Serienhit "American Horror Story" Zum Alleinsehen viel zu gruselig

Wovor hast du Angst? Aus dieser einfachen Frage ist eine der gruseligsten Fernsehserien entstanden: "American Horror Story". Eine Kleinfamilie muss sich ihren persönlichen Dämonen stellen - Monster inklusive. Jetzt ist der US-Serienhit auch im deutschen Pay-TV zu sehen.

FX

Der Schrecken kommt, wie immer, von unten: Im Keller des neuen Hauses der Familie Harmon haben sich einst entsetzliche Dinge abgespielt - Frankenstein-Experimente, Folter, Mord. Kein Wunder, dass es das Highlight der Mord-Häuser-Tour von Los Angeles ist. Dass ausgerechnet hier Ben (Dylan McDermott aus "Practice") und Vivien Harmon (Connie Britton) ihre arg gebeutelte Ehe retten wollen - nun, das kann ja nicht gut gehen.

Was ohne weiteres die Prämisse für einen durchschnittlichen Horror-Thriller sein könnte, ist unter Federführung von "Nip/Tuck"-Macher Ryan Murphy zur spannendsten und undurchsichtigsten amerikanischen Fernsehserie seit "Lost" geworden: "American Horror Story".

Die Leichen - und Embryonen in Formaldehyd und vielzahnigen Monster und der Unbekannte im Gummifetisch-Anzug - im Keller sind natürlich Sinnbilder für unterdrückte Ängste und Begierden. Bei den Harmons haben zwei Tragödien, eine späte Fehlgeburt und ein Seitensprung, die dunklen Gefühle an die Oberfläche gespült. Nun scheinen sie dort nach Belieben zu wüten. Dass Ben auch gleich seine psychotherapeutische Praxis im Haus einrichtet, spitzt die Dinge amüsant zu. Wer wollte sich nicht in einem verfluchten Haus in die Untiefen seiner Seele hinabführen lassen?

Erfreulicherweise hüten sich Murphy und sein Co-Autor Brad Falchuk, mit dem er schon bei "Nip/Tuck" zusammenarbeitete und zuletzt das rasend erfolgreiche Außenseiter-Musical "Glee" auf die Beine stellte, vor plakativen Verknüpfungen und küchenpsychologischen Kniffen. Stattdessen stellen sie den allzu vertrauten Horror einer Beziehung, die an Misstrauen und Scham zugrunde zu gehen droht, in den Mittelpunkt. "Wenn du mich noch einmal belügst", droht Vivien, "sind wir fertig." Und natürlich bringt gerade der Druck, Viviens Vertrauen wiederzugewinnen, Ben dazu, Lügen von immer monströseren Ausmaßen aufzutischen.

Wer lebt nur in unseren Köpfen?

Man muss Horrorfilme nicht mögen, um dennoch seine Freude an "American Horror Story" zu haben. Allein das halbe Dutzend schräger Figuren, die die ganz und gar unheimliche Nachbarschaft der Harmons bevölkern, wären noch vor ein paar Jahren genug gewesen, eine ganze Reihe von Fernsehserien auszustaffieren: Gleich nebenan residiert die alternde Südstaatenschönheit Constance (hinreißend blasiert: Jessica Lange), die einst ihre knospende Filmkarriere der von Trisomie 21 betroffenen Tochter Addy (Jamie Brewer) opferte und ihr seitdem in einer gespenstischen Hassliebe verbunden ist. Addy selbst hat seherische Fähigkeiten: Seit Jahren warnt sie die Nachbarn vor bevorstehendem Unheil - natürlich vergebens.

Zum Haus gehört noch die alte, einäugige Haushälterin Moira (unvergleichlich zart und bitter: Frances Conroy aus "Six Feet Under"), die Ben als anzügliche junge Nymphe (Alexandra Breckenridge) erscheint und eine finstere Vergangenheit mit Constance teilt. Dann taucht mit Larry (Denis O'Hare) ein entsetzlich entstellter Mann auf, der von Ben 1000 Dollar für einen zweifelhaften Dienst einfordert. Und schließlich ist da noch Tate (hintergründig: Evan Peters), ein smarter, von Mordphantasien geplagter jugendlicher Patient von Ben. Zu Bens Entsetzen bandelt er mit Tochter Violet (Taissa Farmiga) an, die das Drama ihrer Eltern einfach zum Kotzen findet und in Tate einen Seelenverwandten erkennt.

Aber welche Figuren sind hier eigentlich echt, und welche sind allein Hirngespinste der Harmons, geboren aus ihrer Lust und Scham, Wut und Demütigung, Angst und Depression? Und wie sind sie miteinander und mit den Geistern des Hauses verbunden? Die "Washington Post" führt bereits ein wöchentliches Blog zur Diskussion der rätselhaftesten Figuren und Momente der Show, und die Leser der Branchenzeitschrift "Entertainment Weekly" haben "American Horror Story" soeben zur gruseligsten amerikanischen Fernsehshow aller Zeiten gewählt, noch vor "Akte X" und der "Twilight Zone".

