Serien-Star Bryan Cranston: Der Drogenkoch, den ganz Amerika liebt
Selten hat sich das Warten mehr gelohnt: 30 Jahre schlug sich Bryan Cranston mit Nebenrollen herum, dann wurde er mit der TV-Serie "Breaking Bad" zum Star - doch mit was für einer Rolle! Der aktuelle Liebling des US-Fernsehens ist ein todkranker Chemielehrer, der Drogen braut und mordet.
"Ich glaube an Vetternwirtschaft!", sagt Bryan Cranston fröhlich. Als vor ein paar Wochen die Dreharbeiten zur dritten Staffel von "Breaking Bad" begannen, stand Hauptdarsteller Cranston nicht nur selbst hinter der Kamera. Er hatte auch seine Frau Robin und seine 16-jährige Tochter gecastet. "Und meine Tochter ist richtig gut!"
Seit Cranston für seine Darstellung eines krebskranken Drogenkochs zwei Emmys erhielt, ist er ein Star in der amerikanischen Fernsehlandschaft und genießt jede Sekunde - denn der Erfolg hat auf sich warten lassen. Cranston malochte mehr als 30 Jahre in Nebenrollen, unter anderem als Dr. Whatley in "Seinfeld" und Malcolms Vater Hal in "Malcolm in the Middle". Dann, endlich, fiel ihm 2007 "Breaking Bad", diese Perle der Fernsehunterhaltung, in den Schoß: Es ist die Geschichte des vertrockneten Chemielehrers Walter White, der sich nach einer Lungenkrebsdiagnose in den Kopf setzt, seine Familie abzusichern - mit selbstgemachtem Crystal-Meth.
Um das hoch wirksame Methamphetamin auch verkaufen zu können, tut sich Walter mit seinem ehemaligen Schüler Jesse (Aaron Paul) zusammen, der über Kontakte ins Milieu verfügt. Auf einmal hat es Walter White anstatt mit unmotivierten Schülern mit einer Reihe von Hardcore-Dealern, einer zunehmend misstrauischen Ehefrau, einem drogenabhängigen Partner und einem ungeliebten Schwager bei der Anti-Drogenbehörde DEA zu tun.
"Ich erinnere mich noch", sagt Cranston, "wie ich die ersten Sätze des Drehbuchs las: ,Eine Hose flattert durch die Luft und landet auf einer Schotterstraße. Ein Camper fährt drüber, am Steuer ein panischer Mann in Unterhose und Gasmaske, neben ihm ein weiterer Mann, ohnmächtig. Im hinteren Teil des Campers rollen zwei leblose Körper hin und her...' Wahnsinn!" Cranston strahlt, das genaue Gegenteil des von drohendem Verderben dauerüberschatteten Walter White.
Cranston ist ein gutaussehender Mittfünfziger mit gegerbten Zügen und rötlichem Stoppelhaar. Er weiß, warum er und nicht Jon Hamm, der Hauptdarsteller aus "Mad Men", den Emmy bekommen hat: "Meine Rolle ist einfach saftiger. Jon Hamm muss gut aussehen, charmant und cool sein, er muss in einem viel kleineren Feld beeindrucken. Bei mir ist von stiller Verzweiflung bis zur haarsträubenden Flucht vor verärgerten Drogendealern alles dabei!"
Mit dem Motorrad auf der Flucht vor der Polizeiarbeit
Bryan Cranstons Vater war Schauspieler und Regisseur, so war Bryans allererste Rolle die eines Unfallopfers in einem Werbespot seines Vaters. Er war acht Jahre alt. Das gefiel ihm, aber dann rückte etwas ins Blickfeld, das noch viel interessanter erschien: Cranstons älterer Bruder Kyle war den Police Explorers beigetreten, einer Jugendgruppe des Los Angeles Police Department, die ihre jungen Rekruten auf Reisen in alle Welt mitnahm. "Japan, Hawaii", erinnert sich Cranston, "da wollte ich auch hin, meinen Horizont erweitern!" Als 16-Jähriger wurde er selbst Police Explorer, reiste nach Europa und verlor, wie er sich erinnert, seine Unschuld an eine hübsche junge Österreicherin.
Das Polizei-College schien die folgerichtige Fortsetzung zu sein, Cranston brachte hervorragende Zensuren heim und pflegte seine Liebe zur Schauspielerei in Wahlkursen am Rande. Doch als es schließlich darum ging, seine Dienstmarke abzuholen, bekam er kalte Füße. Bryan und Kyle Cranston setzten sich auf ihre Motorräder und fuhren zwei Jahre lang durch die USA.
An einem verregneten Nachmittag, erzählt Cranston, überkam ihn schließlich, während der Lektüre von "Hedda Gabler", eine Eingebung: "Vielleicht sollte ich, anstatt das zu verfolgen, worin ich erwiesenermaßen gut bin, lieber das tun, was ich liebe - und hoffen, darin gut zu werden." Noch auf dem Roadtrip begann er sich in lokalen Theatern in Florida und New York zu engagieren. "Polizeiarbeit war vorbei, Schauspielerei war angesagt!" Aber es sollten noch drei Jahrzehnte vergehen, bis sich der einstige "Akte X"-Autor und Produzent Vince Gilligan an den Mann erinnerte, den er in einer Serienepisode als rassistischen Gegenspieler von David Duchovny besetzt hatte, und ihm das Drehbuch zu "Breaking Bad" schickte.
Wenn Cranston vor die Kamera tritt, zieht er fast unmerklich die Schultern hoch, kneift die Lippen zusammen, versteckt sich hinter einem gesenkten, starren Blick - Walter Whites innere Verkrampfung ist körperlich zu spüren. Schauspielerei, sagt Cranston, sei, sich in die Lage einer Figur hineinzudenken und dann die Dinge geschehen zu lassen. Es ist neben Vince Gilligan vor allem ihm zu verdanken, dass "Breaking Bad" ein eben so schräges wie düsteres Drama ist. Dass ihn die Rolle seines Lebens erst spät gefunden hat, findet Bryan Cranston völlig in Ordnung. Es gebe da ein chinesisches Sprichwort: "Mögest du früh im Leben Erfolg haben". Das sei, sagt Cranston, als Fluch gemeint.
"Breaking Bad" ist donnerstags um 20.15 Uhr bei AXN auf dem Bezahlsender Sky zu sehen
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