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Mörderpärchen im Kino: Diese Killer haben den "Tatort" inspiriert

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"Tatort" aus Köln: Liebe auf der Flucht Fotos
WDR/ Thomas Kost

Ein junges Pärchen mordet sich durch Köln - und schwärmt von Bonnie und Clyde. Der "Tatort" am Sonntag zitierte gekonnt die Kinogeschichte. Hier die bösesten Killerduos, von den "Honeymoon Killers" bis zum "Doberman".

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Komm, wir machen es so, wie wir es im Kino gesehen haben! Im ungewohnt poppig und explizit inszenierten "Tatort" aus Köln liebten und schossen sich das Plattenbaukind Adrian (Rick Okon) und die reiche Tochter Laura (Ruby O. Fee) durch die Stadt - und zitierten dabei berühmte Antihelden der Filmgeschichte.

Immer wieder wurde auf Bonnie und Clyde angespielt, das Gangsterpärchen, das Anfang der Dreißigerjahre durch Raubüberfälle berühmt wurde und durch Arthur Penns Gangsterballade aus dem Jahr 1967 zum Mythos.

Im wahren Leben wie im Film wurde das Pärchen auf der Flucht in ihrem Ford von den Maschinenpistolen der sie verfolgenden Polizisten zersiebt. Angesichts dieses Endes schlägt der Junge im "Tatort" seiner Freundin vor, sich doch lieber an Mickey und Mallory aus Oliver Stones "Natural Born Killers" von 1994 zu halten. Die sind nämlich mit dem Leben davon gekommen.

Im Kino findet also jeder, was er braucht, um der eigenen Geschichte die richtige Richtung zu geben. Hier fünf weitere Filme mit Killerpaaren, die den filmhistorischen Resonanzraum des Zitat-"Tatort" mitgeprägt haben.

1. "Pierot le fou" (1965)

Belmondo und Karina in "Pierot le fou": Wunderschön zitiert Zur Großansicht
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Belmondo und Karina in "Pierot le fou": Wunderschön zitiert

1965 war der große Jean-Luc Godard seiner Zeit mal wieder mindestens 30 Jahre voraus. Postmodernes Popkino? Er hat es erfunden, ohne es so zu nennen. Für "Pierot le fou" schickte er Jean-Paul Belmondo als gelangweilten Wohlstandsdandy mit Anna Karina auf einen Roadtrip Richtung Südfrankreich, wo Kugeln und Zitate gleichermaßen durch die Luft fliegen. Dazu gibt es Gedanken über Faulkner, Van Gogh und Browning. "Pierot le fou" zeigt: Killer couple movies waren auch immer schon Zitatgewitter. Mitten drin dann, auf einer extrem langweiligen Party, gibt der US-Regisseur Sam Fuller während eines Cameo-Auftrittes seine inzwischen berühmte Maxime zum Besten: "Ein Film ist wie ein Schlachtfeld. Liebe, Action, Hass, Gewalt. Mit einem Wort: Gefühl." Ein Glaubenssatz, der im Besonderen für Filme mit Killer-Pärchen gilt.

2. "The Honeymoon Killers" (1969)

Stoler und Lo Bianco in "The Honeymoon Killers": Schlicht und effizient Zur Großansicht
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Stoler und Lo Bianco in "The Honeymoon Killers": Schlicht und effizient

Wer zeigen will, wie hässlich und kalt die Welt ist, braucht hässliche Darsteller und kalte Bilder. So wohl die Idee von Regisseur Leonard Kastle, als er 1969 die Regie des Projekts übernahm, für das zuvor Martin Scorsese im Gespräch gewesen war. In diesem schlichten, aber effizienten Schwarzweißfilm tut sich ein Heiratsschwindler (Tony Lo Bianco) mit einer übergewichtigen Krankenschwester (Shirley Stoler) zusammen, um alleinstehende Frauen auszurauben und zu ermorden. Reales Vorbild für "The Honeymoon Killers" war das als "Lonely Heart Killers" bekannt gewordene Paar, das 1951 nach zwölf Morden in Sing Sing auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Der Film war bei der Erstauswertung ein Flop, inzwischen wird er ehrfürchtig von einer Generation von Trash-Fans an die nächste weitergegeben.

