"Sylvies Dessous Models" auf RTL Freigegeben zur Busenbegaffung

Sylvie Meis sucht in einem neuen Castingformat nach einer Nachfolgerin, die fortan ihre Unterwäschekollektion auf dem Laufsteg präsentieren soll. "Sylvies Dessous Models" im Schnellcheck.

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Wie viel "Germany's Next Topmodel" steckt drin? "Nur eine" kann "Sylvies Dessous Model" werden - klar, dass man bei der meisschen Modelfindung allein bei diesem in 13 Staffeln ins Hirn gebimsten Selektionssprüchlein an Heidi Klum denkt. Allerdings anders, als man sie sonst in seinen Gedanken bewegt: Es dauert vielleicht ein Stündchen, da leistet man still Abbitte bei der vielbeätzten Modelsuchveteranin, weil das neue Format tatsächlich noch schwerer zu ertragen ist als GNTM, was auch daran liegt, dass Meis nur drei Folgen Zeit hat, um ihre Gewinnerin zu küren.

Das Verhältnis zwischen GNTM und SDM ist ungefähr so, als würde man eine toxische Grundsubstanz zu zäher, kondensierter Schlacke einkochen. Kurz: Die Kacke ist am Dampfen. Warum trägt hier eigentlich niemand Mundschutz?

Wie laufen die Castings? 30 vorsortierte Kandidatinnen in Unterwäsche werden von Meis im Blitzverfahren auf Top-Ten-Maß gestutzt. Die Kameras äsen dabei ausführlich auf stringgeteilter Backenware, es gibt bizarre Szenen, in denen Mädchen auf einer sogenannten Schääselonge ein paar Schlüpferpräsentationsposen vorturnen sollen, wobei Meis sie Hand anlegend ausrichtet und in Position drückt. Zwischendurch ist noch Zeit für orgiastische Modelfreumomente: "Oh mein Gott, Sylvie gibt mich bei Instagram ein!"

Was sagt Sylvie? Bei ihrer "Let's Dance"-Arbeit rapportierte sie die meiste Zeit, was eben so auf ihren Moderationskarten stand. Dass sie nun frei fabulieren darf, bringt Sätze wie "Du hast einen Körper wie in Marzipan gegossen", komplexe Beurteilungen wie "Sie hat sich schön gestreckt, und da hab ich mich so gefreut" und dreiste Lügen wie "Du siehst aus wie Chanel" hervor.

Und solche Dialoge:

Sylvie: Du bist so schön!

Kandidatin: Du auch!

Was sagen die Kandidatinnen?

Kandidatin 1: Frag mich mal was.

Kandidatin 2: Sind deine Brüste echt?

Kandidatin 1: Nein.

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4  Bilder
Sylvies Dessous Models: Toxische Schlacke

Wie viele Castingshow-Archetypen lassen sich erkennen? Es gibt einen recht verzweifelten, natürlich zum Scheitern verurteilten Versuch, eine neue österreichische Kapriziösin aufzubauen, die trotzlippig Dinge wie "Ich trete von vornherein mit einer Attitude auf" sagt. Außerdem das schwerst overactende Luxusgirl Sarah, die nach eigenen Angaben "in Düsseldorf, London, Moskau und Stuttgart" wohnt, für einen Friseurtermin ins Flugzeug steigt und die aussieht, als hätte sich auf ihren Augenlidern eine Kompanie feister Stubenfliegen zum Sterben niedergelassen. Was, wie sie erklärt, durch patente Wimpernvorratsspeicherung bedingt ist: Weil ihr die angeklebten, falschen Wimpern immer wieder ausfallen, hat sie direkt das Klimperkontingent für drei Drehwochen festgetackert. Dumm, aber schlau.

Außerdem mit im Sortiment: Eine 25-jährige Spielerfrau, die seit zehn Jahren mit einem TSG-Hoffenheim-Profi zusammen ist. Eine Reminiszenz an Sylvies Verflossenen van der Vaart, könnte man meinen, doch die Kandidatin führt nach eigener Angabe "ein ruhiges, gutes Leben ohne Drama". Für den Schluchzfaktor gibt es noch eine Kandidatin mit trauriger Kinderheimkindheit, über die Meis nach fünf Minuten Casting urteilt wie Gottvater, dem es beim Jüngsten Gericht ein bisschen pressiert: "Sie ist ein guter Mensch."

Sind die Entscheidungen nachvollziehbar? Bedingt. Eine Kandidatin, die mit Piercing, selbst gestochenem "Poison"-Schriftzug auf dem Fuß und "Insane"-Tattoo auf der Lippeninnenseite auftritt, wird direkt rüde aussortiert: "Obwohl ich begeistert von deiner Haut bin, passt du nicht zur Marke." Eine andere Kandidatin, die ein Rosentattoo auf der Leiste hat, was man sich beim professionellen Unterhosenlüften deutlich unpraktischer vorstellt, wird dafür generös weitergewunken, wenn auch unter allerhand Wehklagen aufgrund der zu erwartenden Retuschierarbeit. Und eine dritte verabschiedet die Frau, die da gerade schon anderthalb Stunden lang brandkommerziell ihre Drunterware verkauft, mit den Worten: "Du bist mir einen Tick zu kommerziell."

