teilnehmern mit organisiert und darf sich unangetackert fühlen. Ihn stört an der Diskussion, die auch mit abgeschalteten Mikrofonen vor allem an der Kreuzung zwischen Bosbach, Ditfurth und Lenders eskaliert, ihre Schwarz-Weiß-Malerei: "Es muss doch möglich sein, sowohl die Krawallos als auch die Polizei zu kritisieren."

In der Hitze des Gefechts fächert sich Ditfurth bereits Luft zu und kritisiert ihrerseits Lenders, wovon Bosbach Wind bekommt: "Was haben Sie gesagt?" Ditfurth: "Ich habe gesagt, er soll am Stammtisch weiterreden, er soll mir nicht dauernd so ins Ohr blubbern." Bosbach nestelt bereits an seinem Mikro: "Es ist unerträglich, mit Ihnen in einer Runde zu sitzen, wenn Sie sich als eine Oberintellektuelle hier verstehen, wenn Sie einen Polizeibeamten so beleidigen!"

Bosbach verlässt verärgert das Studio

Zuvor hatte Bosbach bereits die Moderatorin angefahren: "Es geht nicht, dass Frau Ditfurth so lange reden kann, wie sie will", er aber nicht. "Wenn Sie mir jetzt sagen: Herr Bosbach, es wäre nett, wenn Sie sich zurückhalten würden ... dann stehe ich auf und gehe!" Maischberger ahnt bereits die Gefahr und mahnt die Konfliktparteien zur Besonnenheit: "Sie sind beide nicht auf einer Demonstration, sondern in einer Talkshow!"

Unterdessen brechen an anderer Front ebenfalls Feindseligkeiten aus. Lenders fordert von van Aken, er solle sich vom schwarzen Block distanzieren. Der fordert postwendend von Lenders, sich von der Polizei zu distanzieren. Es wird laut, Molotowcocktails fliegen aber keine.

Als Ditfurth sich auch in dieses Scharmützel einmischt, reagiert Lenders robust: "Das ist einfach dummes Gesabbel, was Sie da machen!" Im Folgenden, nicht eben zielführenden Wortgefecht rüstet Bosbach endgültig zum Aufbruch. Während er sich noch entkabelt, legt ihm Maischberger ("Verlassen Sie uns nicht!") als letzten Interventionsversuch begütigend die Hand auf den Arm, erfleht Geduld, doch Bosbach ("Es geht nicht um meine Geduld, sondern um die Einhaltung mitteleuropäischer Umgangsformen") durchbricht die Blockade und schreitet entschlossen aus dem Studio.

Maischberger blickt ihm kurz hinterher und wendet sich dann unter Hinweis auf die Parität an Ditfurth: "Jetzt muss ich Sie leider auch bitten, die Sendung zu verlassen." Die aber zeigt sich uneinsichtig ("Wieso soll ich gehen? Nein!") und weigert sich, ihren Platz zu verlassen - Sitzstreik, wie damals bei der klugen, vermittelbaren Militanz gegen Atomkraftwerke.

Kurioserweise beantwortete gerade diese verunglückte Sendung ihre eigene Frage sehr anschaulich. Warum versagte der Staat? Er versagte, weil unverantwortlicherweise Leute eingeladen waren, die einander nicht grün sind, kein Interesse an gedeihlichem Austausch haben - und keinen Zentimeter weichen wollten.

