Sat.1-Sendung "Lange Undercover" Reporter soll betrogen haben

Sat.1 hat mehrere anonyme Hinweise auf Fehler in der Investigativ-Sendung "Lange Undercover" erhalten. Von bezahlten Protagonisten und nachgestellten Szenen ist die Rede. Der Sender drängt nun auf "lückenlose" Aufklärung.


Hamburg/München - Seine Investigativreportagen klangen immer besonders spektakulär: Daniel Lange spürte Schlepperbanden nach, versuchte Drogendealer an Schulen auszuspionieren und recherchierte in der Tarnung als deutscher Bordellbesitzer in Rumänien unter Menschenhändlern. Lange, ein ehemaliger Polizist, setzte sich dabei als moralische Instanz in Szene, der mit den gezeigten Missständen in seiner bullig-offensiven Art manchmal gleich selbst vor der Kamera aufräumte.

Nun deutet sich an: Viele der Reportagen entstanden möglicherweise unter fragwürdigen Bedingungen. Sechs Folgen von "Lange Undercover" wollte Sat.1 insgesamt ausstrahlen, doch nun ist schon nach vier Episoden Schluss, wie der Branchendienst DWDL meldet.

Der Münchner Privatsender lässt zur Zeit alle Sendungen prüfen, an denen Lange beteiligt gewesen ist. "Wir haben am Wochenende Hinweise auf eine mögliche Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht in einer 'Lange Undercover'-Sendung erhalten", sagt Sat.1-Sprecherin Diana Schardt. Es seien mehrere anonyme Hinweise auf Fehler in der Sendung eingegangen.

Lange soll etwa eine Moderation zu einer Szene nachträglich eingesprochen haben, obwohl beim Zuschauer der Eindruck erweckt wurde, der Reporter sei direkt vor Ort gewesen. Bei DWDL ist zudem die Rede von bezahlten Protagonisten und nachgestellten Szenen - Vorwürfe, die Schardt aber nicht kommentieren wollte.

"Sorgfaltspflicht nicht eingehalten"

Sat.1 hat die Sendung vorsichtshalber erst einmal aus dem Programm genommen und den Produzenten zur lückenlosen Aufklärung der Vorwürfe aufgefordert. Der Sender weist zudem jede Schuld an unsauberem Arbeiten von sich: "Ein Redakteur hat die Sendung abgenommen", sagt Schardt. "Wir haben sofort im Haus überprüft, dass wir unserer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind. Wir geben keine Sendung on air, von der wir nicht überzeugt sind, dass sie journalistisch einwandfrei ist."

Der Geschäftsführer von Meta Production, Ollie Weiberg, bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass Fehler geschehen sind. Weiberg teilte mit: "Leider ist 'Meta' bei einer Episode der Produktion von 'Lange Undercover' ein Fehler in der Zusammenfassung einer Situation in der Folge 'Jagt die Schleppermafia' unterlaufen. Wir haben in der besagten Sequenz die Sorgfaltspflicht nicht so eingehalten, wie das unserer eigentlichen Arbeitsweise entspricht."

In einer Moderation habe Daniel Lange einen Recherche-Ort erwähnt, an dem ein Kollege gewesen sei, aber nicht er selbst. "Das war ein Fehler." Auf die Frage, ob Protagonisten gegen Barzahlung engagiert worden, antwortet Weiberg, es sei üblich, dass zum Beispiel Experten und Fachleute, Security oder Dolmetscher mit einem Honorar für Aufwand und Zeit vergütet werden. Ob tatsächliche Hauptdarsteller gekauft wurden - dazu äußerte sich Weiberg nicht. Die Produktionsfirma sei gerade dabei, das Material zu überprüfen.

Doch die Vorwürfe könnten sich ausweiten: Nicht nur "Lange Undercover" ist betroffen, sondern auch "Akte". Denn Daniel Lange war auch als Reporter für die Sendung, die von Ulrich Meyer moderiert wird, unterwegs. Auch hier fordert Sat.1 die Produzenten der Sendung dazu auf, alle vergangenen und geplanten Beiträge lückenlos zu prüfen.

Anmerkung der Redaktion: Bis auf den Vorwurf der verfälschenden Moderation sind inzwischen alle Vorwürfe durch eine Untersuchung des Senders entkräftet worden.

kha



insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
alohas 06.06.2014
1. Fernsehen für Prekäre
Wen wundert das? Derartige Formate auf Privatsendern sind nun mal auf Krawall gebürstet, um irgendwelche plumpen Gemüter zu bedienen. Da braucht es Action, die Funken müssen fliegen! Dass da gelogen und betrogen wird, ist doch offensichtlich; auch die sogenannten „investigativen Reporter“, die sich vor allem selbst in Szene setzen, womöglich noch als „moralische Instanz“, erscheinen eher wie billige Reporter-Darsteller. Sehr unseriös!
hobbyleser 06.06.2014
2. Privatfernsehen eben
Ist da jetzt jemand überrascht? Sat1 ist Privat- und nicht Qualitätsfernsehen. Die Tendenz zum Sensationsjournalismus hat man ja in allen privaten Medien. Wenn man sich beispielsweise mal die Überschriften von Tagesschau.de und spon.de nebeneinander legt, sieht man wie ein und die selbe Nachricht einmal journalistisch aussehen kann und wie sie aussieht, wenn man möglichst viele Hits und Impressions erzeugen muss.
genugistgenug 06.06.2014
3.
---Zitat--- ein ehemaliger Polizist http://www.spiegel.de/kultur/tv/sat-1-lange-undercover-vorwuerfe-gegen-sendung-von-daniel-lange-a-973678.html ---Zitatende--- wieso ehemaliger Polizist? Das sagt doch bereits einiges aus oder wieso verlässt jemand ein Beamtenverhältnis? In diesem Schreifernsehen geht es nur um Quote und was da öffentlich auftritt ist bereits die Elite und man ahnt was sich da im Hintergrund tummelt.
_oscar_ 06.06.2014
4.
Bei solchen Missständen sollte doch mal ein Reporter investigativ tätig werden. (XY deckt auf: So werden Zuschauer bei Sat1 etc. betrogen !)
Andr.e 06.06.2014
5. Laiendarsteller sind erkennbar...
Man muss also recherchieren? Ich vermute 5 Minuten der Sendung reichen, um die Serie als weiteres "ScriptedReality"-Format zu entlarven. Bleibt letztlich die Frage: Wen interessiert das eigentlich?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.