3. "Badlands" (1973)

Spacek und Sheen in "Badlands": Liebe ist genügsam, Liebe ist grausam Zur Großansicht
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Spacek und Sheen in "Badlands": Liebe ist genügsam, Liebe ist grausam

Die poetischste Variante zum Thema Liebe auf der Flucht. Der 25-jährige Kit (Martin Sheen als James-Dean-Lookalike) bringt im Streit den Vater seiner 15-jährigen Freundin Holly (Sissy Spacek) um. Das Haus wird abgefackelt, im Wald bauen sie sich ein Baumhaus. Liebe ist genügsam, Liebe ist grausam: Als Behörden die Verfolgung aufnehmen, fliehen die beiden und hinterlassen eine Blutspur. Regisseur Terrence Malick ("Tree of Life") ist bekannt dafür, dass er seine Figuren nicht erklärt und erst recht nicht nach ihrer Moral fragt; in seinem Debüt gab er sich ganz der gefährlichen Dynamik der amour fou hin. Wahrscheinlich der Film, der die Verantwortlichen des Kölner "Tatort" am stärksten inspiriert hat.

Bellucci und Cassel in "Doberman": Haarspray und Knarren für alle! Zur Großansicht
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Bellucci und Cassel in "Doberman": Haarspray und Knarren für alle!

4. "Doberman" (1997)

Unter den Rock, durch die Wand: Die Kamera in diesem forciert geschmacklosen Bildgewitter imitiert sowohl Spannerblicke als auch die Flugbahn von Waffengeschossen. Die ultrabrutale Romanze zwischen einem Gewaltverbrecher und einer taubstummen Schönheit - mit viel Haarspray und Kunstblut inszeniert - wurde in Deutschland von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. Die beiden Hauptdarsteller Vincent Cassel und Monica Belucci, die auch im wirklichen Leben ein Paar waren, wurden zu Stars und lieben seitdem den provokanten Auftritt. 2011 traten sie noch mal gemeinsam in dem Vergewaltigungsschocker "Irreversibel" auf, bei dem man ebenfalls besser nicht nach einem tieferen Sinn fragt.

5. "Perdita Durango" (1997)

Javier Bardem in "Perdita Durango": Fratze des Bösen Zur Großansicht
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Javier Bardem in "Perdita Durango": Fratze des Bösen

Die mexikanische Hardcore-Variante des killer couple movies. Die Prostituierte Perdita (Rosie Perez) und der Kriminelle Romeo (Javier Bardem) tun sich zusammen, legen sich mit Gangsterbossen an und entführen dann ein US-Teenagerpärchen, das sie vergewaltigen. Das Drehbuch stammt von Barry Gifford, der unter anderem auch die Vorlage zu David Lynchs "Wild at Heart" lieferte. Pop? Kunst? Psychoanalyse? Schwer zu sagen, was dieser Sadismusthriller mit Surfsoundtrack eigentlich sein will. Aber Bardem und Perez haben sich als fieseste Fratzen des Bösen einen festen Platz in der Filmgeschichte erekelt.

Alle "Tatort"-Teams im Überblick

Dorn und Lessing in Weimar
Ist das noch ein Krimi? Nora Tschirner als Kommissarin Dorn und Christian Ulmen als Kollege Lessing lassen mit lässiger Eleganz die üblichen "Tatort"-Ermittlerstanzen ins Leere laufen - und das ausgerechnet im Einflussgebiet des MDR, wo man sich früher schwer tat mit Humor und Subversion. Die beiden sind leider höchstens einmal im Jahr in Weimar im Einsatz und müssen sich dann immer Beschimpfungen vom Gebührenzahler anhören. Im Frühjahr folgt endlich ihr dritter Fall. Auch wenn Krimi-Spießer zürnen: Dürfen gerne regelmäßiger in Erscheinung treten.

Murot in Hessen
Keine Angst vor dem Pianisten! Ob am Klavier oder am Maschinengewehr - Ulrich Tukur als Kommissar Murot ist fast immer eine Sensation. Fast immer: Die Nummer mit den Gauklern in der Zirkus-Folge "Schwindelfrei" von 2013 war wirklich übel, dafür war die Tarantino-meets-Truffaut-Folge "Im Schmerz geboren" 2014 ein absolutes Meistwerk der Reihe. Eine angenehme Abwechslung ist es, dabei zuzuschauen, wie sich Ulrich – Hoppla, jetzt komm ich – Tukur als LKA-Mann Felix Murot durch die Handlung singt, tanzt und musiziert. Oder eben auch mal mit der Schnellfeuerwaffe für Ordnung sorgt. Nach der letzten Folge, in der der reale Schauspieler Tukur auf den fiktiven Murot traf, gab es reichlich erzürnte Anrufe beim HR. Doch der verspricht: Es wird experimentell bleiben, ein weiterer Tukur-"Tatort" ist in Planung.

