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Am Set der Zombie-Serie "The Walking Dead": Ein Extremsport, diese Jagd auf Untote

Aus Senoia, Georgia, berichtet

Staffelstart bei "The Walking Dead": Die Zombies geben keine Ruhe Fotos
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Die Zombie-Saga "The Walking Dead" ist die populärste Serie des US-Kabelfernsehens. Bei den Dreharbeiten in Georgia kämpfen die Darsteller gegen Schlamm, Zecken und Schlangen. Ein Ortstermin.

"Oh Mann", ächzt Steven Yeun. "Wenn ich heute Abend dusche, werde ich in einer ekligen, schwarzen Pfütze stehen." Er wischt sich den Schweiß von der dreckverkrusteten Stirn. "Aber da muss man einfach durch."

Ein Extremsport, dieses Zombie-Jagen. Gerade hier in den Wäldern Georgias, 65 Kilometer südlich von Atlanta: Unerträglich schwül ist es unter dem dichten Laubdach. Schlamm und Gestrüpp erschweren jede Bewegung. Yeuns Haare hängen in nassen Strähnen herunter.

"Das hier", sagt er und schnippt vorsichtig einen exotisch schillernden Käfer von seiner Schulter, "ist der tollste Job meines Lebens."

Yeun spielt Glenn Rhee, eine der Hauptfiguren in der Zombie-Saga "The Walking Dead", der erfolgreichsten TV-Kabelserie der Welt. Der gebürtige Südkoreaner sieht Glenn als "menschlichen Punchingball", weil ihm "super-beschissene Sachen" passieren - verfolgt von Untoten, entführt, gefoltert, infiziert und fast erschlagen.

Die Premiere der fünften Staffel, die in Deutschland am 13. Oktober auf dem Bezahlsender Fox lief, einen Tag nach dem US-Debüt, war derart brutal, dass die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) die Ausstrahlung nur gekürzt freigab. Dennoch schaffte die Episode "Keine Zuflucht" einen neuen Quotenrekord. In den USA sahen sie 17,3 Millionen Zuschauer.

Zombie in "The Walking Dead": Untote Dauerbrenner Zur Großansicht
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Zombie in "The Walking Dead": Untote Dauerbrenner

"The Walking Dead", das auf den Comics von Robert Kirkman beruht, beschreibt die Abenteuer der Überlebenden einer weltweiten Virus-Epidemie, die zu einer Zombie-Apokalpyse führte. Eine klassische, oft erzählte Story - was also macht ausgerechnet diese zum telegenen Dauerbrenner?

Gedreht wird auf einem strikt abgeriegelten Set im US-Bundesstaat Georgia: 50 Hektar Wald und Wiese ringsum der Raleigh Studios und des idyllischen Südstaatendorfs Senoia, in dem schon Kinohits wie "Miss Daisy und ihr Chauffeur" entstanden. In dieser Wildnis stecken die Darsteller von April bis November fest. Jede Episode kostet bis zu drei Millionen Dollar - bringt aber mehr als zehn Millionen Dollar Werbung ein.

Geländewagen bringen Schauspieler und Crew tief in den Wald. Auf dem Programm steht die zweite Folge der fünften Staffel, die in Deutschland am 20. Oktober läuft: "Gabriel", benannt nach dem neuesten Mitglied des Ensembles, dem schwarzen Pfarrer Gabriel Stokes, gespielt von Seth Gilliam ("The Wire").

Es dauert Stunden, eine einzige, komplexe Actionszene mit der Truppe um den Protagonisten Rick Grimes (Andrew Lincoln) zu filmen. Der Regisseur David Boyd wiederholt die Einstellungen so oft, bis allen der Schweiß runterrinnt. Auch Ungeziefer ist ihm egal. "Vorsicht, Zecken!", schallt es durchs Unterholz. Irgendwo kriecht eine Schlange. Vier Kameras umgeben die Schauspieler, darüber hängen Mikrofongalgen, im Gebüsch hocken Regisseur Boyd und Chefproduzent Greg Nicotero und verfolgen die drahtlos übertragenen Livebilder auf Computerscreens.

Szene mit Danai Gurira als Michonne: "Welche moralischen Tabus brichst du?" Zur Großansicht
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Szene mit Danai Gurira als Michonne: "Welche moralischen Tabus brichst du?"