Wie ist das Shooting? Fröstelig, nämlich in Hamburg auf dem Segelschiff Rickmer Rickmers, direkt im Hafen. Passend zur Location tragen die Models dabei angeblich Outfits mit "maritimem Touch", was bedeutet, dass sie zur Unterwäsche jetzt zum Beispiel eine Weste aus Laminat tragen und eine "sexy Piratin" darstellen. Meis leitet unerfahrene, eingefrorene Kandidatinnen dabei an, indem sie mit den Beinen aus der Skigymnastik bekannte Wedelbewegungen vollführt. Und der Fotograf, indem er Sätze sagt, die eher nach "Ruckzuck" klingen ("Posen, posen, rechts, links, anders") - oder nach gedimmtem Oberstübchen: "Super hot, super sexy, oh yeah".

Sollte man weiter einschalten? Nur, wenn es einem nichts ausmacht, dass die zuständigen Dramaturgiemenschen die Zuschauer offenbar für ausgemachte Doofbirnen halten. Am Ende, als die Entscheidung naht und gleich zwei Kandidatinnen ausscheiden sollen, sitzt ein Grüppchen von ihnen in der Modelunterbringung, studiert sämtliche Segelschiff-Fotos und kommt zum durchaus plausiblen Schluss, dass vermutlich Graziella, die Jüngste und Unsicherste, und Luxusbratz Sarah, die im Shooting eher Unmotivierte, gehen müssen.

Weiter kommt - während man noch denkt, so plump kann nun nicht einmal diese niedere Busenbegaffsendung enden - natürlich Sarah, die Garant für weitere Twitter-gerecht rausgehauene Protzismen ist. Und Graziella, die irgendwann nebenbei erzählt hatte, sie würde sich "nicht einmal für zwei Millionen Euro" die langen Haare abschneiden lassen.

In der Vorschau auf die nächste Folge kann man dann sehen, wie jemandem beim Umstyling unter allerhand Lamentieren empfindlich die Frisur gekürzt wird. Die Spannung ist kaum auszuhalten, wer das sein wird.

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insgesamt 31 Beiträge
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Alexis_Saint-Craque 22.11.2018
1. Sehr lieb
Warum fällt mir hierzu nur die berühmte Zeile ein: "Als sie die Gäste empfing, trug sie nur das Nötigste - einen Tampon."
Sibylle1969 22.11.2018
2.
Frau Rützels Wortkreationen sind legendär. Bestes Beispiel diesmal: Schlüpferpräsentationsposen.
derjoey 22.11.2018
3.
Vielen Dank für's Angucken. Wenn sogar Frau Rützel als Trash-Bekennerin dieses Format zu kreuzdämlich ist, dann ist das schon ein klares Zeichen. Ich frage mich ohnehin schon länger, warum man für die Hauptmotivation, eine Sendung anzuschauen (hier: leichtestbekleidete Damen begaffen), noch unbedingt irgendein Rahmenprogramm in Form von nervigen Gastgebern und Juroren braucht. Könnte man doch deutlich kostengünstiger in Form von "Sexy Clips" mit dem Blinke-Hinweis "alle Models tragen Billig-Unterwäsche von Schlüpfi Meis" produzieren. Wird diese Dauerwerbesendung eigentlich von Werbung unterbrochen, also quasi Inception für ganz Arme?
dasfred 22.11.2018
4. Ich halte es kaum aus
Wem werden denn nun die Haare gestutzt? Na ja, wichtig ist nur, dass Frau Rützel aus der Auftaktsendung eine wunderbar witzige Rezension basteln kann. Die Präsentation zarter Damenwäsche ist ja eigentlich eine eigene Kategorie im Bereich der Erwachsenenunterhaltung. Das RTL hier einmal die Persönlichkeit der Teilentblößten in den Vordergrund rückt, ist doch lobenswert. Oft habe ich mich schon gefragt, wo diese Geschöpfe wohl wohnen. Das sie sich gleich über mehrere Metropolen verteilen können, war eine komplett neue Information. Auch finde ich lobenswert, wenn die Protagonistin ihre Mädels selbst in Positur legt. Das scheint so kompliziert zu sein, dass es Frauen gibt, die sich dazu im Internet Anweisungen geben lassen. Sollte diese Staffel ein Erfolg werden, hoffe ich, dass RTL demnächst auch den Markt für Herrenunterhosen und die passenden Modelle dazu entdeckt.
Cugel 22.11.2018
5. And the winner is....
Platz 3: ...wie Gottvater, dem es beim jüngsten Gericht ein bisschen pressiert: "Sie ist ein guter Mensch." Platz 2: ...als hätte sich auf ihren Augenlidern eine Kompanie feister Stubenfliegen zum Sterben niedergelassen. Platz 1: ...Die Kameras äsen dabei ausführlich auf stringgeteilter Backenware. Die "Schlüpferpräsentationspose" landet leider nur auf dem undankbaren vierten Platz.
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