Tschiller in Hamburg
Wer ist der Größte im "Tatort"-Land? Til Schweiger schielt mit seinem Kommissar Nick Tschiller und seinen Actionblockbusterkrimis ganz eindeutig auf diese Spitzenposition. Beim letzten Doppel-"Tatort" nach dem Jahreswechsel holte man sogar Schlagerstar Helene Fischer ins Boot, um neue Quotenrekorde aufzustellen. Haute aber nicht hin, der Zweiteiler kam beim Publikum schlecht an. Da konnte selbst Schweiger mit Panzerfaust nicht viel anrichten, und auch der begnadete Sidekick und heimliche Hamburg-"Tatort"-Star Fahri Yardim als Kommissar Yalcin Gümer hielt die Zuschauer nicht. Die Publikumslieblinge Axel Prahl und Jan Josef Liefers und deren Zuschauerzahlen sind für Schweiger weiter entfernt denn je. Mal sehen, wie der im Februar startende Kino-"Tatort" ankommt.

Falke in Norddeutschland
Für immer Punk: Wotan Wilke Möhring als Kommissar Falke hört linksradikalen Hardcore, ist immer nur in Absteigen zu sehen und trägt zum Schlafen wie zum Ermitteln ein fadenscheiniges Ramones-Shirt. Erst war er in Hamburg unterwegs, dann musste er Til Schweiger die Stadt überlassen und zog ins norddeutsche Umland ab. Als Bundespolizist kümmert er sich um extrem aktuellen Problemstoff: Schleuserkriminalität und Flüchtlingselend. Zwischendurch gab es ein paar schlechte Folgen, aber zuletzt lieferte Möhring aus Salzgitter den besten "Tatort" zum Thema Flüchtlinge überhaupt. Nach dem Ausstieg von Petra Schmidt-Schaller übernimmt jetzt Franziska Weisz die Rolle der Co-Ermittlerin. Trotz schwieriger Zeiten eines der interessantesten TV-Reviere.

Boerne und Thiel in Münster
Der Prof und der Proll: Seit 2002 ermitteln Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Frank Thiel zwischen Keksdynastien, Kartoffelkönigen und Spargelkaisern. Der eine Snob und eng verbandelt mit der Münsteraner Honoratiorenschaft, der andere St.-Pauli-Fan und Outsider. Eine Kombination, mit der anfangs gekonnt grotesker Humor in den "Tatort" geschmuggelt wurde, der erschöpfte sich in den letzten Jahren aber in Gag-Kanonaden. Zwei Fälle im Jahr, fast immer von neuen Quotenrekorden flankiert. Mit den letzten Folgen hat man endlich wieder einen härteren Ton angeschlagen.

Voss und Ringelhahn in Franken
Die Fremden: Felix Voss ist ein verirrtes und verschlossenes Nordlicht mit Vorliebe für Techno-Exzesse, Paula Ringelhahn machte noch zu Mauerzeiten aus dem Osten rüber, weil sie an Freiheit und Demokratie glaubte. Jetzt ermitteln die beiden Kommissare, die überhaupt nicht zu einander passen, in einer Gegend, in der sie zudem noch deplatziert wirken. Eine reizvolle Grundsituation. Einmal jährlich werden Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel als ungleiches Paar im Hinterland von Unter-, Mittel- und Oberfranken auftreten. Hinrichs hatte zuvor schon in einer BR-Episode als Ermittler-Kauz Gisbert für Furore und verliebtes Publikum gesorgt. Ab Mitte April, vielversprechend.

