01. Februar 2013, 12:05 Uhr

Bodensee-"Tatort"

Meine Geliebte ist tot? Prost!

Von Christian Buß

Die schöne Mona macht erst alle Männer verrückt, dann treibt plötzlich ihr rotes Kleidchen im Bodensee. Wer war's? Ihr stets sternhagelvoller Lover oder der schöngeistige Gatte? Ein "Tatort" über fatale Lebensgier in der Provinz - und einer der besten Krimis aus Konstanz seit langem.

Was tun, wenn die Polizei vor der Tür steht, um dir zu sagen, dass die Frau tot ist, die du liebst? Aufschreien? Umkippen? Versteinern? Also pflichtschuldigst all jene Übungen absolvieren, die Krimi-Autoren gerne ins Drehbuch schreiben, damit auch der letzte Zuschauer kapiert, dass Trauer angesagt ist? Oder vielleicht doch lieber genüsslich ein paar Hühnerflügel in die Pfanne legen und einen guten Bordeaux aufmachen?

Klara Blum (Eva Mattes) ist mal wieder unterwegs, um Hinterbliebene zu informieren. Den Kummerblick hat Deutschlands elegischste Ermittlerin ja sogar im Gesicht, wenn sie mal einen richtig guten Tag hat. So gesehen ist sie immer gerüstet, um eine Todesmeldung zu überbringen. Aber in diesem "Tatort", dem besten vom Bodensee seit langer Zeit, muss sie gar nicht auf betroffen machen. Wo sie auch aufschlägt, die Trauerbotschaft wird beinahe heiter entgegengenommen.

Das Auto der schönen Mona (Silke Bodenbender) wurde verunglückt am Bodensee gefunden, aus dem Wasser wird ihr rotes Abendkleid gezogen, die Ermittler müssen von Mord ausgehen. Doch die Männer aus Monas Umfeld wollen sich nicht dem in solchen Fällen üblichen Verhaltenskodex fügen. Ehemann Christian Seitz (Sylvester Groth) fängt erst mal an, sich ein schönes Essen zu kochen. Fritz Schönborn (Ronald Zehrfeld), der zeitweilige Geliebte, schwärmt zerknittert in seinem Büro davon, dass er sich in der Mordnacht an die zehn, zwölf, vierzehn, wer zählt da noch mit, Longdrinks hinter die Binde gegossen hat. Schließlich steckt er sich erst mal in schneller Folge ein paar Zigaretten an. Dann geht es weiter mit dem Saufen. Glücklich sind die Verkaterten.

Bier und Gier

Kulinarisch verbrämte Sublimation und pubertäre Druckbetankung - zwei Möglichkeiten, wie man auch mit Todesmeldungen umgehen kann. Groth (demnächst "Polizeiruf"-Kommissar in Magdeburg) und Zehrfeld ( "Mord in Eberswalde", "Barbara") spielen die Männer um Mona an allen Klischees vorbei, so dass man gezwungen ist, genau hinzusehen. Trauern sie nur auf etwas eigenwillige Art? Oder sind sie wirklich total abgebrüht? Oder tun sie nur abgebrüht, um von anderen Dingen abzulenken? Denn es geht hier auch um Grundstücksgeschäfte am Bodensee, an denen der eine gut verdient hat, während der andere sich verzockt hat.

Autor Wolfgang Stauch und Regisseur Ed Herzog, die schon einige exzellente Stücke aus der Senta-Berger-Reihe "Unter Verdacht" im Team erarbeitet haben, schaffen es, dem Bodensee-"Tatort" seine Betroffenheitstristesse auszutreiben, ohne künstlich den Erzählrahmen zu weiten; kleine Logikfehler nimmt man da in Kauf. Hier geht es um Provinz pur, der Puls aber läuft auf Hochtouren. Bier, Gier, Lebensgier - das sind die Themen.

So explizit und exaltiert wie am Anfang dieser Episode wurde schon lange nicht mehr in einem "Tatort" gesoffen. Während Mona, die Lady in Red, die Männer verrückt macht und zu lächerlichen Polonaisen durch die örtliche Kneipe animiert, lässt sich ihr Ex-und-immer-mal-wieder-Lover Fritz auf dem Billardtisch volllaufen. Und draußen vor der Tür steht pikiert Ehemann Christian, der eigentlich nur Klassik hört und teuren Bordeaux trinkt. Schon die triebfreudige Entgrenzung seiner Frau müsste für den Schöngeist ein Mordmotiv sein.

Aber was heißt in dieser Enge schon Entgrenzung. Kaum taumelt der Provinzbewohner im hormon- und alkoholbefeuerten Freiheitsrausch aus der Bar, fällt er in den Bodensee, weiter geht's nicht. Auch das ist dieser etwas andere, gekonnte "Tatort" aus Konstanz: eine Elegie über gescheiterte Entfesselungsversuche.


"Tatort: Die schöne Mona", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD


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