"We Love Lloret" auf ProSieben: Stadtverwaltung beschwert sich über Sauf-Doku

Voll, geil und gehirnamputiert: In der ProSieben-Doku-Soap "We Love Lloret" feierten und soffen sich acht Ruhrpottproleten leichtbekleidet durch den spanischen Partyort Lloret de Mar. Die Stadtverwaltung findet das nicht witzig - und beschwerte sich beim Sender.

Emilio Fernando Gonzalez (l.) und "We Love Lloret"-Mitstreiter: Wer ist Angela Merkel? Zur Großansicht
ProSieben

Emilio Fernando Gonzalez (l.) und "We Love Lloret"-Mitstreiter: Wer ist Angela Merkel?

Barcelona/Hamburg - Laura und die beiden Vanessas wissen zwar nicht, wo Spanien liegt, und Emilio kann nicht sagen, wer Deutschland regiert - aber eines können sie alle richtig gut: Feiern, feiern, feiern. Und deshalb wurden sie auch für die ProSieben-Party-Doku-Soap "We Love Lloret", eine Art "Big Brother" mit extrem hohen Sonnenbrand- und Katerfaktor ausgewählt.

Leichtbekleidet und dauerbesoffen delirierten sie in der am Donnerstag zu Ende gegangenen Serie gemeinsam mit vier weiteren Ruhrpottlern hemmungslos durch ihre "Finca Fiesta" im spanischen Partyort Lloret de Mar an der Costa Brava. Sie mixten Drinks und stammelten Blödsinn. Stimmte irgendwann der Pegel, starteten die acht selbsternannten Partykönige ins berühmt-berüchtigte Nachtleben des Badeorts, um dem Ruf des deutschen Sauftouristen vollends gerecht zu werden.

Doch genau das gefiel Jordi Orobitg, dem stellvertretenden Bürgermeister von Lloret, ganz und gar nicht. Am Freitag machte er seinem Ärger in der Tageszeitung "El Periódico de Catalunya" Luft. Die ProSieben-Serie beschädige das Ansehen der Stadt, sie stelle Lloret de Mar als Hort des Sauftourismus dar, sagte Orobitg. "Es wird ein pervertiertes und verfälschtes Bild von Lloret gezeichnet".

"Wir sind hier nicht auf Teneriffa"

Die Stadtverwaltung ist schon seit einiger Zeit bemüht, das Image der Küstenstadt als Proleten-Sauf-Mekka loszuwerden. Orobitg wies darauf hin, dass man vor Beginn der Feriensaison eine Reihe von Verordnungen erlassen habe, die Exzesse unterbinden sollen. Im vorigen Jahr hatten gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen betrunkenen Urlaubern und Polizisten für Schlagzeilen gesorgt.

Die Stadtverwaltung habe auch bereits ein Protestschreiben an die Produzenten der Serie und an den Sender geschickt. ProSieben kann die Vorwürfe gar nicht verstehen: "'We Love Lloret' war eine liebevolle Partydoku, kein Städteporträt", teilte ein Sprecher mit.

Laut Orobitg prüfe die vermeintlich verunglimpfte Stadt außerdem die Einleitung rechtlicher Schritte. Allerdings nicht gegen ProSieben, sondern gegen den in Lloret ansässigen deutschen Partyveranstalter Don Francis, der in der Serie ebenfalls auftrat und ansonsten Lloret de Mar als ausuferndes Party-Eldorado promotet. Auch der wies die Vorwürfe zurück. Wenn solche Partytouristen nicht kämen, stünden die Hotels in Lloret leer, sagte er dem katalanische Fernsehsender TV3. "Wir sind nicht auf Teneriffa, wir verdienen unser Geld mit Leuten, die man anderswo nicht haben möchte."

seh/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Jersey Shore?
Crawfish71 10.08.2012
Ohne die Serie gesehen zu haben, von der Beschreibung her klingt das Konzept ganz arg wie ein Ableger der US-Serie "Jersey Shore". Wenn das so ist, kann ich durchaus verstehen, warum der Bürgermeister sich wehrt.
2. Kann ich respektieren.
Spassbremse 10.08.2012
Eine selten ehrliche Aussage: "Wir sind nicht auf Teneriffa, wir verdienen unser Geld mit Leuten, die man anderswo nicht haben möchte." "Pecunia non olet", wusste schon Kaiser Vespasian.
3.
Rainer Helmbrecht 10.08.2012
Zitat von Crawfish71Ohne die Serie gesehen zu haben, von der Beschreibung her klingt das Konzept ganz arg wie ein Ableger der US-Serie "Jersey Shore". Wenn das so ist, kann ich durchaus verstehen, warum der Bürgermeister sich wehrt.
Bei, ich glaube Sat1, läuft eine Serie "nicht nachmachen", so viel Müll, wie da in der Vorschau gezeigt wird, kann man doch nicht zeigen, um zu verhindern, dass sowas nicht doch nachgemacht wird. Man kann offensichtlich mit jedem Mist Geld verdienen. MfG. Rainer
4. kein Titel
almeo 10.08.2012
Es täte dem deutschen Fernsehen sicher gut, wenn sämtliche sogenannten "Scripted Life"-Serien in Grund und Boden geklagt, endlich aus dem Fernsehen fliegen würden und sich die Sender lieber auf die Produktion hochwertiger, offen fiktionaler Serien konzentrieren würden. BBC macht es vor, wieso sollte das in Deutschland nicht funktionieren? Leider wird das hier nie Wirklichkeit werden, der Markt für "Assi"-Produktionen mit der Zielgruppe der Jugendlichen mit niedrigem Bildungshintergrund scheint ja eher zu wachsen. Gerade flimmerte hier eine Vorschau über den Schirm mit irgendeiner Übergewichtigen, die in Mülltonnen klettert um die Sahnetorten dort herauszuholen, nur um dann im nächsten Schnitt bei All-you-can-eat neben sich 50 Teller zu stapeln. Mein Gott! Wer glaubt so einen Sch***? Wer will sowas sehen? Inzwischen kann man die Privatsender zwischen 10 und 20 Uhr getrost abgeschaltet lassen. Gut, man kann sagen, da guckt ja eh niemand Fernsehen, aber es ist schon ganz schön armselig, dass es wirklich absolut kein Nicht-öffentlich-rechtlicher Sender mal mit Qualität versucht, sonder wirklich jeder Sender sein persönliches Trashformat in die Suppe wirft...
5. Trash, ...
MünchenerKommentar 10.08.2012
... ist das natürlich, aber echt cooler, unterhaltsamer Trash. Und natürlich ist das der Versuch eines deutschen Ablegers von Jersey Shore, aber auch das war schon cooler Trash. Ich denke nicht, dass die Serie dem Umsatz in Lloret de Mar schadet, da sich sicher der eine oder andere in der Zielgruppe nächstes Jahr daran erinnert, und bisher wird in Lloret ja auch nicht nur die Generation 60 unterwegs gewesen sein.
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