Brix und Janneke in Frankfurt
Wie sind die denn drauf? So ausgeglichen wie Paul Brix (Wolfram Koch, l.) und Anna Janneke (Margarita Broich, r.) geht sonst niemand in Fernsehkrimideutschland zur Arbeit. Gute Laune als Alleinstellungsmerkmal, ein interessanter Dreh. Statt Reibung die geballte Aufmerksamkeit für den jeweiligen Fall. Brix war früher bei der Sitte, Janneke hat zuvor als Psychologin gearbeitet: Eine gute Ergänzung, um in die harten, kranken und doch oft auch heiter verdrehten Fälle des hessischen "Tatorts" hinabzusteigen. Auch nicht schlecht: der Gewitter-Chef (Roeland Wiesnekker), der auf den schönen Namen Riefenstahl hört, hehe. Im Mai absolvierten Brix, Janneke und Riefenstahl ihren ersten Fall - bester Neuzugang im "Tatort"-Kosmos seit langer Zeit.

Rubin und Karow in Berlin
Er ein Schwein, sie eine Schlampe: Im Gegensatz zu den einstigen sonnigen Haupstadt-Cops Ritter und Stark sind "Tatort"-Nachfolger Mark Waschke als Robert Karow und Meret Becker als Nina Rubin mit extrem schwarzen Strich gezeichnet. Während Karow in der ersten Episode krumme Geschäfte mit der Drogenmafia laufen hat, vergnügt sich Rubin bei SM-Spielchen in den Hinterhöfen von Kreuzberger Hipster-Bars. Neben krassen Charakterzeichnungen gibt es im radikal modernisierten Berliner "Tatort" vor allem stimmige Hauptstadtimpressionen. Zwei Folgen pro Jahr, das Debüt macht Lust auf mehr.

Faber, Bönisch, Dalay und Kossik in Dortmund
Die Kranken: Jörg Hartmann schluckt als Peter Faber reichlich Pillen und schlägt Toiletten kaputt. Anna Schudt als Kollegin Martina Bönisch steigt mehr zum Frustabbau als zum Lustgewinn mit Callboys und Staubsaugervertretern ins Bett. Aylin Tezel als Nora Dalay und Stefan Konarske als Daniel Kossik haben schon gemeinsam auf Streife und im Bett zusammen geschwitzt– würden aber niemals das L-Wort benutzen. Zwei Folgen im Jahr. Eines der wenigen TV-Reviere mit stringenter Figurenentwicklung. Beim Start 2012 ein bisschen gewollt, jetzt die Elite des deutschen Fernsehkrimis.

Eisner und Fellner in Wien
Der doppelte Espresso: Seit 1999 ermittelt Harald Krassnitzer als Major Moritz Eisner mürrisch, praktisch, gut. An die 5000 Tassen Mokka und andere starke koffeinhaltige Getränke hat er seitdem in sich hineingeschüttet. Seit 2011 wird er von Adele Neuhauser als Bibi Fellner unterstützt, einer (meistens) trockenen Alkoholikerin mit Hang zur Halbwelt am Prater. Wien, düster und kalt wie ein kleiner abgestandener Schwarzer. Zwei Einsätze im Jahr, immer tut's weh, selten enttäuscht's. 2014 gab es den Grimme-Preis.

Batic und Leitmayr in München
Die ewigen Junggesellen: Seit 1991 sind Miroslav Nemec als Kommissar Ivo Batic und Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr im Einsatz. Früher gab es die eine oder andere mit den Fällen verbundene Affäre, heute sind sich die beiden Burschen offensichtlich selbst genug. Sehr zärtlich und verschworen untereinander, gegen den Rest der Welt wird trocken ausgeteilt. Drei Fälle im Jahr, auch nach weit über 20 Jahren besitzen die beiden eine hohe Treffsicherheit. Haben gerade eine junge Profilerin und einen Ermittlerbubi an die Seite gestellt bekommen. So kann es noch 10 Jahre weitergehen.

Borowski in Kiel
Der Weltenwandler: Als Klaus Borowski ist Axel Milberg am besten, wenn er in Parallelkosmen von Psychopathen hinabsteigt – vielleicht weil Borowski selber nah am Wahnsinn gebaut ist. Seit 2003 dabei, stand bis 2009 sinnigerweise unter der Beobachtung einer Polizeipsychologin; 2011 übernahm Sarah Brandt (Sibel Kekilli), die bislang allerdings noch mit der Betreuung überfordert scheint. Zwei bis drei Fälle im Jahr. War früher beim Publikum recht unbeliebt, hat mit spektakulären Folgen wie der über Crystal Meth aber in der Zwischenzeit kräftig zugelegt.. Der vielleicht klügste Ermittler im "Tatort"-Land."

