Neuer "Tagesthemen"-Moderator Roth: Der Sieg der Silbertolle

Von Alexander Kühn

Thomas Roth: Der neue Mr. Tagesthemen Fotos
DPA

Der neue "Tagesthemen"-Moderator Thomas Roth stellt sich in Hamburg der Presse vor und übt sich schon mal in der Rolle des Grandseigneurs. Ingo Zamperoni, der unterlegene Bewerber ums Anchor-Amt und im Vergleich zu Roth ein Jüngelchen, gratuliert brav. Aber zeigt immerhin erste graue Strähnchen!

Man wüsste gern, was Ingo Zamperoni gerade wirklich denkt. Während die Fotografen seinen Kollegen Thomas Roth vor einer tagesthemenblauen Wand ablichten, hält er sich im Hintergrund. Er steht da so unauffällig, wie das mit 1,95 Meter möglich ist, und sagt ein paar freundliche Sätze über den Mann, dessen Job er gern gehabt hätte. Äußerst professionell und kollegial sei der. "Es war ja keine Entscheidung gegen mich, sondern eine für Thomas Roth."

Zamperoni, 39, wird auch künftig bei den "Tagesthemen" nur die Vertretung sein. Roth, 61, fängt zum 1. August als Hauptmoderator der Sendung an. In einem Hamburger Hotel stellt Roth sich am Donnerstag den Medien als neuer Anchorman vor. Der NDR hat nicht nur seine Kollegin Caren Miosga dazugebeten, sondern auch Zamperoni aus dem Urlaub in Frankreich einfliegen lassen. Was der hier soll, ist nicht so ganz klar. Ihm selbst offenbar auch nicht. Er sagt, das hier sei auf jeden Fall Roths Veranstaltung, und lobt ihn dann noch ein bisschen.

Wäre es nach dem NDR gegangen, hätte das Eigengewächs Zamperoni jetzt das wichtigste Nachrichtenamt der ARD inne. Da aber nach alter Sitte der WDR zu entscheiden hatte, wird nun eben der bisherige New-York-Korrespondent auf Tom Buhrow folgen. Roths Vertrag läuft zunächst drei Jahre und vier Monate. Dann soll angeblich doch noch Zamperoni zum Zug kommen, aber mit Sicherheit sagen will das an diesem Tag keiner. Die beiden Herren nicht und auch niemand vom Sender.

Ein Traum, den Roth nie geträumt hat

Um möglichen Peinlichkeiten vorzubeugen, sagt Roth bei der anschließenden Pressekonferenz, was für ein tolles Team er, Miosga und Zamperoni bereits jetzt seien. Die beiden haben in der letzten Reihe Platz genommen. "Caren und ich haben schon eine Geheimsprache entwickelt", sagt Roth. "Wenn wir etwas unter uns besprechen wollen, reden wir Russisch." Miosga hat Slawistik studiert, er war Korrespondent in Moskau.

Auf der Bühne erzählt Roth Geschichten aus fernen Ländern und alten Zeiten. Wie er beim ersten Auftritt der Rolling Stones in Moskau die Aufmerksamkeit von Keith Richards auf sich zog, indem er schrie: "Keith, you are greater than Beethoven!" Oder wie er Nelson Mandela interviewte, zwei Tage nach dessen Entlassung aus dem Gefängnis.

Thomas Roth gibt sich an diesem Tag so, wie man sich in Deutschland einen Nachrichtenmoderator vorstellt. Er, der jahrzehntelang die Welt bereist hat, will nun als älterer Herr den Zuschauern allabendlich helfen, diese besser zu verstehen. Sein Haar ist inzwischen so weiß wie das des ersten "Mister Tagesthemen" Hanns Joachim Friedrichs. Das verleiht noch mal zusätzlich Autorität. Auch zu Friedrichs weiß Roth eine Geschichte zu erzählen: Noch auf dem Sterbebett habe der Grandseigneur damals verfügt, dass Roth den ersten Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für guten Journalismus erhalten solle. "Jetzt sitze ich auf dem Stuhl von Friedrichs, den ich sehr bewundert habe", sagt Roth.

Er spricht von Demut, Freude, Verantwortung. Einen schönen Satz hat er sich überlegt: "Ich denke mal, dass es eine Aufgabe ist, die ich bewältigen kann." Inka Schneider, die Roth auf der Bühne befragt, will wissen, ob das ein Traumjob sei. "Ja", antwortet er erst. "Aber den Traum habe ich nie geträumt." Ingo Zamperoni kann von dem Job noch eine Weile träumen. Bevor er zurück in den Frankreich-Urlaub fliegt, geht er auf Roth zu und wünscht ihm alles Gute für die erste Sendung am nächsten Montag.

Sieht man genau hin, entdeckt man bei Zamperoni schon erste graue Haare.

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insgesamt 31 Beiträge
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1. optional
kimba_2014 01.08.2013
Mit 40 kriegen viele Leute graue Haare, das bedeutet ja nicht, das Zamperoni gedemütigt oder ausgebootet wurde bei der ARD.
2. Prima
vollimbiss 01.08.2013
Zitat von sysopDer neue "Tagesthemen"-Moderator Thomas Roth stellt sich in Hamburg der Presse vor und übt sich schon mal in der Rolle des Grandseigneurs. Ingo Zamperoni, der unterlegene Bewerber ums Anchor-Amt und im Vergleich zu Roth ein Jüngelchen, gratuliert brav. Aber zeigt immerhin erste graue Strähnchen! "Tagesthemen"-Moderator Thomas Roth stellt sich vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/tagesthemen-moderator-thomas-roth-stellt-sich-vor-a-913895.html)
Eine gute Wahl wie ich finde. Sympatisches Trio.
3. Da kommt der Richtige
antopus 01.08.2013
Na dann dürfen wir uns auf noch mehr manipulierte Interviews a la Putin 2008 freuen. Los, Herr Roth, erfüllen Sie ihren Auftrag.
4. optional
soli.reinhardt 01.08.2013
Ingo Zamperoni ist ein lieber Kerl, aber seine singende Stimme hat mich bei den Nachrichten immer gestört.
5. T.Roth ist viel zu hölzern
westfalen7 01.08.2013
ich denke nicht,daß ich den Tagesthemen treu bleiben werde,denn ich hatte mir I.Zamperoni schon als Moderator gewünscht.Am nächsten Montag werde ich mir die Sendung ansehen und danach entscheiden.
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