Ex-Pressesprecher des Weißen Hauses Sean Spicer wird Talkshow-Moderator

Seine Pressekonferenzen nach dem Amtsantritt von Donald Trump gerieten zur Realsatire - jetzt soll Sean Spicer in seiner eigenen Talkshow über Alltagsthemen plaudern.

Sean Spicer
AP

Sean Spicer


Vor gut einem Jahr trat Sean Spicer als Pressesprecher des Weißen Hauses zurück. Seitdem herrschte relative Stille um den Mann, der sich mit teils absurden Pressekonferenzen einen Namen gemacht hat. Damit soll jetzt Schluss sein: Spicer wird Talkshow-Moderator.

Das meldet die New York Times. Wo und wann die Sendung laufen soll, steht demnach noch nicht fest, dass sie produziert wird, allerdings schon. Die Dreharbeiten sollen im Juli stattfinden. Spicer will sich mit "interessanten und nachdenklichen" Menschen des öffentlichen Lebens treffen. Den Rahmen für eine lockere Plauderei soll ein Café oder ein Pub geben.

Themen sollen nach Informationen der "Times" aus dem Alltag stammen, sie könnten etwa davon handeln, wie vorteilhaft es sei, sein eigenes Bett zu machen. Spicer selbst sagte dem Blatt: "Gerade heute ist es wichtig, eine Plattform zu haben, wo man zivile, respektvolle und informative Diskussionen über die Themen des Tages haben kann." Ein angedachter Titel für die Sendung ist "Sean Spicers Common Ground" (etwa "Sean Spicers gemeinsamer Nenner").

Der erste Gast hat schon abgesagt

Als ersten Gast lud die Produktionsfirma Michael Avenatti ein, den Rechtsanwalt, der die ehemalige Porno-Darstellerin Stormy Daniels gegen Donald Trump vertritt. Avenatti lehnte die Einladung allerdings schon ab.

Sean Spicer sorgte als Pressesprecher gleich mit seiner ersten Pressekonferenz im Januar 2017 für Aufsehen, als er mit frei erfundenen Zuschauerzahlen zu Trumps Vereidigung am Vortag hantierte. ("Das war das größte Publikum, das jemals bei einer Vereidigung dabei war, sowohl vor Ort als auch weltweit. Punkt.") Zudem drohte er damals unverhohlen den anwesenden Medienvertretern. ("Wir werden unsererseits die Presse zur Rechenschaft ziehen. Das amerikanische Volk hat Besseres verdient.")

Spicer hat noch mehr Pläne

Auch später sorgte er mit Aussagen für Kopfschütteln, etwa mit der Einlassung, selbst Adolf Hitler habe niemals chemische Waffen gegen sein eigenes Volk eingesetzt. Die Komikerin Melissa McCarthy parodierte ihn mehrfach in der Sendung "Saturday Night Live".

Die Talkshow ist nicht Spicers einziger Plan für die Zukunft. Er startete einen Podcast ("Everything's Going To Be Alright"), wird am 24. Juli ein Buch über seine Zeit als Pressesprecher des Weißen Hauses veröffentlichen ("The Briefing: Politics, The Press, and The President") und sich bei der geplanten Lesetour für einen Dokumentarfilm begleiten lassen.

Zu Trump steht Spicer nach wie vor: Er ist Mitglied bei "America First Action", einer Organisation, die Trump unterstützt.

kae



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
grumpy53 26.06.2018
1. jeder Topf findet seinen Deckel - vielleicht
Okay, immerhin hat der Mann erkannt, dass seriöse politische Tätigkeitsfelder nicht seine Kragenweite sind. Die Erklärung: zivile, respektvolle und informative Diskussion macht mich schmunzeln, aber na gut, die Sache mit den alternativen Fakten ist und bleibt für Verlautbarungen der Pressearbeit aus dem weißen Haus für die Amtszeit(en) von Trump auf Ewigkeiten im Gedächtnis. Jeder Mensch hat das Recht sich selbst zum Horst zu machen.
susuki 26.06.2018
2.
Er sollte seinen Bruder im Geist, Comical Ali, Pressesprecher von Saddam Hussein, als ersten Gast einladen.
galens 26.06.2018
3. All the same
Unter der Ägide von Donald Trump ist es egal ob ich als Regierungssprecher verkünde oder als Moderator eine Talkshow mache. Obwohl wenn ich so nachdenke ist die Talkshow seit Donald Trumps Wahl das seriösere.
twister13 26.06.2018
4. Zustimmung
Zitat von susukiEr sollte seinen Bruder im Geist, Comical Ali, Pressesprecher von Saddam Hussein, als ersten Gast einladen.
Klasse Idee! Dann können die beiden über ihre ehemaligen Chefs philosphieren. Wer durchgeknallter ist/war. Quotenbringer!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.