Sat.1-Komödie "Frauenherzen" Stöckelziege, Moppeline und der Rest

Sat.1 zeigt die Antwort auf "Männerherzen": Fünf Frauen und ihre Geschichtchen werden aufgeschäumt zu einem Kuschelfilm, bei dem Komödiengucker sofort ahnen, was da noch so kommt. Als Bonus warnt Jenny Elvers bei ihrem sogenannten TV-Comeback vor den Gefahren der wilden Stadt. Zwinker, zwinker!

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"Zum Flughafen bitte!" - "Tegel?" - "Welchen denn sonst?" So geht der beste Witz in "Frauenherzen". Leider kommt er erst ganz zum Schluss, aber dafür wird er fein beiläufig präsentiert.

Kuschelfilmfexe ahnen es bereits beim Namen: Natürlich ist die Komödie von Regisseurin Sophie Allet-Coche angelehnt an den Kinoerfolg "Männerherzen". Wie das Vorbild verklöppelt auch "Frauenherzen" verschiedene Handlungsstränge. Menschen, die sich eigentlich nicht kennen, mäandern umeinander herum, fallen sich gegenseitig über die Füße und nehmen Einfluss auf das Leben der anderen.

Und so überfährt Fe fast Charlie, Charlie lässt sich von Mandy frisieren, Mandy sitzt bei Frieda im Café, Frieda gibt Karo Beziehungstipps, Karo möchte ihr Haus an ein Model aus Fes Agentur verkaufen. Gespielt werden die trudelnden Frauen von Nadeshda Brennicke, Anna Fischer, Marie Schöneburg, Julia Harmann und Valerie Niehaus.

Ihre Figuren sind solides Komödieninventar. Es gibt eine karrierefixierte Stöckelziege, die über ihrem Job als Modelagenturchefin ihren Mann schnöde vernachlässigt. Eine jeanspatente Familienmutter, deren sexmüder Gatte erst nach drei Tagen merkt, dass sie sich von Braun auf Blond gefärbt hat, weiterhin eine possierliche Alleinemutter, die sich als Putzig-Maklerin versucht. Dazu je eine Vertreterin beider Pole des weiblichen Beziehungsspektrums: die mopsige Kitschmadame, die schon vor dem ersten Date mit Brautschleier vor dem Spiegel träumt. Und die bindungsunwillige Männerabschlepperin, die stets von kalbsäugigen Abgewiesenen belagert wird.

Erstmal-nicht-dann-doch, das Leitmotiv der ganzen Komödie

Zusammengehalten werden ihre kleinen Geschichten von gefällig-schaumig aufgeschlagenen Vorhersehbarkeiten: Schon wenn der zerzauste Wuschelnachbar zum ersten Mal keck über den Balkon schmunzelt, weiß der leidlich erfahrene Komödiengucker sofort, was es geschlagen hat.

Und was erstmal nicht, und dann doch passiert. Erstmal-nicht-dann-doch, das ist auch das Leitmotiv der ganzen Komödie: Am Ende ist fast alles männergetriggerte Arg dann freilich doch auf einem guten Weg.

Unterwegs dahin muss der Zuschauer ein paar Klischees und Dämlichkeiten überstehen. Natürlich muss eine Frau, die nach einem One-Night-Stand nicht noch kuscheln oder "schön" gemeinsam frühstücken möchte, mindestens einen an der Klatsche haben, so beziehungsstörungsmäßig. Und wenn eine Frau ihren Mann des Fremdgehens verdächtigt, ist es selbstverständlich eine ganz normale Reaktion, einfach mal das gemeinsame Familienheim zu verkaufen.

Wenn die Moppeline mit der verheerenden Frisur dann überraschend doch noch einen abbekommt, kann das natürlich nur ein Blinder sein, der das Wort "Schokoholic" wie eine völlig akzeptable Vokabel im Munde führt. Und übrigens: Frauen lieben teure Schuhe!

In einer kleinen Nebenrolle ist Jenny Elvers bei ihrem sogenannten Fernsehcomeback als Sekretärin zu sehen, die Sätze wie "Sie können hier nicht einfach durch" sagt. Ihre Figur kommt wie die Schauspielerin aus Amelinghausen, ein kleiner Schmunzler am Rande, und ist einst ebenfalls als hoffnungsvolles Mädchen aus der Provinz nach Berlin geflohen, eine "befreite Heidschnucke" also. Allerdings, gibt die Sekretärin ihrer jungen Kollegin zu bedenken, könne man in der großen Stadt ganz schön ins Straucheln kommen. Zwinker, zwinker.

Bemerkenswert ist der überdurchschnittlich gute Soundtrack mit The Libertines, Kings of Convenience, Radiohead, Badly Drawn Boy und Nouvelle Vague - wenn schon nicht die Handlung, dann dürfte zumindest diese Auswahl ins Alter gekommene Mädchen sentimental seufzen lassen.


"Frauenherzen". Dienstag, 14. Januar, 20.15 Uhr, Sat1



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