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Scripted Reality im TV: Knapp die Hälfte der Zuschauer glaubt an echte Fälle

Wirklichkeit oder Fiktion? Kinder und Jugendliche können das laut einer neuen Studie bei Scripted-Reality-Sendungen nur schwer unterscheiden. Eine Studie belegt nach SPIEGEL-Informationen, dass mehr als die Hälfte der jungen Zuschauer die RTL-Pseudo-Doku "Familien im Brennpunkt" für bare Münze nimmt.

Hamburg - Die TV-Serien heißen "Mitten im Leben", "Familien im Brennpunkt" oder "Die Schulermittler". Es sind Pseudo-Dokus - die Geschehnisse sind per Drehbuch geplant. Scripted Reality nennt man diese Fernsehformate, bei denen Laien erfundene Handlungsstränge nachspielen.

Eine neue Studie zeigt nach SPIEGEL-Informationen, dass zumindest bei Kindern und Jugendlichen die Verwirrung über solche Sendungen groß ist. Die Gesellschaft zur Förderung des internationalen Jugend- und Bildungsfernsehens befragte 861 junge Menschen.

Das erschreckende Ergebnis: Knapp die Hälfte der Zuschauer zwischen sechs und 18 Jahren glaubt, in dem RTL-Format "Familien im Brennpunkt" würden echte Fälle nachgespielt. Fast jeder Dritte in der untersuchten Altersgruppe war der Ansicht, dass das Kamerateam die tatsächlichen Erlebnisse der gezeigten Familien dokumentiert. Nur 22 Prozent gaben an, sie wüssten, dass es sich um erfundene Geschichten handelt.

Vor allem Kinder und Jugendliche halten die auf maximalen Effekt konstruierten Pseudo-Dokus tatsächlich für ein Abbild der Realität, befürchtet die Fernsehforscherin Maya Götz. So bekämen sie ein "verzerrtes Bild von Menschen und Milieus" vermittelt.

Ende November war bekannt geworden, dass "Die Super Nanny" Katharina Saalfrank nach sieben Jahren aussteigt. Sie beklagte, RTL habe ihre Arbeit behindert, indem der Sender per Drehbuch zu oft in ihre pädagogische Arbeit eingegriffen habe: Dies sei sicher der "Entwicklung des medialen Markts" hin zu "gescripteter", also inszenierter, Realität geschuldet. Das komme für sie nicht mehr in Frage, so Saalfrank.

heb

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
M. Michaelis 11.12.2011
Ich erinnere mich dass die Lindenstrasse zu ihren besten Zeiten sogar von etlichen Erwachsenen für Realität gehalten wurden. Und das versuchte niemand als Realität zu verkaufen.
2. Zweck erfüllt:
herr_kowalski 11.12.2011
Zitat von sysopWirklichkeit oder Fiktion? Kinder und Jugendliche können das laut einer neuen Studie bei "Sripted Reality"-Sendungen nur schwer unterscheiden. Eine Studie belegt nach SPIEGEL-Informationen, dass mehr als die Hälfte der jungen Zuschauer die RTL-Pseudo-Doku "Familien im Brennpunkt" für bare Münze nimmt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,803049,00.html
Das ist auch Absicht dieses Schrotts.
3. Doofe gab es schon immer
pit1958 11.12.2011
Schon das "Millionenspiel" (1970) haben etliche Zuschauer für wahr gehalten...
4. qed und nun ausschalten bitte
BR_Demokratie 11.12.2011
das aktuelle fernsehprogramm trägt aktiv zur verblödung der gesellschaft bei... einfach mal die glotze aus... in chile gibt es eine installation, die sagt: "apaga la tele, vive tu vida" - glotze aus und leb dein leben...
5.
smelly19 11.12.2011
Noch trauriger ist es, dass es bei Menschen, die älter als 18 Jahre alt sind, genauso aussieht. Mindestens die Hälfte glaubt was sie dort sieht und bildet sich mit diesen "Informationen" eine Meinung. Ein Problem, das nicht nur bei den üblichen Verdächtigen, auch bekannt als bildungsferne Schichten, weit verbreitet ist, denn auf Abendgymnasium das ich besuche wird diese Quote ebenfalls erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen.
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