Sat.1-Weltkriegsdrama Als Oma das U-Boot versenkte

Sensible Seele in brutaler Welt: "Am Ende die Hoffnung" hätte ein weiteres Event-Filmchen mit Nazi-Zeit-Flair werden können. Doch Sat.1 gelingt mit dem Weltkriegsdrama überraschend gutes Gefühlskino - auch dank Yvonne Catterfeld, die hinreißend herzergreifend leidet.

SAT.1

Von Daniela Zinser


Doch, es gibt Hoffnung. Zugegeben, sie ist verschüttet - unter Kriegstrümmern und Klischees. Aber hier und da funkelt ganz schön gut gemachtes Fernsehen hindurch beim Sat.1-Dienstagsfilm "Am Ende die Hoffnung". Natürlich ist es wieder ein TV-Event und nichts ist leichter, als sich zu ereifern über Kitsch und Geschichtsverflachung bei diesem Kino in Fernsehgröße. Doch es ist gut gemachtes Gefühlskino in mitreißenden Bildern.

Ein bisschen "Titanic" (alte Frau blickt auf die verlorene Liebe ihres Lebens zurück), eine gehörige Portion "Pearl Harbor" (junge Frau zwischen zwei Männern) und Altbewährtes aus "Das Boot" (eng ist es in so einem U-Boot und ganz schön gefährlich) - dazu Schauspielkönner und mal wieder der Zweite Weltkrieg. Fertig.

Oder, anders erzählt: Alte Frau macht sich mit ihrer Enkelin in deren Taxi auf den Weg nach Norwegen, wo gerade ein deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg am Meeresgrund entdeckt wurde.

Die Deutschen sind allesamt Opfer

Rückblende: Die junge Frau, aktiv in der Widerstandsbewegung, lernt einen britischen Spion kennen, will mit ihm zusammen Frieden schaffen und soll dafür einen deutschen U-Boot-Offizier bespitzeln, in den sie sich natürlich verliebt. Sie verrät ihn und seine Pläne trotzdem - um des Friedens willen. Das U-Boot nämlich soll geheime Waffen-Konstruktionspläne und Ingenieure nach Japan schmuggeln. Das wollen die Briten nicht zulassen. Die junge Frau versucht nun alles, ihren Offizier vor der Versenkung zu retten.

"Dresden", "Die Luftbrücke", "Die Flucht" und demnächst in der ARD auch das zweiteilige Meeres-Drama "Laconia" - gefühlt 80 Prozent der deutschen Eventfilme spielen in der Kriegs- und Nachkriegszeit, da tritt beim Sehen langsam mal Ermüdung ein. Zumal, wenn wie bei "Am Ende die Hoffnung" alles Geschichtliche nur Kulisse ist: Die Deutschen sind Opfer - Näherinnen im Widerstand, alte Leute im Luftschutzkeller oder als U-Boot-Besatzung Feind und Ozean ausgeliefert. Die "echten" Nazis bleiben gesichtslos, wenn sie durch die Straßen schießen oder schreiend im Krankenhaus liegen.

Aber - und damit Kompliment an Autorin Annette Hess ("Weissensee") und Regisseur Thorsten Näter - diesmal gelingt es, durch die klug mit Rückblenden verwobene Rahmengeschichte zu zeigen, wie das Damals ein Leben lang belastet. Rosemarie Fendel spielt wunderbar ruppig die alte Dame, die sich selbst nie vergeben, ihre Familie vernachlässigt und ihr Herz als Schutz durch einen Eisklumpen ersetzt hat. Und Marie Zielcke ist als Enkeltochter der ideale Gegenpart, ebenso ungnädig mit der Welt, enttäuscht und jeden wegbeißend, der ihr zu nahekommt. Sie duellieren sich mit Worten. Das ist rührend, lustig und fern davon, klebrig zu sein.

So schön leidet Yvonne Catterfeld

Für die eher plakativ-emotionalen Momente in dem Film, der von der SPIEGEL-Tochter Aspekt Telefilm Berlin mitproduziert ist, ist die Vergangenheit zuständig und damit Yvonne Catterfeld. Fast möchte man meinen, dass seit Maria Schell keine mehr so herzergreifend und hingebungsvoll litt, ein sprödes Seelchen, das doch immer irgendwie zu leuchten scheint. Wie schön das anzusehen ist. Tiefe bekommt es aber erst durch Stephan Luca ( "Die Route"), der als britischer Spion alles von ihr fordert: Mut, Liebe, Loyalität, Skrupellosigkeit. Es ist die komplexeste Rolle.

