Slomka-Interview Seehofer rügt Medien für Umgang mit Politikern

Bayerns Ministerpräsident wirft der Presse gefährliche Tendenzen vor. In manchen Medien gebe es einen Qualitätsverlust, die Tendenz zur Herabsetzung von Politikern nehme zu, sagte Horst Seehofer dem SPIEGEL. Er empfiehlt Journalisten mehr Selbstkritik.

CSU-Chef Seehofer: "Qualitätsverlust in manchen Medien"
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CSU-Chef Seehofer: "Qualitätsverlust in manchen Medien"


Hamburg - Horst Seehofer hat Politiker aufgefordert, sich künftig härter gegen Kritik aus den Medien zu wehren. "Es gibt einen Qualitätsverlust in manchen Medien. Und die Herabsetzung von Politikern und Parteien nimmt zu", sagte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef dem SPIEGEL. "Ich empfehle allen Politikern, so etwas nicht hinzunehmen."

Als Beispiel für eine persönliche Herabwürdigung erwähnte Seehofer eine Zeitung, die ihn "Crazy Horst" genannt hatte, in Anlehnung an eine von Neil Young gegründete Rockband oder einen Anführer der Oglala-Indianer im Amerika des 19. Jahrhunderts.

"Für mich ist da eine Grenze überschritten", sagte Seehofer. Er kritisierte auch erneut die ZDF-Moderatorin Marietta Slomka für ihren Disput mit dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel über die Frage, ob der SPD-Mitgliederentscheid verfassungsgemäß sei. Das Interview war in einen heftigen, teils persönlichen Schlagabtausch gemündet. "Mir will es nicht in den Kopf, wenn man sich in einer Demokratie für mehr Demokratie rechtfertigen muss", sagte Seehofer.

Seehofer erwähnte zudem eine SMS, die er an den ZDF-Intendanten Thomas Bellut geschrieben hatte. Deren Inhalt: "Lieber Herr Bellut, für Auftritt von Frau Slomka gegenüber Gabriel kann man sich nur wundern. Wir entscheiden als CSU heute Nachmittag mit ca. 100 Leuten über Koalitionsvertrag. Verfassungswidrig? Ihr HS aus Bayern."

"Weinerlichkeit und Dünnhäutigkeit"

Er habe dann später die SMS auch in Briefform an Bellut geschickt und mit dem Satz versehen: "Nachdem diese normale Bewertung zwischenzeitlich vom ZDF wieder zu einer Grundsatzfrage der Pressefreiheit stilisiert wurde, erwarte ich auch keine Antwort."

Bellut habe trotzdem geantwortet. "Aber weil sein Brief so interessant ist, veröffentliche ich ihn nicht", sagte Seehofer. "Der kommt in meinen Safe."

Seehofer forderte Journalisten dazu auf, mehr Selbstkritik zu üben. Wenn Politiker es wagten, Journalisten zu kritisieren, gebe es zwei Reaktionsmuster. "Erstens: Es wird behauptet, die Pressefreiheit sei gefährdet. Dann springen alle Journalisten dem armen Kollegen bei, und der unvermeidliche Journalistenverband hebt warnend den Finger", sagte Seehofer. "Wenn man nicht zu diesem Totschlaghammer greift, wird einem stattdessen Weinerlichkeit und Dünnhäutigkeit vorgeworfen. Das sind die beiden Klassiker. Beides ist falsch."

Gleichzeitig verteidigte Seehofer CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der schon häufiger zu derben Formulierungen gegriffen hatte. "Ein Generalsekretär ist für eine Partei Hauptakteur im politischen Meinungskampf. Ein Journalist sollte etwas ganz anderes sein, nämlich Beobachter und Bewerter dieses Meinungskampfes", sagte Seehofer. "Das sollte man nicht verwechseln und jedes Wort auf die Goldwaage legen." Dobrindt hatte etwa den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, einen Falschmünzer genannt.

