Krimi-Statistik Nur halb so viele Leichen im "Tatort" wie 2016

Zum Jahresabschluss wurde es im Weimar-"Tatort" noch mal blutig - insgesamt ist die Leichendichte 2017 aber geringer als zuvor. Kein Wunder: Til Schweiger und Ulrich Tukur waren nicht auf Sendung.

Leiche in der "Tatort"-Folge "Der wüste Gobi"
MDR/ Wiedemann&Berg/ Anke Neugebau

Leiche in der "Tatort"-Folge "Der wüste Gobi"


Stranguliert, erschlagen, unter der Heizdecke verschmurgelt: Im Verlauf des schwarzhumorigen Weimar-"Tatort" wurden am 2. Weihnachtstag auf unterschiedliche Weise drei Menschen aus dem Leben befördert. Drei Tote, das liegt leicht über dem Durchschnitt an Leichen pro Folge, den die Expertenseite Tatort-Fundus.de für das Jahr 2017 errechnet hat. Demnach gab es in 35 Erstausstrahlungen insgesamt 85 Mordopfer.

Ein drastischer Rückgang an Leichen im Vergleich zum Jahr 2016, als es im "Tatort" fast doppelt so viele gab. Die "Tatort"-Folge mit den meisten Toten - nämlich sechs - war in diesem Jahr die Kieler Episode "Borowski und das dunkle Netz" vom 19. März. Jeweils fünf zählte Tatort-Fundus-Experte François Werner in der Dortmunder Folge "Sturm" vom Ostermontag und in dem Stuttgarter RAF-Krimi "Der rote Schatten" vom 15. Oktober.

In beiden Episoden könnten möglicherweise noch mehr Leichen zu zählen sein, da in den Filmen unübersichtliche Eskalationsszenarien vorkommen - nach einer Explosion (Dortmund) oder einer SEK-Aktion (Stuttgart). Das bleibt aber dramaturgisch und auch in der Statistik offen.

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"Tatort" mit Christian Ulmen: Wüstes Weimar

Als Leiche explizit nicht gezählt wurde Kommissar Daniel Kossik (Stefan Konarske), der im Film "Sturm" schwer verletzt wurde. Schauspieler Konarske kündigte übrigens an, beim Dortmunder "Tatort" auszusteigen. Ob die Figur Kossik tot ist, erfährt der Zuschauer erst im Februar in der nächsten Dortmunder Folge "Tollwut".

Recht normales Jahr in Sachen Bodycount

Das Jahr 2017 ist nach drei sehr leichenreichen "Tatort"-Jahrgängen wieder ein einigermaßen normales Krimijahr in Sachen Bodycount. Im Jahr 2016 hatte es die Rekord-Leichenzahl von 162 in 37 Filmen gegeben, 2015 waren es 111 Leichen in 40 Krimis. 2014 wurden 150 in 36 Filmen gezählt, 2013 dagegen nur 73 in 36 Filmen, und 2012 waren es 88 in 35 Filmen.

Auch die Todesarten analysierte der Tatort-Fundus: Erneut wurden die meisten Opfer erschossen - 24 an der Zahl. Erstickt oder erwürgt wurden acht Filmfiguren. Sechsmal wurde jemand erschlagen, fünfmal erstochen.

In zwei Fällen führte das Handeln der Ermittlerfigur zum Tod: Um die Ermordung eines Politikers zu verhindern, erschoss Bundespolizist Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) im Film "Dunkle Zeit" eine Frau. Im Krimi "Borowski und das dunkle Netz" setzte Sarah Brandt (Sibel Kekilli in ihrem letzten Kiel-"Tatort") in Notwehr eine Tierfalle ein, um sich selbst vor der Ermordung zu schützen.

Gar keinen Mord gab es im Franken-"Tatort" mit dem Titel "Am Ende geht man nackt". Dort stellte sich der Tod einer Asylbewerberin in einer Bamberger Unterkunft als Unglücksfall heraus.

Markiert die niedrigere Zahl an Toten im "Tatort" eine Trendwende zu unblutigeren Sonntagskrimis? Eher nicht. Der Grund dafür liegt wohl vor allem in der Tatsache, dass im letzten Jahr keine neuen Folgen mit Ulrich Tukur und Til Schweiger ausgestrahlt worden sind. Dort ist die Leichendichte oft so hoch, dass sie die Jahresstatistik extrem nach oben treibt.

cbu/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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unky 27.12.2017
1. Zu viele Krimis im Fernsehen
Wenn man sich das Fernsehprogramm ansieht, kann man sich nur wundern: Täglich gibt es Krimis auf fast allen Kanälen. Auch ARD und die dazugehörigen Regionalsender können davon nicht genug bekommen. Selbst Weihnachten geht es im Fernsehen blutrünstig zu. Meine Konsequenz: Ich sehe mir die großen Nachrichtensendungen im Fernsehen und vielleicht noch Dokumentationen an - ansonsten schaue ich mir Filme meistens bei Netflix u.ä., auf DVD oder im Kino an, weil ich für meinen Teil diese ewigen Gewaltorgien satt habe.
les2005 27.12.2017
2. ...und die Realität
Wenn man das mit der Anzahl der Mordopfer in ganz Deutschland, die zwischen 300 und 400 pro Jahr schwankt (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2229/umfrage/mordopfer-in-deutschland-entwicklung-seit-1987/) vergleicht, bedeutet das, daß allein die Erstausstrahlungen schon einem Drittel aller Morde gleichkommen. Wenn man dann noch die unzähligen Wiederholungen einbezieht, würden allein in den pro Jahr ausgestrahlten Tatorten wahrscheinlich ein Mehrfaches an Menschen sterben wie in der Realität. Und das sind nur die Tatorte. Kein Wunder, daß viele Menschen glauben, die Kriminalität würde immer schlimmer.
Mhoram 27.12.2017
3. Fehler im Artikel
In der Bildunterschrift heißt es: "Leiche in der "Tatort"-Folge Der wüste Gobi". Wer den Tatort gestern gesehen hat weiß aber, dass der Herr Professor trotz Bolzen in der Stirn nur verletzt ist...
arte-seher 27.12.2017
4. Köstlich!
Ich war skeptisch, was dieser Tatort aus Weimar wohl bieten würde. Aber oh Wunder, ein köstlicher Fernsehabend. Ein Gag nach dem anderen, ohne langweilig zu werden. Eine wohltuende Produktion, die die Krimikost hervorragend auf die Schippe nahm!
kindchen 27.12.2017
5. Warum muß es eigentlich immer Mord sein?
Statt einem Mord könnte es im Tatort doch auch mal um Raub, Erpressung, Betrug, Einbruch oder Fahrerflucht gehen? Die Ermittlungen ließen sich sicher genauso spannend gestalten.
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