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Seite 1
f-rust 13.07.2017
1. Fr. Ditfurth
und, ruhiger, Hr. v. Aken gehören zu den geistigen Brandstiftern. Wieder einmal robuste GEZ-Zwangsgebührenverschwendung.
Newspeak 13.07.2017
2. ...
Wolfgang Bosbach tut immer ganz bescheiden und macht einen auf nett, aber in Wirklichkeit platzt er bald vor Eitelkeit. Dasselbe gilt auch fuer Jutta Ditfurth und viele andere der Dauergaeste in diesen Talkshows. Wieso kommen diese Leute eigentlich auf die Idee, sie waeren so schrecklich wichtig und bedeutend, dass man sie nach ihrer Meinung fragen sollte, oeffentlich und vom Geld der Buerger finanziert? Was ist deren Verdienst, dass sie sich aufschwingen duerfen, die Meinung bestimmter politischer Richtungen vertreten zu duerfen? Es ist ein Trauerspiel. Frueher waren Talkshows informativ, es ging um Themen, heute sind sie nur noch Selbstdarstellung der Moderatoren und Gaeste. Ich finde, wer eine Talkshow so verlaesst wie Bosbach, sollte NIE wieder in eine andere Talkshow eingeladen werden. Das ist doch Kindergarten. Man fragt sich, ob man es eigentlich mit erwachsenen Menschen zu tun hat, oder ob in diesem Land alle debil geworden sind inzwischen. Die Krawalle sind voellig sinnlos und ueberfluessig gewesen, aber sie waren weder unerwartet - dutzende Personen und Institutionen haben davor gewarnt - noch sind sie von der Polizei deeskalierend behandelt worden, ganz im Gegenteil, die Polizei wollte das so, alles, was die Polizei in Hamburg getan hat, hatte nur ein einziges Ziel, die Eskalation. Gleichzeitig war man dann aber unfaehig, mit den heraufbeschworenen Konsequenzen umzugehen. Und Leute wie Bosbach, die den Staat nie in Zweifel stellen, die typisch konservativ immer hinter der Polizei stehen, selbst wenn diese verfassungsfeindliche Massnahmen durchsetzt und brutal ist, gehoeren raus aus politischen Aemtern. Hamburg war Staatsterror!
maartenk. 13.07.2017
3. Ich habe die Sendung auch gesehen.
Für einen 65jährigen hat sich Wolfgang Bosbach extrem kindisch verhalten. Bevor er abgetreten ist hatte er ja schon zwei mal gedroht, die Sendung zu verlassen. Frau Ditfurth ist ja nun wirklich eine streitbare Person, aber in diesem Fall hat sie sich meiner Meinung nach überhaupt nicht provokant verhalten. Bosbach hingegen war von Beginn an auf 180. Vielleicht ist er einfach nur frustriert, dass er wieder nicht zum Innenminister berufen worden ist und Armin Laschet einen Parteirivalen aus seinem eigenen Wahlkreis ernannt hat. Schwach fand ich auch die Moderatorin, die Frau Ditfurth dann auch des Saales verweisen wollte, damit die Sendung paritätisch besetzt ist. Konsequenterweise hätte sie besser die ganze Talkshow abbrechen sollen. Und der Herr Jürges ist offenbar nicht nur mir mit seinen Besserwissereien auf die Nerven gegangen...
opagila 13.07.2017
4.
Ich kann nicht verstehen warum dauernd die Arbeit der Polizei kritisiert wird. Schreitet sie rechtzeitig ein ist es nicht recht, wartet sie, ist es auch nicht recht. Wir können in Deutschland immer noch froh sein, dass sich überhaupt noch Menschen entschließen, den Polizeidienst anzutreten. Die Polizei wird von jedem der glaubt er ist in der Lage Polizeiarbeit zu bewerten niedergemacht. Da ist der Polizist, der sich gegen Angriffe zur Wehr setzt aggressiv, die Polizisten die Randalierer festnehmen sind zu hart und die Aufforderung an die Vermummten, sich zu zeigen provoziert Gewalt. Wir sollten alle zufrieden sein, das kein unbescholtener Bürger zu Tode kam und das nur Autos und keine Häuser brannten. Um verletze linke Terroristen mache ich mir keine Sorgen. Die Sachschäden bezahlen die Steuerzahler zur Hälfte .Was zahlen die Gewalttäter? Wie wird die Rote Flora finanziert und was zahlt der bescheuerte Anwalt, der die Gewalt vor der eigenen Tür nicht mag, aber wenn sie in anderen Stadtteilen stattfindet sie gut findet? Aber später hat er das ja gar nicht so gemeint. Wovon leben die eigentlich?
neutron76 13.07.2017
5. Linksautonome Gewalt darf nicht verniedlicht werden!
Nein, der Zweck heiligt auch nicht die Mittel. Die autonomen Krawalltouristen hätten die Stadt in jedem Fall zerlegt, egal wie weit die Demo gekommen wäre. Wenn ein linker Krawallmacher irgendwo vom Gerüst gefallen wäre, hätten andere wahrscheinlich nicht nur Autos, sondern auch Häuser angezündet. Schuld wäre dann auch die Polizei gewesen....
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