Serienhit "How I Met Your Mother": Bitte finde nie die Liebe!

Von Laura Reinke

Endlich hat es auch ProSieben erkannt: Die Sitcom "How I Met Your Mother" gehört in die Primetime, denn selten hat eine Serie lustigere und sympathischere Charaktere geschaffen. Zum Start der fünften Staffel: eine Liebeserklärung für Anfänger und Fortgeschrittene.

"How I Met Your Mother": Der unwiderstehliche Serienhit Fotos
FOX

Endlich eine angemessene Sendezeit! Ab Mittwoch strahlt ProSieben "How I Met Your Mother" nicht mehr nachmittags zur Erkältetes-Schulkind-Uhrzeit aus, sondern um 22.15 Uhr. Erwachsenenzeit. Mittwochs, am "Desperate Housewives"-Tag. Komisch, dass niemandem vorher eingefallen ist, die Sendung umzuplatzieren - "How I Met Your Mother" ist in den USA nämlich eine der beliebtesten Serien überhaupt und hat seit ihrem Start 2005 fast jedes Jahr einen Emmy gewonnen. Was die Sitcom so erfolgreich macht? Vier einmalige Charaktere und ein Barney Stinson.

Eigentlich spielt Ted Mosby (Josh Radnor) die Hauptrolle: Er ist es, der seinen Kindern im Jahr 2030 erzählt, was alles passiert ist, bevor er ihre Mutter kennenlernte. Die ganze Serie funktioniert in Rückblicken auf die heutige Zeit. Zahlreiche Anekdoten um Teds Liebesleben, Teds Sexleben und alles dazwischen müssen sich die beiden Teenager, die man nur zu Beginn mancher Folgen kurz sieht, anhören, ohne dass ihr Vater jemals auf den Punkt zu kommen scheint. Nach bislang sechs Staffeln und 125 Folgen haben sie die Kennenlern-Geschichte ihrer Eltern immer noch nicht erfahren. Alles, was man über diese Frau weiß: Sie hat einen gelben Regenschirm. Und einen Knöchel - der wird sogar einmal nackt für den Bruchteil einer Sekunde gezeigt.

Während der besserwisserische Architekt Ted, der durchaus einen Hang zur Romantik hat, auf der Suche nach der Frau fürs Leben ist, begleitet ihn ständig seine Crew: Barney und Marshall, die sich darum streiten, wer von ihnen Teds bester Freund ist. Lily, Marshalls Freundin/siamesischer Zwilling und Robin, eine kanadische Nachrichtensprecherin. Alle Charaktere sind perfekt besetzt und rufen beim Zuschauen ein tiefes Bedürfnis hervor, das sechste Truppenmitglied zu werden.

Allen voran Barney Stinson (Neil Patrick Harris): Er trägt jeden Tag einen Anzug. Nicht weil er in einer Bank arbeitet, sondern weil es seiner Meinung nach das einzig akzeptable Kleidungsstück für einen Mann ist - wovon er auch Ted und Marshall zu überzeugen versucht. Abgesehen davon leidet Barney unter einer besonders seltenen Art der Selbstüberschätzung: Sie ist so ausgeprägt, dass sie als sich selbst erfüllende Prophezeiung funktioniert - der Brüste-fixierte Barney Stinson kriegt jede Frau ins Bett. Jede. Er hat ein hochgradig kreatives Repertoire an One-Night-Stand-Abschlepp-Maschen in petto: Du hast die Niere meiner toten Frau; ich habe nur noch zwölf Stunden zu leben; ich habe schon 83 Prozent meiner Sehkraft verloren und gehe ins Museum, um das Schöne dieser Welt zu verinnerlichen, bevor ich vollends in der Dunkelheit versinke; ich bin der Prinz von Norwegen. Auf unerklärliche Art und Weise bleibt Barney dabei so liebenswert, dass man immer auf seiner Seite und nie auf der der heulenden Frauenscharen ist. Barney trägt zum Schlafen übrigens einen seidenen Schlafanzug-Anzug.

Die Frau muss "Star Wars" lieben

Dann gibt es noch Robin. Robin Scherbatsky (Cobie Smulders) ist Kanadierin und muss sich dauernd Witze ihrer Freunde über ihre kanadischen Ausdrücke, ihre kanadische Aussprache oder generell ihr kanadisches Blut anhören. Am liebsten lachen die anderen darüber, dass sie als Teenagerin unter dem Namen "Robin Sparkles" einige Lieder rausgebracht hat - Videomaterial inklusive. Oder darüber, dass die lokale Nachrichtenshow, die sie moderiert, um vier Uhr morgens läuft und kaum Zuschauer hat. Zumindest keine nüchternen oder wachen. Robin ist zynisch, kann ziemlich gut kontern, über sich selbst lachen und beeindruckt zudem durch fundiertes Zigarren-Wissen. Wenn sie traurig ist oder ihre Heimat vermisst, hält sie sich am liebsten im kanadischen Pub "Hoser Hut" auf. Hoser ist Slang für einen stereotypischen Kanadier.

