Im Schnellcheck: Der Zypern-Talk bei "Anne Will"

Von Julian Kutzim

Der Staatsbankrott bedroht Zypern. Eine Zwangsabgabe auf Sparguthaben soll einen Teil der nötigen Hilfsmilliarden einbringen. Bei Anne Will diskutierten fünf Gäste, ob dadurch das Vertrauen bei Europas Sparern zerstört wurde. Eine Antwort gab es darauf nicht. Der Talk im Schnellcheck.

Wütende Sparer: Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude in Nikosia Zur Großansicht
AP/dpa

Wütende Sparer: Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude in Nikosia

Worum ging es?

Ein aktuelleres Thema hätte die Sendung nicht haben können: Zypern steht kurz vor dem Staatsbankrott, die Euro-Staaten sollen das Land mit Milliardenhilfen retten. Doch sie verlangen auch eine Selbstbeteiligung Zyperns. Dazu sollen unter anderem Zwangsabgaben auf Spareinlagen erhoben werden. "Sündenfall Zypern - Vertrauen weg bei Europas Sparern?" fragte deshalb Anne Will. Tatsächlich ging es darum nur am Rande.

Wer war da?

Einziges politisches Schwergewicht war Jürgen Trittin, Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion. Ansonsten wurde bei der politischen Besetzung tief in die Mottenkiste gegriffen: So gab Gesine Schwan die Politikwissenschaftlerin in der Runde, sie ist SPD-Mitglied und unterlag Horst Köhler 2004 und 2009 bei der Wahl zum Bundespräsidenten. Als CSU-Ehrenvorsitzender ging Edmund Stoiber an den Start, von 1993 bis 2007 war er Ministerpräsident von Bayern, mittlerweile leitet er eine EU-Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau. Auch ein Journalist sollte in der Runde nicht fehlen. Diesen Part übernahm der stellvertretende Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Nikolaus Blome. Abgerundet wurde das Ganze durch den Ökonomen Bernd Lucke, der vor allem durch seine Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland" bekannt ist.

Auf wen hätte man verzichten können?

"Bild"-Zeitungs-Mann Blome hatte wenig zur Diskussion beizutragen. Wenn er sich dann doch zu Wort meldete, sagte er eigentlich nur, was sowieso jeder wusste. Zum Beispiel: "Ein Land, dass bei anderen Ländern sehr viel Geld braucht, verliert ein Stück weit seine Souveränität."

Wer hat gefehlt?

Jemand, der mit dem Fall Zypern wirklich etwas zu tun hat. Finanzminister Wolfgang Schäuble beispielsweise. Die Runde zeichnete sich in erster Linie dadurch aus, dass sie keinen Regierungspolitiker zu bieten hatte. Und erst recht niemanden, der sagen konnte, wie es weitergeht. Wahlweise hätte es auch ein Pro-Euro-Ökonom getan, als wirtschaftswissenschaftlicher Konterpart zum Euro-Gegner Lucke. So wäre das Gespräch vielleicht häufiger über die politischen Allgemeinplätze von Trittin, Stoiber und Schwan hinausgekommen.

Das waren die Teams:

Von Lagerbildung konnte eigentlich keine Rede sein. Statt einer kontroversen Debatte bot die Gesprächsrunde in den ersten 70 Minuten meist nur einen einvernehmlichen Meinungsaustausch, in dem sich Trittin, Schwan, Stoiber und sogar Blome gegenseitig beipflichteten, die Zypern-Rettung grundsätzlich befürworteten und das Modell Steuerparadies kritisierten. Einzig die Äußerungen von Bernd Lucke führten zu Diskussionen. Damit erreichte die Sendung fünf Minuten vor Schluss dann auch ihren Höhepunkt: Als Lucke mit der Kernforderung seiner Partei um die Ecke kam: die Abschaffung des Euro. Das nahm Edmund Stoiber zum Anlass, eine flammende, pro-europäische Rede zu halten, die mit damit endete, dass Europa durch die Abschaffung der gemeinsamen Währung politisch auf Vorkriegsniveau zurückkatapultiert würde.