Ballauf und Schenk in Köln
Das Ehepaar: Klaus J. Behrendt als Max Ballauf und Dietmar Bär als Freddy Schenk standen lange für den guten alten Soziokrimi – kein Thema, das von den beiden nicht warmherzig wegermittelt und wegerklärt wurde. Schenk hat zu Hause eine Frau, die man noch nie gesehen hat. Aber mal ehrlich: Was kann die schon gegen seine große Liebe Ballauf ausrichten? Seit 1997 dabei, drei bis vier Fälle im Jahr. Nachdem Anfang 2014 Assistentin Franziska grausam aus dem TV-Revier gemordet wurde, geht es bei den Kölnern düsterer und unversöhnlicher zu. Steht den beiden "Tatort"-Oldies eigentlich ganz gut.

Blum und Perlmann in Konstanz
Mutter Courage und der Schnösel: Seit 2004 geben Eva Mattes als Klara Blum im Fairtrade-Look und Sebastian Bezzel als Kai Perlmann im gut sitzenden Anzug das Gespann der Gegensätze. Sie guckt traurig bis empört, er gelangweilt bis genervt. Zwei bis drei Fälle im Jahr, waren am Anfang ziemlich gut, heute scheinen beide oft nur noch den Feierabend herbeizusehnen. Den bekommen sie bald: 2016 wird das Bodensee-Revier abgewickelt.

Odenthal und Kopper in Ludwigshafen
Die WG-Stoffel: Früher war Ludwigshafen das Labor des "Tatort". Hier gab es die schönsten amourösen Eskapaden und die verwegensten Storys – samt Ausflug ins All. Ulrike Folkerts als Lena Odenthal ist seit 1989 im Einsatz, Andreas Hoppe als Mario Kopper stieß 1996 dazu. Die offen lesbische Schauspielerin Folkerts durfte ihre Odenthal leider keine langlebige lesbische Liebe erleben lassen. Kämpft sehr mit sich, nach vielen öden Episoden kommt langsam wieder Bewegung in Personenführung.

Lindholm in Hannover und Umgebung
Die Frau von heute: Seit 2002 ist Maria Furtwängler in der Rolle der Charlotte Lindholm in Niedersachsen unterwegs und wurde in den letzten Jahren zum Inbegriff der modernen weiblichen Ermittlerin. WG-erfahren, hochschwanger während brisanter Ermittlungen, später brachte sie Kind und Karriere gut zusammen. Lindholm ist die personifizierte Selbstoptimierung, im Herzen konservativ, aber offen für Experimente. Kurz: die Ursula von der Leyen des "Tatort". Früher zwei bis drei Episoden im Jahr, jetzt nur noch eine. Nicht immer großartig, niemals langweilig.

Flückiger in Luzern
Der Leisetreter: Nachdem Stefan Gubser als Reto Flückiger bereits einige Male als Gast bei Kollegin Klara Blum in Konstanz ermittelt hatte, bekam er 2011 ein eigenes Revier in Luzern. Bringt eine leise Note in den zur Hysterie neigenden "Tatort". In der desaströsen ersten Folge stand ihm noch Sofia Milos als Abby Lanning zur Seite, dann übernahm Delia Mayer als Liz Ritschard die weibliche Sidekick-Rolle. Sie spielt die erste offen lesbische Ermittlerin im "Tatort"-Verbund. Zwei Folgen im Jahr, sorgen oft für unaufgeregte Kontrapunkte.

Lürsen und Stedefreund in Bremen
Die ewigen Spontis: Sabine Postel als Inga Lürsen und Oliver Mommsen als Nils Stedefreund liefern sich ein schönes Wechselspiel. Wenn der Jungspund es zu wild treibt, setzt sie ihr strenges Gesicht auf, wenn die Chefin allzu viel Spaß hat, macht er den Miesepeter. Schnoddrig lösen die beiden auf diese Weise politisch aufgeladene Fälle. Links, launig, manchmal ein wenig zu laut. Sie ist seit 1997 dabei, er seit 2001. Zwei bis drei Fälle im Jahr. Immer gut – solange es den Kommissaren schlecht geht.

Lannert und Bootz in Stuttgart
Die Geschundenen: Richy Müller als Thorsten Lannert und Felix Klare als Sebastian Bootz sind prima Kerle. Der eine mit tragischer Undercover-Ermittler-Vergangenheit, der andere als ehrenhaft gescheiterter Ehemann. Sie liefern gute, korrekte Ermittlerarbeit – der manchmal aber die gute, korrekte Inszenierung fehlt. Seit 2008 im Einsatz, zwei bis drei Folgen im Jahr, da geht noch was.