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insgesamt 122 Beiträge
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microglobe 07.12.2013
1. Einige Politiker ...
... haben immer noch nicht begriffen, daß die Zeiten, in denen Journalisten ehrfurchtsvoll den hehren Worten der Politiker (ohne Widerspruch) zu lauschen hatten, vorbei sind. In heutigen Zeiten müssen sie sich schon einmal kritsche Fragen gefallen lassen, ohne gleich auszurasten, beleidigt zu sein oder sich gleich beim "Papa" (=Fernseh-Intendant) zu beschweren. microglobe
hasimen 07.12.2013
2. Sonderbar ...
Zitat von sysopDPABayerns Ministerpräsident wirft der Presse gefährliche Tendenzen vor. In manchen Medien gebe es einen Qualitätsverlust, die Tendenz zur Herabsetzung von Politikern nehme zu, sagte Horst Seehofer dem SPIEGEL. Er empfiehlt Journalisten mehr Selbstkritik. http://www.spiegel.de/kultur/tv/seehofer-ruegt-medien-fuer-umgang-mit-politikern-a-937792.html
Respekt muss man sich verdienen, Herr Seehofer ! Wo steht geschrieben, das eine goldene Badekappe und eine Golfklubmitgliedschaft nicht hinterfragt werden dürfen ? Dieser unterschwengliche Angriff auf die Presse wird wie ein Bumerang zurückkommen. Wenn es nahezu etwas in DE gibt um was viele Nachbarländer uns beneiden, dann sind es nicht die politischen Dummschwätzer sondern unsere Presse. Das nachträgliche Umgehen mancher Politiker mit dem Sachverhalt des Interviews zeigt eher ihre - die der Politikers - Unreife Verantwortung zu tragen. Jede weitere Eingabe dazu zeigt noch deutlicher das Unvermögen diverser Möchtegern-Wichtigtuer, also die sg. Politiker. Liebe Politiker, oder solche die ihr meint zu sein, stellt Euch selber doch nicht mehr ins AUS als es ohnehin schon ist. Das steigende Desinteresse resultiert doch genau daraus, das sich mancher meint durch Seehofers Turnübungen einen Status zu erzwingen dem er nicht gerecht wird. Das die Presse ( Fr. Slomka ) dann bei Schaumschlägern mal auf den Puls fühlt ist doch nur natürlich. Maulkorb ? Blödsinn. Respekt muss man sich verdienen !!!
mimak 07.12.2013
3. Es gibt einen Qualitätsverlust...
damit hat er recht. Aber diese ist nicht in der Berichtersattung über Politiker zu suchen, sondern bei den Politikern selber. Das was wir hier noch haben, nach der grossen "geistige moralische Wende" in der Ära Kohls, hat mit demokratische Volksvertreter nichts mehr zu tun. Lieber Crazy Horst, wenn dir dein Spiegelbild nicht gefällt, kritisiere nicht den Spiegel, ändere dich selbst.
Wilder Eber 07.12.2013
4. Es ist soweit
Da wurden die öffentlich rechtlichen Sender mit dem Geschenk der Zwangsgebühr gleichgeschaltet und nun erlauben sich die Journalisten auch noch unbequeme Fragen zu stellen, wo Politiker nicht darauf vorbereitet sind. Ach Herr Seehofer das geht natürlich gar nicht. Es ist soweit, die Politik hat sich vom Volk komplett entfernt.
v50sau 07.12.2013
5. Qualitätsverlust?
Zitat von sysopDPABayerns Ministerpräsident wirft der Presse gefährliche Tendenzen vor. In manchen Medien gebe es einen Qualitätsverlust, die Tendenz zur Herabsetzung von Politikern nehme zu, sagte Horst Seehofer dem SPIEGEL. Er empfiehlt Journalisten mehr Selbstkritik. http://www.spiegel.de/kultur/tv/seehofer-ruegt-medien-fuer-umgang-mit-politikern-a-937792.html
gibt es lt. Seehofer bei manchen Medien. Bei manchen Politikern gibt´s den schon lange. Zensor Seehofer soll sich auf seinen Haussender, den Bayer. Rundfunk beschränken. Dort kann er seinen Einfluss ausspielen und kräftig zensieren. Im übrigen hat Frau Slomka recht! Die dauernde Medienschelte dieses Königs von Bayern ist nur noch peinlich.
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