Serie "Firefly": Outlaws im Orbit

Von David Kleingers

Cowboys im All, Luxushuren, Helden und Schurken: Die TV-Serie "Firefly" verlegt den Wilden Westen ins Weltall. Nach jahrelangen Verzögerungen kommt die Kultserie jetzt auch ins deutsche Fernsehen - besser fährt allerdings, wer sie sich auf DVD zulegt.

"Firefly": Cowboys im Weltraum Fotos
SUPER RTL

Von den Randregionen des Universums in die Außenbezirke der deutschen Senderlandschaft: Irgendwie passt es, dass die bahnbrechende Retro-Zukunft-Western-Weltraum-Serie "Firefly" nach Jahren sträflicher Missachtung nun im obskuren Abendprogramm von Super RTL landet. Denn so setzt sich der Außenseiterstatus eines innovativen Formats fort, das TV-Verantwortlichen nie so recht geheuer war, seine loyalen Anhänger aber bis heute begeistert.

2002 präsentierte Autor und Regisseur Joss Whedon erstmals seinen smarten Crossover aus Frontiersaga und Weltraumoper, doch schon die Erstausstrahlung stand unter keinem guten Stern: Der damalige Sender Fox sägte die unkonventionelle Show nach nur 14 Folgen ab. Aber die genügten, um einen unerwarteten Proteststurm äußerst artikulierter Fans auszulösen, die sich einer aufregenden Spielart der Science-Fiction beraubt sahen.

In der klargemacht wird, dass Zukunft keineswegs zwangsläufig Fortschritt bedeutet. Schon gar nicht an Bord der "Serenity", einem angegammelten Raumfrachter der "Firefly"-Bauklasse. 500 Jahre nach unserer Zeit dümpelt das Schiff von Captain Malcolm Reynolds (Nathan Fillion) an den Grenzen des von Menschen besiedelten Universums entlang, welches nach einem verheerenden Bürgerkrieg von einer ebenso techno- wie bürokratischen Allianz beherrscht wird.

Saloon-Schlägereien und Lagerfeuergitarre

Der desillusionierte Reynolds ist als früherer Unabhängigkeitskämpfer ein Verlierer in dieser vermeintlich wohltätigen Weltenordnung, und entsprechend setzt sich auch die restliche Besatzung aus mehr oder minder unfreiwilligen Outlaws zusammen. Neben Reynolds' ehemaliger Waffenschwester Zoe und ihrem Ehemann Wash - der zugleich Schiffspilot ist - haben der Prediger Shepherd Book, die Edelprostituierte Inara, der Revolverheld Jayne und die lebensfrohe Mechanikern Kaylee ein Heim in dieser Weltraum-WG gefunden. Die streitlustige Schicksalsgemeinschaft finanziert sich mit Gelegenheitsgaunereien, zettelt Saloon-Schlägereien an und spielt auch mal Gitarre am Lagerfeuer.

Denn das All ist in "Firefly" ist eine überaus ruppige Sternenprärie, auf der lakonische Space Cowboys gegen den Systemkonformismus stänkern. Letzteres auch gerne mit kantonesischen Kraftausdrücken, schließlich ist Chinesisch zweite Amtssprache dieser zusammengeschusterten Zukunft.

Joss Whedon, der mit seiner großartigen Adoleszenz-Apotheose "Buffy the Vampire Slayer" die Fernsehfiktion revolutionierte, interessierte sich auch hier weit mehr für eine schlüssige Entwicklung der Figuren als für phantastische Szenarien oder Schauwerte. Und der Charaktertest für die im Grunde herzensgute Crew der "Serenity" beginnt, als sie den flüchtigen Arzt Simon und seine verstörte Schwester River (Summer Glau) aufnimmt und damit die gesamte Allianz gegen sich aufbringt.

Inspiration für J. J. Abrams' "Star Trek"-Neustart

Mit Herz, Humor und Hemdsärmeligkeit trat "Firefly" einem müde gewordenen Genre in den Hintern. Während sich zur selben Zeit die neue "Star Wars"-Trilogie öde durchs All wälzte und die "Star Trek"-Franchise als Debattierclub dahindämmerte, warf Whedon den Ballast pseudo-mythischer bis staatstragender Science-Fiction kurzerhand über Bord. Ähnlich wie die New-Hollywood-Western der siebziger Jahre ihre Tradition neu- und umdeuteten, brachte "Firefly" Schmutz, Schmerz, Leidenschaft und Liebe in die Science-Fiction.

Für Spannung braucht es dabei in Whedons Universum keine Aliens, schließlich ist das menschliche Drama schon bizarr und aufregend genug. Selbiges fand nach dem abrupten Ende der Serie seine Fortsetzung im Spielfilm "Serenity" (2005), der offene Fragen beantwortete und Reynolds' Mannschaft zu einem verspäteten, aber umso verdienteren Höhenflug verhalf.