Anfangs dachte man, Robin würde sich als Teds Traumfrau und Mutter seiner Kinder entpuppen. Doch rückblickend berichtet Ted von "Tante Robin". Genau wie er von "Tante Lily" spricht - womit Lily Aldrin (Alyson Hannigan) gemeint ist. Sie ist seit Ewigkeiten die Freundin von Marshall Eriksen (Jason Segel), Teds College-Freund. Lily ist Kindergärtnerin und Hobbymalerin, sie träumt davon, dass sich ihr "Marshmellow" als Anwalt eher der Weltverbesserung als der Vermögensmehrung widmet. Marshall ist ein Bär von einem Mann und würde alles für Lily tun. Damit hat Lily den naiven Marshall ziemlich gut im Griff. Das Paar hat insgesamt einen nicht ganz so hohen Humorfaktor wie die anderen drei - wie das mit Paaren halt so ist.

Doch Lily und Marshall haben Ted erst dazu inspiriert, sich auf die ernsthafte Frauensuche zu begeben. Eine Schwierigkeit ist dabei: Ted könnte nie eine Frau heiraten, die keine "Star Wars"-Filme mag. Wenn sie diese Hürde überwunden hat, kann sie sich allerdings auf einen Mann freuen, der nicht nur spektakuläre Architekturmodelle bauen kann und alles weiß, sondern auch kulinarische Wunder vollbringt: Ted kreierte beispielsweise den Trut-Truthahn-Hahn ("Turturkeykey") für Thanksgiving - statt mit der traditionellen Füllung wurde das Geflügel mit einem kleineren Truthahn gestopft.

"How I Met Your Mother" ist eine Serie, die sich von Woche zu Woche steigert - denn je besser man die Personen kennt, desto mehr kann man über deren Witze lachen. Der Humor ist dabei wesentlich vielseitiger und unabsehbarer als beispielsweise bei der - unbestritten auch sehr guten - Serie "Two And A Half Men", die immer wieder in dieselbe Kerbe schlägt. "How I Met Your Mother" liefert dagegen Witze und Situationen, die weniger reißerisch sind. Die aber dafür wohl für immer im Gedächtnis bleiben. Vielleicht, weil sie sich von Zeit zu Zeit auch mit etwas ernsteren, manchmal sogar traurigen Sequenzen abwechseln. Vielleicht, weil sie einige Handlungsstränge umspielen, die sich über mehrere Folgen oder sogar Staffeln fortsetzen - aber so, dass man alles versteht, auch wenn man zwischendurch eine Episode verpasst (aber warum sollte man so etwas tun?).

Denn auch wenn man gespannt auf sie ist: Eigentlich möchte man als Zuschauer überhaupt nicht erfahren, welche Frau es sein wird, die irgendwann jedes Jahr mit Ted Thanksgiving feiern wird und sich seine Grammatikkorrekturen und Barneys sexistische Witze wird anhören müssen. Denn das würde zwangsläufig das Ende einer der besten Serien der Welt bedeuten.

Offizielle Website von CBS zu "How I Met Your Mother"

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1. Hä?
Pilzipp 12.01.2011
Sollte diese Werbung nicht besser in der TV-Spielfilm stehen? Aber stimmt ja, die Serie ist mindestens so amüsant wie Fußpilz. Am besten ist die wiederkehrende Retorten-Lache vom Band, damit man auch genau weiß, dass der gerade gesendete 0815-Sitcom-Spruch witzig hätte sein sollen.
2. naja
DJ Doena 12.01.2011
Also gerade die fünfte Staffel war ja wohl eher ein großer Durchhänger (von der Suit-Episode mal abgesehen). Zum Glück geht es in der sechsten wieder aufwärts. Aber objektiv gesehen gibt es weit bessere Sitcoms da draußen.
3. .
stormking 12.01.2011
Zitat von PilzippSollte diese Werbung nicht besser in der TV-Spielfilm stehen? Aber stimmt ja, die Serie ist mindestens so amüsant wie Fußpilz.
Was ist denn im Ihrer Meinung nach im komödiantischen Bereich sehenswert? Und kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit deutschem Kabarett, von politisch korrektem, säuerlichen Pseudo-Humor nach Art von Pispers oder Hildebrandt krieg ich Plaque.
4. Huch
archie 12.01.2011
Also das ist jetzt ja mal eine totale Fehleinschätzung, was Spon da über Himym schreibt. Die Serie ist ja sowas von harmlos, dass sie schon fast langweilig ist. Kein Vergleich zu solchen Granaten wie Curb, Big Bang oder 30 Rock, das übrigens ohne eingespielte Lacher vom auskommt.
5. ...
m-pesch 12.01.2011
Zitat von DJ DoenaAber objektiv gesehen gibt es weit bessere Sitcoms da draußen.
Das mit der Objektivität ist das so eine Sache. Subjektiv stimme ich Ihnen aber zu das es bessere Sitcoms gibt ;-)
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