Servus TV Mitarbeiter wollten Betriebsrat gründen

Bei der Schließung des österreichischen Senders Servus TV spielt auch eine Rolle, dass die Mitarbeiter einen Betriebsrat gründen wollten. Das bestätigte der Eigentümer Dietrich Mateschitz in einem Statement.

Dietrich Mateschitz
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Der Betrieb von Servus TV sei für das Unternehmen Red Bull wirtschaftlich untragbar geworden, hieß es gestern zunächst als Begründung für die Schließung des Kanals mit Sitz in Salzburg. Gegenüber den "Salzburger Nachrichten" bestätigte Unternehmenschef Dietrich Mateschitz gestern Nachmittag, dass auch die geplante Gründung eines Betriebsrates den Ausschlag gegeben habe.

In einem Statement schrieb er an die Zeitung: "Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV. Die Betriebsratsgründung hätte diese Werte insbesondere durch die Art und Weise ihres Zustandekommens - anonym, unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer - nachhaltig beschädigt. Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation des Senders nicht gerade dienlich war, ist evident."

Gewerkschaft und Arbeiterkammer reagierten am Dienstagabend "fassungslos und entsetzt" auf die Aussagen von Red-Bull-Chef Mateschitz. 200 Mitarbeiter des Senders sehen das allerdings anders. Sie unterschrieben gestern Abend einen offenen Brief, in dem sie sich gegen einen Betriebsrat aussprechen. "Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat", halten die Mitarbeiter fest. Ihnen sei kein Unternehmen bekannt, das einen derart sozialen und loyalen Umgang mit seinen Mitarbeitern pflegt, wie Servus TV beziehungsweise Red Bull.

Servus TV ist in mehreren deutschen digitalen Kabelnetzen zu empfangen. Der Sender gehört zur Red Bull Media House GmbH, einer Tochterfirma der Red Bull GmbH. Er zeigt vor allem Dokus und Talkshows. Zudem war er zeitweilig der TV-Partner der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Der Sender soll Ende Juni geschlossen werden. 264 Mitarbeiter verlieren dann ihren Job.

kae

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