Mal strotzt dieser britische Agent vor Selbstgefälligkeit und Gewissheit, das Richtige zu tun, mal ist seine Eifersucht fast brutal, mal alles nur ein Flehen. "Am Ende stirbt dann eben auch der Anstand", sagt er und drückt am ehesten aus, was das für Zeiten waren. Dagegen hat Offizier Max von Pufendorf als netter Mensch, der eigentlich immer nur schöne U-Boote konstruieren wollte, naturgemäß weniger Facetten auszuspielen.

Die Liebesgeschichte zwischen Widerstandskämpferin und U-Boot-Offizier ist angenehm langsam erzählt, mit einigem Sträuben, überraschenden Wendungen, und das große Offenbaren, Heulen und Verzeihen bleibt dankenswerter Weise aus. An der einen oder anderen Stelle mag die Symbolik etwas überdreht sein, aber so ist das nun mal mit den großen Gefühlen und dem kleinen Kino.

Am Ende bleibt die Hoffnung, dass langsam alles besser, komplexer und ein wenig kitschfreier wird - und das Eventfernsehen nach Nazis, DDR und RAF vielleicht mal die Zwanziger entdeckt. Oder 1900.


"Am Ende die Hoffnung", Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1

insgesamt 6 Beiträge
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Das Grauen 18.10.2011
1. Aufgrund dieser Kritik werd' ich's mir doch anschauen.
Schon zunemhmend genervt von der Eigenwerbung bei Sat 1 hatte ich das Drama schon als weiteren TV-Rührschinken abgehakt (auch aufgrund der Catterfield, die ich nicht besonders leiden kann). Offenbar etwas voreilig. Danke, Frau Zinser, und weiter so!
takeo_ischi 18.10.2011
2. 'Jagd auf blondes Opossum'
Zitat von sysopSensible*Seele in*brutaler Welt: "Am Ende die Hoffnung" hätte ein weiteres Event-Filmchen mit Nazizeit-Flair werden können. Doch Sat.1*gelingt mit dem*Weltkriegsdrama*überraschend gutes Gefühlskino - auch dank Yvonne Catterfeld, die hinreißend herzergreifend leidet. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,792284,00.html
Bei der Besetzung kann ich das - bestimmt furchtbar originelle und 'hysterisch' korrekte - gefühlt 512. Weltkriegsschmonzettengedömel mit Sicherheit nicht ertragen.
drumherum 18.10.2011
3. Werbung in eigener Sache...
Zitat von Das GrauenSchon zunemhmend genervt von der Eigenwerbung bei Sat 1 hatte ich das Drama schon als weiteren TV-Rührschinken abgehakt (auch aufgrund der Catterfield, die ich nicht besonders leiden kann). Offenbar etwas voreilig. Danke, Frau Zinser, und weiter so!
Warum Frau Zinser es in diesem wohlwollenden Ton "kritisiert", erklärt sie ja in einem nebensatz selbst...
vonStroheim 18.10.2011
4. Erstaunlich
Sat1? Gibt es tatsächlich noch Leute die diesen Sender sehen? Erstaunlich.
SonOfAnnwn 18.10.2011
5. laaaaaaaaangweilig....
Mal wieder ein belangloses Filmchen um die lästigen Pausen zwischen den Werbeblocks zu füllen. Sicherlich wieder einmal das dramaturgische, filmische und schauspielerische Pendant zu Instant-Cappuccino aus der Tüte. BEzetzt mit den üblichen Möchtegernschauspielern des deutschen Soaphimmels... *gäääähn* Dennoch wird sich wieder in jeder freien Minute selbstbeweihräuchert und -gefeiert. Aber was erwartet man von Eingenproduktionen von Sendern die ansonsten am laufenden Band so tiefgründige "echt wahre, aus dem richtigen Leben gegriffene" Script-Formate produzieren wie "Dicke-Hartz4-Bauern-mit-8-unehelichen-Kindern-suchen-Schnäppchenhaus-und-Traumjob-sowie-ThaiBäuerin-und-den-Weg-raus-aus-den-Schulden"...
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