Wer jetzt sehen will, warum etwa der gelungene "Star Trek"-Neustart von J. J. Abrams Joss Whedons struppigen Pionieren so viel verdankt, muss sich natürlich nicht seine Samstagabende von Werbeblöcken auf Super RTL zerstückeln lassen: "Firefly" sowie "Serenity" sind schon lange auf DVD erhältlich, weshalb der Serienstart eher Anlass sein sollte, die ungleich stimmigeren englischen Originalfassungen zu erwerben.

Ohne störende Unterbrechungen kann man denn auch bald den schluchzschönen Country-Titelsong mitsingen: "Take my love, take my land / Take me where I cannot stand/ I don't care, I'm still free/ You can't take the sky from me."

Himmelwärts ho, bis die Kühe nach Hause fliegen.

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Forum - Haben TV-Serien Hollywood abgelöst?
insgesamt 46 Beiträge
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1.
DJ Doena 22.09.2008
Man definiere "Hollywood". Auf jeden Fall kann man mit Serien schöne, längere Geschichten erzählen. Es besteht allerdings auch das Risiko, dass der produzierende/auftraggebende Sender den Stecker zieht und die Serie im Nirgendwo endet ("Firefly" sei hier als Beispiel genannt). Auf jeden Fall finde ich es klasse, dass sich die meisten Serien vom "eine separate Geschichte pro Woche"-Konzept gelöst haben. So lustig MacGyver, A-Team, Knight Rider und wie sie nicht alle heißen Ende der 80er und Anfang der 90er anzugucken waren, heute wollte ich nicht mehr Woche für Woche den gleichen Basisplot an neuer Location sehen. Heute will ich einen Handlungsbogen, der wenigstens eine dreiviertel Staffel reicht, wenn nicht sogar über die ganze Serie. Eine meiner Lieblingsserien ist immer noch "Babylon 5", die zwar für heutige Verhältnisse furchtbare Special Effects hat, die Story aber dafür umso packender ist.
2. eindeutig
Knighter 22.09.2008
Da kann ich nur sagen: ein klares JA - die Kinofilmindustrie Hollywoods hat sich ihren eigenen Markt mit grenzdebilen Fortsetzungen (Spider Man & Co.), Remakes (schlimmster Flop: Das Body Snatcher Remake 2007 "The Invasion" von Oliver Hirschbiegel, mit Kidman und Daniel Craig - HALLO, irgendwer davon gehört???), Verfilmung selbst abstrusestem Materials (Tim und Struppi???) Effekteskapaden und dümmlichsten Komödien nahezu komplett selbst ruiniert. In den Serien glänzen sie dahingegen...mal sehen wie lange noch...
3.
tetaro 22.09.2008
Zitat von sysopDie TV-Serien aus den USA gewinnen immer mehr an Qualität, was mit den "Sopranos" und "Six Feet Under" bereits Höhepunkte erreichte setzt sich mit aktuellen Produktionen fort. Haben die TV-Serien inzwischen in punkte Qualität und Wirkung Hollywood abgelöst?
Die hohe Bedeutung von Serien ist nicht ganz neu. Serien haben eine stärkere Publikumsbindung als einzelne Filme und irgendwie hat man sich in Serien immer etwas mehr "getraut" als in Filmen, vielleicht, weil man erstmal antesten kann, was ankommt, und den Schwerpunkt noch verlagern kann, wenn es sinnvoll ist. Serien waren auch früher schon eher die Trendsetter als Filme und viele Filmproduktion speisen sich aus Serien.
4.
christian simons 22.09.2008
Zur diesjährigen Emmy-Verleihung kann ich wenig beitragen, weil mir die honorierten Leistungen (bis dato) völlig unbekannt sind. Einzig der Emmy für Jean Smart als beste Nebendarstellerin ist für mich eine verspätete Genugtuung. Vor zwei Jahren war sie schon einmal nominiert für ihre grandiose Darstellung der psychisch labilen Präsidentengattin in "24"-Staffel 5 und da ging sie leider wie ihr Partner, der kongeniale "Präsident Logan" (Gregory Itzin) leer aus. Ansonsten zur Frage: Ein klares Ja. Aber die aktuelle Blütezeit der US-Serien geht am deutschen Publikum weitgehend vorbei. Zum einen, weil komplizierte, episodenübergreifenden Plots hier noch immer den Hautgout der Seifenoper haben, bzw. weil es diesbezüglich bei uns an Aufnahmebereitschaft mangelt; zum anderen weil tapfer Vorurteile aus der "Dallas" und "Denver Clan"-Zeit gepflegt werden. (als die Welt noch in Ordnung war, und der seichte Schrott aus Amerika und das Qualitätsfernsehen aus Europa kam.)
5.
Calypsoqueen 11.10.2008
Ich bin früher eher kritisch gegenüber Serien gewesen. Die kurzen in sich abgeschlossenen Folgen fand ich ätzend. Erst mit Star Trek TNG und den übergreifenden Handlungssträngen fand ich Gefallen an Serien. Mit 24, Battlestar Galactica oder Heroes hat sich mein TV-Weltbild völlig gedreht: Das sind keine Serien mehr, sondern große Filme die man in kleinen Stücken schaut. Episch, das fällt mir zu den neuesten Serien ein. Ich finde den Trend sehr gut.
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