Serienmacher Murphy nennt die Dinge gern beim Namen - Constances Wut auf ihre Tochter oder Tates tiefer Hass auf die Gesellschaft liegen offen zutage. Nur die Harmons, deren Nachname wohl nicht zufällig das Wort "Harmonie" assoziiert, kehren unter den Tisch, was zu schmerzhaft ist. "Wir erfinden Geschichten", sagt Ben an einer Stelle, "um Kontrolle über die Dinge zu erlangen, die uns Angst machen", und das trifft hier gleich in mehrfacher Hinsicht zu. Wovor hast du Angst?, lautet die zentrale Frage der Serie. Violet sagt lakonisch: "Vor gar nichts." Ihre Mutter dagegen antwortet: "In letzter Zeit? Vor allem."

"American Horror Story" ist erwachsen, sexy und richtig gruselig. Schon lange war Horror nicht mehr so vielschichtig wie hier. Hoffentlich gelingt es den Autoren, die unheimlichen Momente dauerhaft in der Schwebe zu halten und mit den Rückblenden, die als schöne "Lost"-Hommage jede Episode eröffnen, nicht zu viel preiszugeben. Fernsehfans sei unterdessen geraten, sich ein paar Freunde zum Anschauen der Episoden an dunklen Herbstabenden einzuladen. Alleine steht man "American Horror Story" nur schlecht durch.


"American Horror Story", Pay-TV-Kanal Fox, 21.45 Uhr

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
elroq 12.11.2011
1. Zum Alleinsehen zu gruselig?
Naja, ich weiß ja nicht was sie sonst so für Filme/Serien schauen, aber der Hype der an dieser Stelle gerade entfacht werden soll, hält diese Serie, genauer der Pilot, doch nicht wirklich stand. Ich hoffe sehr, da kommt noch mehr Schwung rein, denn das Präsentierte war doch sehr absehbar. Auch alleine auf der Couch eher zum Gähnen. Alles schon mal da gewesen (z.B. Amytiville Horror!). Wobei ich Vergleiche mit (ich hoffe) der ersten LOST Staffel auch eher zweifelhaft finde. Ein der besten Serien der vergangenen Jahre, die leider in einem völlig uninspirierten Finale mündete. Allerdings hat es dafür 6 Staffeln gebraucht. Bei AHS bezweifele ich, dass es überhaupt eine 2. Staffel geben wird.
Orglmeister 12.11.2011
2. Mal was anderes
Ich finde AHS erfrischend anders im Serienalltag. Klar hat es alles irgendwie schonmal gegeben, aber wenigstens kommt mal nicht der zigste CSI-Verschnitt daher und buhlt um meine Zeit. Gruslig ist die Serie nur bedingt, wie ich finde. Zu gute halten muss man ihr, dass sich die billigen Schockeffekte sehr in Grenzen halten sondern der Horror langsam und subtil aus dem Keller bzw. dem Dachgeschoß kommt. Mir machts Spaß und ich hoffe das Niveau der ersten Folgen wird weiterhin gehalten.
wonghan 12.11.2011
3. Keine schlechte Serie
Die erste Folge war zwar gruselig und "krank", aber die Story auch etwas zu überhastet, da zu viele Handlungsstränge eingeführt werden mussten. Nach zwei weiteren Folgen man sagen, dass die Spannung etwas raus ist (ja ja, den bösen Keller kennen wir ja inzwischen), dafür aber auch mehr Zeit ist für Story und die interessanten Charakteren. Dies tut der Serie durchaus gut. Kurzum keine schlechte Serie. Hat aber keinen so großen Suchtfaktor wie "The Walking Dead".
avollmer 12.11.2011
4. Klischee, Klischee, Klischee ...
Dreimal rief der Autor das böse Wort, da erschien eine Muse und gab ihm die Story ein. Anschließend kam noch ein kleines Teufelchen, setzte sich auf seine Schulter und gab ihm Ratschläge zur Beachtung von "Common Sense" und "Political Correctness". Dann nahm er das Handbuch für den Drehbuchautor und las dort fett markiert: "Bürste ein Drittel der Handlung gegen den Strich, damit der Betrachter den Eindruck hat es geschehen unerwartete Dinge und ein leises Gefühl von Spannung entsteht." Auch dies befolgte er in der Hoffnung, dass das Publikum jung genug ist um nie einen Hitchcock gesehen zu haben. Dann reichte er das Skript beim Network ein und dessen Marketingabteilung überarbeitete es zwecks Productplacement. Dann kam die Finance and Accounting Division und strich die Special Effects zusammen und ersetzte sie durch Kürzungen bei der Ausleuchtung. Fertig war eine "Gothic Soap" für die Prime Time. Dass sie als Serie besser da steht wie "In aller Freundschaft" oder GZSZ ist noch lange kein positives Werturteil. Am unangenehmsten ist allerdings die unterschwellige christlich-fundamentalistische Propaganda, die Fox allen seinen Produzenten entweder aufzwingt oder für die deren Schere im Kopf sorgt. Lost war relativ frei davon, auch wenn bei allen WASP Produktionen immer ein derartiger Tenor mitschwingt.
koala1909 12.11.2011
5. Datum
Hallo Ihr lieben SPON Redakteure. Was bringt einem die Uhrzeit, wann die Serie ausgetrahlt wird, wenn das Datum fehlt. Sehr gelungener Gag.
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