Von Christian Buß
Sie sabbern, schnarchen und schmiegen sich aneinander: Die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) sind das perfekte Paar, das wussten wir schon immer. Nach der Party eines Freundes kommen sie sich auf der Auslegeware in dessen Wohnzimmer näher, der Alkohol lässt sie die letzten Hemmungen überwinden.
Zärtlichkeiten gibt es in diesem nachtschwarzen Kölner "Tatort" reichlich. Allerdings fast ausschließlich unter Männern, das komatöse Kuscheln zwischen Schenk und Ballauf ist da nur der Anfang. Die Verbindungen zu den Frauen sind in dieser Episode gekappt, das liegt in der Natur des Themas: Es geht um Afghanistan-Heimkehrer, die nach ihrer Ankunft in Deutschland keinen Weg zurück in ihr altes Leben und ihre alte Liebe finden.
Da ist zum Beispiel der Bundeswehrübersetzer Sebastian (Roeland Wiesnekker), der nach sieben Monaten endlich vom Hindukusch in sein Einzelhaus zurückkehrt. Die Willkommensparty aber, die ihm seine Frau Lissy (Anna Loos, früher selbst Ermittlerin beim Kölner "Tatort") schmeißt, verlässt er panisch. Zu viele Menschen, zu viele potentielle Feinde für Sebastian.
Zärtlich geht die Welt zugrunde
Nur bei seinem Kameraden Thomas (Godehard Giese) findet er Verständnis. Der Freund aus dem Bundeswehrlager in Kandahar hat neuerdings durchgehend sturmfreie Bude; die Frau ist mit Sack und Pack ausgezogen, zum Liebkosen hat sie ihm die beiden Kaninchen auf dem Balkon dagelassen. Nun sitzen Sebastian und Thomas in der kahlen Wohnung, streicheln die Hoppler und reichen sich liebevoll eine Bierflasche nach der anderen.
Dritter im Bunde der Heimkehrer ist Matthias (Wanja Mues), der am Hindukusch seinen Arm gelassen hat. Er ist der einzige, der Kontakt zum anderen Geschlecht hält. Wenn auch nur zur eigenen Mutter: Die krault ihm mit seiner zur Nacht abgeschnallten Prothese kokett das Kinn; er deckt die drollige Alte, die mal wieder zu tief ins Likörglas geschaut hat, mit dem verbliebenen Arm sanft zu.
Zärtlich geht die Welt zugrunde: Wie kein zweiter Regisseur in Deutschland kümmert sich Andreas Kleinert um die Aussortierten und die Abgewrackten. Doch egal, wie rigoros er deren Schicksal aufzeigt, er lässt ihnen immer eine gewisse Restwürde. So wie zuletzt in seinem elegischen Stricher-Krimi "Nacht ohne Morgen" mit Götz George. Der gefiel dem verantwortlichem WDR so gut, dass man bei Kleinert gleich noch den aktuellen Heimkehrer-"Tatort" bestellt hat.
Der Krieg bleibt im Kopf
Eine gute Wahl. Hätten die in letzter Zeit leider immer weniger zum Experiment neigenden Kölner "Tatort"-Entscheider einen ihrer Hausregisseure verpflichtet, wäre am Ende doch nur einer dieser Redlichkeitskrimis herausgekommen, in denen die Kommissare über die Legitimierung oder Nicht-Legitimierung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr sowie über posttraumatische Belastungsstörung diskutiert hätten.
Das aber ist ja bereits in etlichen Krimis geschehen. Eher schlecht etwa in einem Saarbrücken-"Tatort" mit hysterisch dilettierenden Jungschauspielern, etwas besser in einem Münchner "Polizeiruf" mit Bjarne Mädel als Neuauflage des klassischen Vietnam-Heimkehrers und richtig gut in einer "Bloch"-Episode mit Jochen Nickel, in der sich der Traumatisierte ein Loch im Wald gräbt, in dem er sich vor den Zumutungen der als feindlich empfundenen Zivilgesellschaft in Sicherheit bringt.
Der Krieg bleibt im Kopf, die Erkenntnis ist nicht neu. Für "Fette Hunde" holen Regisseur Kleinert und sein Drehbuchautor André Georgi (schrieb zuvor den kontrovers diskutierten Sterbehilfe-"Tatort" "Der glückliche Tod" mit Susanne Lothar) diesen Krieg nun in die Realität zurück: In einer Parallelhandlung folgen wir zwei afghanischen Bodypackern, also Heroin-Kurieren, die ihre Fracht in Kondomen in ihrem Magen schmuggeln. So holt man den Verteilungskampf am Hindukusch in die bundesdeutsche Wirklichkeit.
Der männliche Bodypacker wird schnell nach seiner Ankunft erschossen und landet auf dem Seziertisch der Gerichtsmedizin, seine Begleiterin irrt mit der gefährlichen Ware im Darm durch Köln. Offensichtlich pflegt sie eine amouröse Verbindung zu einem der Afghanistan-Heimkehrer. Doch was ist die schon wert: In diesem "Tatort" mit seinem pathologischen Beziehungsgeflecht gibt es echte Nähe und wahre Zärtlichkeit nur unter Männern.
Nur unter jenen Heimgekehrten, die stillschweigend teilen, worüber sich nicht sprechen lässt.
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