Das beste Zitat:

"Ich wehre mich gegen die Optik, dass jemand, der auf einem Konto 100.000 Euro hat, ein Kleinsparer ist." (Jürgen Trittin)

Das schlechteste Zitat:

"Schwächen sind auch manchmal Stärken in solchen Pokerrunden." (Gesine Schwan)

Was hat es gebracht?

Nicht viel und nichts Neues. Die Debatte bot wenig Kontroverse und noch weniger Antworten auf gestellte Fragen. Stattdessen verloren sich die Debattierenden in politischen Allgemeinplätzen und gaben den Zuschauern ihre ganz eigenen Weisheiten mit auf den Weg: Edmund Stoiber erklärte die Bankenunion zur endgültigen Lösung aller Probleme, Bernd Lucke pries die Abschaffung des Euro als Heilsbringer Europas an. Gesine Schwan mahnte mantraartig zur Solidarität und Trittin vertrat die überraschende Position, dass Google innerhalb Europas mit mehr als einem Prozent besteuert werden muss. Schließlich hatte auch Blome noch etwas zu verkünden: Dass Zypern den Bankensektor nicht braucht, da der Tourismus als Geschäftsmodell vollkommen ausreicht.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 126 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bei diesen faehigen...
fatherted98 21.03.2013
...Teilnehmern der Gespraechsrunde war ja wohl nichts anderes zu erwarten. Bekommt Frau Will eigentlich nur noch Herrn Stoiber zu diesem Thema in die Sendung? Wer anders will wohl nicht mehr....da fliegt man vom Muenchner Hauptbahnhof direkt.......
2. Stoibers Panikattacke
bastelonkel 21.03.2013
Wieviel Angst müssen Stoiber und Konsorten vor der AFD haben wenn er verbal so austickt?
3. Hoert auf mit diesen TALGSCHAUEN.
papayu 21.03.2013
Spendet sie lieber fuer Cypern via Wolfgang S!!
4. zu spät - zu viele BITTE KLATSCHEN
vielfeindvielehr 21.03.2013
Wenn man unter Zeitdruck steht auch noch den Aktensortierer der EU einzuladen, nee, muss nicht sein, ebenso die Vielzahl von APPLAUS-Displays mit dem UT "SOFORT KLATSCHEN - wenn nicht - wir wissen wo ihr wohnt", musste auch nicht sein. Der am meisten überzeugt hat mit Argumenten und Situationbeschreibungen (aus eigener langj. Erfahrung, kann ich die Angaben nur bestätigen in bezug auf einige der genannten Krisenländer und die entegengebrachte Sympathie) war für mich pers. H.Lucke. Der Rest vereint in Wieviel-Wähler-Verlieren-Angst. Ob es nun an der Produktivität liegt oder eher an der Mentalität, die Wechselkurse etc., wahrscheinliuch an allem irgendwo etwas, selbst der EU-Bürovorsteher hat zugegeben hätte er damals.... . Der agonierende Euro muss weg, er generiert oder teilt genau das, was er angeblich zusammenführen sollte, allerdings mies durchdedacht und wird auch nicht mit der Zeit besser. Pferde wechseln mitten im Strom, sollte gehen. Diese Alternativen f.D. werden bei 10 plus liegen, bevor ihen nicht noch ein "Skandälchen" untergejubelt wird, was heute so Uso ist....
5. Falscher Kommentar
anna-m. 21.03.2013
Dieser Schnellcheck wimmelt von den Allgemeinplätzen, die der Kommentator in der Sendung beklagt. Wieder einmal wird jemand, der Kritik am Euro hat mit nichtssagenden Plattitüden niedergemacht, statt dass man zumindest auf die eine oder andere durchaus vernünftige Aussage eingeht. Ich frage mich, warum es den Leuten in unseren Medien so schwer fällt, sich einfach mal mit den Argumenten gegen den Euro auseinanderzusetzen. - Keinesfalls sah er Lucke die Abschaffung als "Heilsbringer" ein. Es ist einfach eine Möglichkeit, die von anderen nicht einmal in Erwägung gezogen wird. Warum nicht? Der Euro bringt Unfrieden in Europa, DAS wäre das wichtigste Zitat aus dieser Sendung für mich und vor allem leider das zutreffendste!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik TV
RSS
alles zum Thema Televisionen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 126 Kommentare
  • Zur Startseite