"We Love Lloret" auf ProSieben: Stadtverwaltung beschwert sich über Sauf-Doku
Voll, geil und gehirnamputiert: In der ProSieben-Doku-Soap "We Love Lloret" feierten und soffen sich acht Ruhrpottproleten leichtbekleidet durch den spanischen Partyort Lloret de Mar. Die Stadtverwaltung findet das nicht witzig - und beschwerte sich beim Sender.
Barcelona/Hamburg - Laura und die beiden Vanessas wissen zwar nicht, wo Spanien liegt, und Emilio kann nicht sagen, wer Deutschland regiert - aber eines können sie alle richtig gut: Feiern, feiern, feiern. Und deshalb wurden sie auch für die ProSieben-Party-Doku-Soap "We Love Lloret", eine Art "Big Brother" mit extrem hohen Sonnenbrand- und Katerfaktor ausgewählt.
Leichtbekleidet und dauerbesoffen delirierten sie in der am Donnerstag zu Ende gegangenen Serie gemeinsam mit vier weiteren Ruhrpottlern hemmungslos durch ihre "Finca Fiesta" im spanischen Partyort Lloret de Mar an der Costa Brava. Sie mixten Drinks und stammelten Blödsinn. Stimmte irgendwann der Pegel, starteten die acht selbsternannten Partykönige ins berühmt-berüchtigte Nachtleben des Badeorts, um dem Ruf des deutschen Sauftouristen vollends gerecht zu werden.
Doch genau das gefiel Jordi Orobitg, dem stellvertretenden Bürgermeister von Lloret, ganz und gar nicht. Am Freitag machte er seinem Ärger in der Tageszeitung "El Periódico de Catalunya" Luft. Die ProSieben-Serie beschädige das Ansehen der Stadt, sie stelle Lloret de Mar als Hort des Sauftourismus dar, sagte Orobitg. "Es wird ein pervertiertes und verfälschtes Bild von Lloret gezeichnet".
"Wir sind hier nicht auf Teneriffa"
Die Stadtverwaltung ist schon seit einiger Zeit bemüht, das Image der Küstenstadt als Proleten-Sauf-Mekka loszuwerden. Orobitg wies darauf hin, dass man vor Beginn der Feriensaison eine Reihe von Verordnungen erlassen habe, die Exzesse unterbinden sollen. Im vorigen Jahr hatten gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen betrunkenen Urlaubern und Polizisten für Schlagzeilen gesorgt.
Die Stadtverwaltung habe auch bereits ein Protestschreiben an die Produzenten der Serie und an den Sender geschickt. ProSieben kann die Vorwürfe gar nicht verstehen: "'We Love Lloret' war eine liebevolle Partydoku, kein Städteporträt", teilte ein Sprecher mit.
Laut Orobitg prüfe die vermeintlich verunglimpfte Stadt außerdem die Einleitung rechtlicher Schritte. Allerdings nicht gegen ProSieben, sondern gegen den in Lloret ansässigen deutschen Partyveranstalter Don Francis, der in der Serie ebenfalls auftrat und ansonsten Lloret de Mar als ausuferndes Party-Eldorado promotet. Auch der wies die Vorwürfe zurück. Wenn solche Partytouristen nicht kämen, stünden die Hotels in Lloret leer, sagte er dem katalanische Fernsehsender TV3. "Wir sind nicht auf Teneriffa, wir verdienen unser Geld mit Leuten, die man anderswo nicht haben möchte."
seh/dpa
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