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13. Januar 2013, 19:16 Uhr

Schleichwerbung bei "Wetten, dass..?"

Gottschalk-Affäre bringt ZDF heftige Kritik ein

Jahrelang haben Unternehmen bei "Wetten, dass..?" Schleichwerbung betrieben - und zahlten dafür Millionen, wie der SPIEGEL enthüllt. Der Deutsche Journalisten-Verband spricht von schwerem Schaden für das ZDF, auf Twitter reagieren Zuschauer mit bitterem Sarkasmus.

Es ist ein lukratives Geschäft, das schon seit langem läuft: Dolce Media, die von Thomas Gottschalks Bruder Christoph gegründete Firma, bietet Firmen erstaunlichen Zugriff auf "Wetten, dass..?". Für Millionenbeträge durften Unternehmen Reklame in Deutschlands populärster Fernsehshow platzieren - obwohl dergleichen verboten ist. Das belegen nach SPIEGEL-Informationen Verträge, die die Gottschalk-Firma mit den Unternehmen DaimlerChrysler (heute Daimler) und Solarworld abgeschlossen hat.

Die Vereinbarungen enthielten sogar detaillierte Regieanweisungen, wie ein Auto zu präsentieren ist - etwa wie lange und aus welchen Perspektiven es gezeigt wird und wo Showmaster Gottschalk zu stehen hat, um den Blick auf das Auto nicht zu verdecken. Die im Dezember 2003 für eine Laufzeit von drei Jahren geschlossenen Verträge mit DaimlerChrysler regeln die Kooperation bis in kleine Details - etwa dass "die konkrete Anmoderation" für ein in "Wetten, dass ..?" präsentiertes Sondermodell der Mercedes A-Klasse "zwischen den Parteien einvernehmlich festgelegt wird". Seit 2007 ist Audi Kooperationspartner von "Wetten, dass..?". Grundlage der Zusammenarbeit ist ein Vertrag mit Dolce Media, den der Konzern nicht offenlegen will.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat nun vom ZDF eine "lückenlose Aufklärung" verlangt. Wenn die Vorwürfe stimmten, sei "massiv in die redaktionelle Unabhängigkeit des ZDF eingegriffen und dem Sender schwerer Schaden zugefügt worden", erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. "Das wäre nicht nur ein Anschlag auf die Redaktionsarbeit des Senders, sondern auch illegale Schleichwerbung in Reinform und ein klarer Verstoß gegen die geltenden Rundfunkstaatsverträge."

Skandal platzt mitten in Debatte um Rundfunkbeiträge

Der Skandal kommt für das ZDF zur Unzeit, denn die öffentlich-rechtlichen Sender sehen sich derzeit heftiger Kritik am neuen Rundfunkbeitrag ausgesetzt. Große Unternehmen wie die Drogeriekette Rossmann, der Autovermieter Sixt und große Handelsunternehmen prüfen juristische Schritte gegen die Gebühr, die "Bild"-Zeitung fährt seit Tagen eine Kampagne gegen den Beitrag.

Viele Zuschauer haben für die "Wetten, dass..?"-Affäre nur noch bitteren Spott übrig, zu besichtigen etwa auf Twitter. Obwohl die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) unter diesem Namen gar nicht mehr existiert, waren zahlreiche Tweets über die Schleichwerbungsaffäre mit dem "#GEZ"-Hashtag versehen. "Gottschalk lebte gut von GEZ-Steuer, es reichte ihm aber nicht", schimpft ein Nutzer. Ein anderer schreibt: "Wenn die GEZ nicht reicht: Schleichwerbung im ZDF."

Die Summen, in denen es in den Verträgen zwischen der Dolce Media und den Unternehmen geht, sind durchaus beeindruckend. "1.250.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer" pro Jahr war DaimlerChrysler die "Wetten, dass..?"-Kooperation wert. "Ferner wird DaimlerChrysler Dolce Media für Herrn Gottschalk während der Vertragslaufzeit einen gemeinsam ausgesuchten Mercedes-Benz zur Nutzung in Europa überlassen", wie es in Paragraf drei heißt. Als Beispiel wird im Vertrag ein CL 600 genannt, der damals laut Listenpreis mindestens 133.516 Euro kostete.

ZDF: "Keine unzulässige Einflussnahme"

Das ZDF stellt klar, Dolce Media sei nicht berechtigt gewesen, für den Fernsehsender solche Zusagen zu machen. Es sei keine "unzulässige Einflussnahme" auf die Sendung erfolgt.

Der Münchner Medien- und Werberechtsexperte Gero Himmelsbach sieht dagegen klare Hinweise auf einen Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag: "Regieanweisungen in einem Vertrag, dazu sogar die Absprache, eine Moderation gemeinsam festzulegen, das alles zeigt: Hier geht es nicht nur um die Überlassung eines Autos als Gewinnpreis, hier geht es um verbotene Schleichwerbung."

Dolce Media wollte zu Details der Verträge nichts sagen, weil es "ausdrückliche Verschwiegenheitsklauseln" gebe. Auch Thomas und Christoph Gottschalk haben bisher nicht persönlich Stellung genommen. Daimler-Konzernsprecher Jörg Howe sprach von einem "aus damaliger Sicht ganz normalen Vorgang". In den Verträgen habe explizit gestanden, dass "Dolce Media aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit dem ZDF" gewährleiste, dass der "Rundfunkstaatsvertrag" sowie die "Werbe- und Sponsoringrichtlinien des ZDF" voll eingehalten würden. "Darauf mussten wir uns verlassen."

Frank Asbeck, Chef der Solarenergiefirma Solarworld, der rund eine Million Euro zahlte, um in der "Wetten, dass..?"-Staffel 2010/2011 Kooperationspartner zu werden, redet allerdings Klartext: "Man zahlt für die Sendesekunden." Entscheidend sei für ihn gewesen, dass die Carports mit Solardach, die die Zuschauer gewinnen konnten, "in der Sendung einem Millionenpublikum gezeigt" wurden. "Ich bin mit dem Gegenwert sehr zufrieden", sagt Asbeck, "das war ein Super-Sendeplatz, und wir hatten einen tollen Werbeeffekt."

Geht es nach ZDF-Intendant Thomas Bellut, sollen solche Kooperationen in Zukunft ausgeschlossen sein: "Dass die Markenrechte an 'Wetten, dass..?' in diesem Umfang extern vermarktet wurden, lag auch daran, dass Gottschalk für den Sender damals so wichtig war." Damit aber soll jetzt Schluss sein. Im Sommer läuft der Vertrag mit Audi aus. "Die Vermarktung der Markenrechte und die Akquise von Gewinnspielpreisen aus einer Hand gibt es nach Gottschalk nicht mehr. Es schadet dem Sender, wenn auch nur der Anschein entsteht, dass da nicht sauber agiert würde."

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mbe

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