Der langhaarige Nicotero ist einer der renommiertesten Special-Effects-Veteranen Hollywoods: Schon 1985 arbeitete er für Zombie-Altmeister George Romero ("Die Nacht der lebenden Toten"), später dann für Quentin Tarantino. 2006 gewann er für seine Arbeit in "Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia" einen Oscar.

"Meine Zombies sollen unvergesslich sein", sagt Nicotero und zeigt auf die dürren Statisten, die abseits im Unterholz sitzen. In voller Montur erwarten sie ihren Einsatz - Kleidungsfetzen, "verwestes" Make-up, weiße Kontaktlinsen.

Die blutrünstigen Beißer sind nicht der eigentliche Grund für den Erfolg der Serie. Sie bilden nur den erzählerischen Rahmen für die viel breiteren, existenziellen Motive, die "The Walking Dead" skizziert: Wie verhalten sich Menschen unter extremen Umständen? Wie bewahren sie sich ihre Humanität inmitten inhumaner Widersacher?

Genau das fasziniere sie an diesem Job, sagt Charakterdarstellerin Danai Gurira, die die mysteriöse, schwarze Schwertkämpferin Michonne spielt: "Was passiert, wenn alle Regeln verschwinden? Wer bist du dann noch? Welche moralischen Tabus brichst du?" Die düsteren Fragen seien so real, dass sie nach Drehschluss manchmal "völlig fertig" sei.

Es sind auch diese Fragen, mit denen "The Walking Dead" nicht nur Zombie-Fans anspricht. "Wir liegen im Zeitgeist", glaubt Produzentin Gale Anne Hurd ("Aliens"), die die Serie 2010 mitentwickelte. Hurd sieht den jüngsten Erfolg des Horrorgenres als Antwort auf die vielen globalen Krisen: "Revolutionen, Umstürze, Naturkatastrophen - fast apokalyptisch."

Für die Schauspieler sind derartige Überlegungen am Ende des Tages weit weg. Müde lassen sie sich zurück in ihre Trailer bringen. "Mir ist noch nicht klar, wie verrückt das hier ist", sagt Steven Yeun. "Aber eines Tages werde ich sicher sagen, Mensch, das war das Allerbeste." Hinter ihm sitzen zwei Zombies und schieben sich Kaugummis zwischen die künstlichen Zähne.

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insgesamt 50 Beiträge
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1. Evolution
kuac 20.10.2014
Charles Darwin im Rückwärtsgang. Hatte er das schon prophezeit?
2. Walkinhg Dead - trifft besonders den Plot
x33o 20.10.2014
.. wenn die Zombies angewankt kommen, schiessen wir wie immer mit einer Kalaschnikow ..irgendwo.. rein. Sieht cool aus - hat aber halt NULL Nutzen. Und alle haben Angst vor dem unglaublichen cal .50 das mit Sicherheit tödlich ist, hat man erstmal ein Target erkannt, sonst macht es eher langsam viele Löcher in der neuen bunten Welt. Bitte beim nächsten US-Besuch mal nach "Z Nation" ausschau halten. DAS ist eine Zombieserie. Freiwillig unfreiwillig komisch, nicht so angestrengt ernsthaft, dass es immer lächerlicher wird - wie bei Walking Dead
3. #1
cindy2009 20.10.2014
Nein, denn zombies können nicht lange existieren. aussitzen und gut ist: )
4.
furby82 20.10.2014
Ich gucke die Folgen immer in der Orginal-Version die auch im US-Fernsehen läuft. Klar war die Staffelpremiere harter Tobak, finde es aber ein wenig übertrieben, die Folge, die im Pay-TV und mit Jugendschutz läuft, noch mal zusätzlich zu zensieren. Es wird oft über die Amis und ihre Prüderie gelästert. Dafür ist man hier, meiner Meinung nach, etwas überempfindlich was die Darstellung von Gewalt angeht. Ich weiß welche Stellen geschnitten worden sind, und ich denke die kann man einem erwachsenen Menschen schon zumuten.
5.
theodorzaloschnik 20.10.2014
Eine Frechheit, daß man im Fox Channel eine gekürzte Fassung vorgesetzt bekam. Der Sender hat nicht umsonst einen Pin zum Jugendschutz. Und in meinem Alter möchte ich doch gerne selbst entscheiden, was ich mir ansehen kann.und vor allem möchte. Absolute Frechheit diese Bevormundungen. Ansonsten eine eine genialw Serie, wenn auch vorhersehbar und allmählich etwas langatmig.
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