Schmiergeld-Skandal Gericht bietet Ex-MDR-Sportchef einen Deal an

Gegen Bestechung soll er unbedeutende Sportveranstaltungen und Sponsoren-Logos im Fernsehprogramm untergebracht haben. Jetzt steht der frühere MDR-Sportchef Wilfried Mohren in Leipzig vor Gericht. Dort möchte man das Verfahren abkürzen: Geldbuße und Geständnis statt Gefängnis.

Landgericht statt Sportbericht: Wilfried Mohren mit seinem Rechtsanwalt
DDP

Landgericht statt Sportbericht: Wilfried Mohren mit seinem Rechtsanwalt


Hamburg/Leipzig - Es ist nicht die erste Affäre um einen ARD-Mitarbeiter, der sich mit unsauberen Methoden bereichert hat und wird wohl auch nicht die letzte sein: In Leipzig steht jetzt der frühere Fernseh-Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks, Wilfried Mohren wegen einer Schmiergeld-Affäre vor dem Landgericht.

Der 51-Jährige ist wegen Bestechlichkeit in 19 Fällen sowie Vorteilsannahme, Betrugs und Steuerhinterziehung angeklagt. Rund 330.000 Euro soll er kassiert haben, um bestimmte Veranstaltungen und Interviews werbewirksam im MDR zu zeigen. Der Prozess wird aber voraussichtlich schneller als gedacht zu Ende gehen. Die Kammer bot Mohren einen Deal an: Seine Strafe werde zwei Jahre auf Bewährung nicht überschreiten - wenn er dafür ein "glaubhaftes Geständnis" ablegt. Neben Mohren sitzen seine Ehefrau, 49, sowie zwei Sportmanager auf der Anklagebank.

Das System "Familie Mohren"

Die Staatsanwältin benötigte zum Auftakt des Prozesses fast eine Stunde, um sämtliche Vorwürfe vorzutragen. Demnach funktionierte das "System Familie Mohren" jahrelang ungestört. Mitte der Neunziger habe der Journalist beschlossen, "sein Gehalt dauerhaft durch Zusatzeinnahmen aufzubessern". Am MDR vorbei habe er mit Firmen und Agenturen Vereinbarungen über angebliche Berater- oder Moderatoren-Jobs abgeschlossen.

Die wahre Gegenleistung für das Geld sei jedoch gewesen, Sponsoren oder gesponserte Veranstaltungen gebührend im MDR-Fernsehen zu würdigen. Dazu habe auch gehört, auf Sportler-Trikots genähte Logos ins rechte Licht zu rücken. Zur Verschleierung seien die Zahlungen über die Werbe- und Veranstaltungsagentur seiner Ehefrau gelaufen.

Das Paar flog erst 2005 im Zuge der Betrugs-Ermittlungen gegen den inzwischen verurteilten Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, auf. Gerüchte über die Bestechlichkeit der MDR-Spitzenkraft und sogar eine anonyme Anzeigen hatte es schon früher gegeben. Am 21. Juli 2005 feuerte der MDR seinen Abteilungsleiter Sport; eine Klage gegen die fristlose Kündigung nahm Mohren später zurück. Einen Tag vor dem Strafprozess hatten sich Mohren und der MDR überraschend auf einen Vergleich über Schadenersatz geeinigt: Das Ehepaar wird zum 1. Oktober 2009 rund 380.000 Euro an den Sender überweisen. Damit hat sich eine Schadenersatzklage gegen Mohren erledigt.

Antikorruptionsbeauftragte beim MDR

Die Einigung war wohl auch als Signal an das Landgericht Leipzig gedacht, wo unter Vorsitz von Richter Carsten Nickel das Strafverfahren gegen Mohren läuft.

Neben der Bewährungsstrafe wegen Bestechlichkeit stellte die Kammer Mohren eine Geldstrafe wegen der anderen Delikte in Aussicht. Auch seine Frau könnte mit einer Geldstrafe davonkommen, wenn sie gesteht. Eine langwierige Beweisaufnahme wird es damit nicht geben. Mohren zeigte sich erleichtert über den möglichen Deal. "Ich bin zufrieden", sagte er. Staatsanwaltschaft und Verteidigung müssen dem Vorschlag der Kammer noch zustimmen. Darüber werden sie bis zum nächsten Verhandlungstag beraten.

Der MDR indes achtet nach eigenen Angaben mittlerweile stärker auf Transparenz: Dienstanweisungen zu Nebentätigkeiten wurden verschärft. Unmittelbar nach dem Skandal nahm eine Antikorruptionsbeauftragte die Arbeit auf, die inzwischen durch eine externe Ombudsfrau ersetzt wurde.

Wilfried Mohren, der mit seiner Frau in einem schmucken Leipziger Vorort wohnt, hat nach eigenen Angaben derzeit keinen Job. Der Prozess wird am 29. September fortgesetzt.

Bis dahin schaut die interessierte Medien-Öffentlichkeit nach Hamburg: Dort nahm kürzlich ein anderer ARD Skandal seinen Lauf - der um die "Tatort"-Chefin Doris Heinze.

sha/dpa/AP

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