Interne ARD-Vorgabe Nur noch zwei "Tatort"-Experimente pro Jahr

Immer wieder scheiden sich die Geister bei "Tatort"-Folgen, die von der klassischen Tätersuche abweichen. Nun reagieren die ARD-Oberen: Künftig soll es nur noch wenige "grenzüberschreitende" Produktionen geben.

Szene aus dem HR-"Tatort" "Fürchte dich"
HR/ Benjamin Dernbecher

Szene aus dem HR-"Tatort" "Fürchte dich"


Bei der beliebten Krimireihe "Tatort" soll es weniger experimentelle Filme geben. Der ARD-Koordinator für Fernsehfilme, WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur entsprechende Informationen der Seite "Tatort-Fundus.de".

Man wolle auch künftig Filme, die besonders sind und das Publikum überraschen, teilte Schönenborn mit. "Darüber hinaus können wir uns zweimal im Jahr auch 'experimentelle' Krimis vorstellen." Darüber werde sich in der "Koordination Fernsehfilm" frühzeitig abgestimmt, "damit die Filme entsprechend geplant und später dann sinnvoll platziert werden können".

ARD-Programmchef Volker Herres, der Programmdirektor des Ersten, hatte bereits nach dem vieldiskutierten Laien-, Improvisations- und Dialekt-"Tatort" "Babbeldasch" der "Bild am Sonntag" (5. März) gesagt: "Zum 'Tatort' gehören immer wieder auch einmal mutige Experimente. Das ist okay, solange es nicht in einen Wettlauf der Redaktionen mündet, wer den abgedrehtesten Film produziert."

"Schluss mit lustig"

Die neun Landesrundfunkanstalten - WDR, NDR, SWR, MDR, BR, HR, RBB, SR und Radio Bremen - haben jeweils ihre Redaktion für den "Tatort" und eigentlich die Freiheit, über die eigenen Krimis zu entscheiden. Beim WDR in Köln ist dann mit Gebhard Henke ein sogenannter "Tatort"-Koordinator angesiedelt, der dafür sorgen soll, dass sich zum Beispiel Inhalte aufeinanderfolgender Krimis im Ersten nicht zu sehr ähneln.

Henke teilte der dpa nun mit: "Wir hätten sicherlich angesichts der über 1000 Stücke nicht das Niveau halten können, wenn wir nicht Innovation und das Austesten der Grenzen ermöglicht hätten. Der klassische Ermittlerkrimi ist und bleibt aber die DNA des Tatorts."

Aus "Tatort"-Redaktionen ist zu vernehmen, dass Zuschauer vor allem dann Sturm laufen, wenn ein Sonntagskrimi das Genre sprengt und die Erwartungen an einen klassischen, realitätstreuen Film mit Auflösung am Schluss nicht erfüllt.

"Schluss mit lustig" zitiert der "Tatort-Fundus" den Kommentar zu der neuen Vorgabe von "einer mit ARD-Fernsehspielen leitend befassten Person". So müsse eine "grenzüberschreitende" "Tatort"-Produktion künftig vorab angemeldet werden. Wer als Drittes anmelde, habe schlicht "Pech gehabt", so der ARD-Mitarbeiter.

An diesem Sonntag steht - passend zu Halloween - ein Grusel-"Tatort" des Hessischen Rundfunks im Programm des Ersten. Im Film "Fürchte dich" mit Margarita Broich und Wolfram Koch geht es um Spuk und Geistererscheinungen und den Fluch, der auf einem Haus liegen soll. Lesen Sie hier unsere Rezension.

feb/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
christian simons 28.10.2017
1.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier eine Binse verkünde. Wenn der Tatort nur noch zweimal im Jahr experimentierfreudig ist, dann wird die experimentierfreudige Fraktion des Publikums, wenn überhaupt, nur noch zweimal im Jahr "Tatort" schauen. Nur die "Grenzüberschreiter" Boerne und Thiel dürfen aufatmen, die Zukunft ihrer arthritischen Scherze ist wohl bis zur über-übernächsten Legislaturperiode gesichert. Und nein, keine Angst, ich fange hier nicht wieder an, was von Netflix zu erzählen. :-)
Jolande9 28.10.2017
2. Dann bleibt zu hoffen...
... dass sich die ARD an sauber erhobenen Umfragen und nicht an der Dauerbruddelei von Herrschaften mit zu viel Tagesfreizeit in den Foren der großen Onlinemedien richtet.
pefete 28.10.2017
3. Wenn
Murot und Tschiller nicht mehr kommen, Herr Börne und Herr Thiel vernünftige Fälle bekommen und nicht eine Parodie Ihrer selbst, könnte ich mit dem Tatort wieder, zufrieden sein.
Newspeak 28.10.2017
4. ...
Zitat von pefeteMurot und Tschiller nicht mehr kommen, Herr Börne und Herr Thiel vernünftige Fälle bekommen und nicht eine Parodie Ihrer selbst, könnte ich mit dem Tatort wieder, zufrieden sein.
Es gibt genug normale Tatorte fuer Ihren Geschmack. Die paar anderen werden Sie ja wohl aushalten. Es gibt nicht nur Sie auf der Welt.
toll_er 28.10.2017
5. zurück zum Niveau des alten Alten
Ein lächerliches Gehampel mit dem Tenor: Zurück zu den Wurzeln. Heißt: Niveauglättung, zurück zu immer schön vorhersehbaren Standardfilmchen in schicken Münchner Vororten mit altbekannten Serienschauspielern, die für den Tatort vom Traumschiff zurück geholt werden... und dem Gärtner als Mörder. Und damit meine ich nicht Theo Gärtner....
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