Stellbrink und Marx in Saarbrücken
Der Zarte und die Harte: Seit 2013 ermitteln Devid Striesow als Jens Stellbrink und Elisabeth Brück als Lisa Marx in Saarbrücken. Er ist ein kiffender Gefühlsmensch, sie eine rabiate Analysemaschine. Man mag es in Saarbrücken in Sachen Charakterzeichnung eben gerne ein bisschen schlichter. Startete als Comedy-Krimi, wird jetzt langsam ernster. Zwei Folgen im Jahr, immer noch die große Baustelle der "Tatort"-Reviere.

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Wie immer
!!!Fovea!!! 29.02.2016
langweilig und vor allem verdammt vorhersehbar. 90 Min. Lebenszeitverschwendung, zwangsalimentiert durch den Steuerzahler. Kann die KEF nicht mal hochrechnen, wieviel der ÖR sparen würde, wenn man die Tatorte mal um die Hälfte reduzieren würde? Man wird mit billigen Inhalten gerade so überschüttet, dass es mir immer schwerer fällt den Unterschied zwischen ÖR und Privat-TV zu erkennen. Und bitte, lasst mich bloß mit den ungeistigen Kommentaren in Ruhe: "Es gibt ARTE und 3SAT o.a.". Ich schreibe den Verfechtern des ÖR auch nicht, schaut Spiegel TV anstatt Dschungelcamp.
2. Badlands -- Martin Sheen ist kein James Dean
Peter Boots 29.02.2016
Martin Sheen in Badlands ist nach dem reelen serial killer Charles Starkweather gestylt, der sich nach Dean gestylt hat. Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. http://murderpedia.org/male.S/images/starkweather/stark_160.jpg
3. guter tatort,
-seltsam- 29.02.2016
aber kein herausragender. dialoge und inszenierung waren nur durchschnitt. nichts kann überschatten, wie überaltert die kommissare schon sind. Als Behrend auf dem dach steht und sein "endet hier und jetzt" spruch bringt, hat das eine wirkung wie valium. auch Bär reisst keine bäume mehr aus. die besten zeiten sind vorbei und es wäre schade, hörten sie zu spät auf. es wird nicht leicht sie zu ersetzen, denn sie waren ein tolles team und wir haben uns sehr gern an sie gewöhnt. ich glaube aber, es wird zeit für veränderung im kölner tatort.
4. Lebensentwürfe aus der Traumfabrik
ed_tom_bell 29.02.2016
Ich muss gestehen, dass ich die hier vorgestellten Filme alle nicht kenne. Einer der für mich beeindruckendsten Aspekte dieses "Tatorts" war aber sicher, dass er so stylisch, popkulturig begann (dass es mich fast schon abstieß), um dieses Bild dann konsequent zu demontieren und in Tristesse zu ertränken. Eine sicher exemplarische Entwicklung in dieser Gesellschaft der sozialen Schieflage, die hier besonders gelungen verdichtet wurde. Und dabei sogar das Scheitern an beiden Enden der sozialen Leiter zeigte: das des Sprosses aus prekären Verhältnissen, der nichts erreichen, nicht mal eine realistische Richtung erkennen kann, so sehr er sich auch anstrengt, und gar nichts anderes wollen kann als der Realität, in der er lebt, zu entfliehen. Und die der bis zur Neurose verhätschelten, verkorksten Göre, eines bedauernswert rückgratlosen Edelgezüchts aus vermeintlich soliden Verhältnissen, dem sogenannten "guten Hause", das die Realität gar nicht kennen kann, weil sie aus falsch verstandener Mutterliebe immer von ihr ferngehalten wurde. Wenngleich der Aufprall naturgemäß für ersteren härter war. Von Anfang an. Aber man weiß nicht wie es für das Mädchen weiter geht. Und auch nicht was aus der Mutter des Jungen wird. Ein "Tatort" der nachhallt.
5. Nicht zu vergessen
HansPa 29.02.2016
Die musikalische Kopie/Abwandlung von "spiel mir das Lied von Tod" in den Szenen wo Henry Fonda seine eigenen Leute umbringen muss, weil sie ihn töten wollen.
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