Jetzt eine anstecken, das wär's. Hauptkommissar Andreas Keppler (Martin Wuttke) zeigt mehrmals im Laufe des aktuellen Falles diesen sehnsuchtsvollen Blick, den nur ehemalige Raucher und Kiffer draufhaben. Also Leute, die aus gesundheitlichen Gründen oder einfach, weil man das halt so tut in einem gewissen Alter, mit dem Tabak- und Haschisch-Konsum aufgehört haben. Die aber keine Gelegenheit auslassen, sich ein Wölkchen fremdproduzierten Rauchs um die Nase wehen zu lassen. Als Erinnerung an alte entspannte Zeiten.
Solche nostalgischen Momente können leicht mal deplatziert wirken, wenn man ein grausames Verbrechen aufzuklären hat. Einmal sagt Keppler während der Ermittlungen: "Schwarzer Afghane, der muss glimmen." Und das in dem Moment, wo ein anderer Beamter ein paar schwarze Päckchen vor seine Nase hält, die aussehen wie verbranntes Gummi.
Das Haschisch lag im Haus eines deutsch-afghanischen Freundschaftsvereins, das ein Attentäter in Brand gesetzt hat. Die Spur führt auf das benachbarte Grundstück, von wo aus ein Spediteur (Sylvester Groth) Hilfsgüter an den Hindukusch verfrachtet. Auch ein junger afghanischer Student, dessen gesamte Familie bei einem Einsatz der Isaf-Truppen ums Leben gekommen ist, hat kurzzeitig beim Verladen der Güter geholfen. Kann es sein, dass er ein Radikaler geworden ist und das Feuer gelegt hat?
Dandy unter Drogenverdacht
Der Plot von "Schwarzer Afghane" (Buch: Holger Jancke) ist verworren, die erzählerische Zielsetzung erschließt sich nicht wirklich. Die in dem Stoff liegenden Themen wurden in anderen Fernsehkrimis schon pointierter abgehandelt. So lieferte Lars Becker mit seinem Cenk-Batu-"Tatort" die schlüssige Innenansicht einer islamistischen Zelle in Hamburg, und Andreas Kleinert zeichnete in einem nachtschwarzen Kölner Soldaten-"Tatort" nach, wie der Krieg am Hindukusch in Deutschland nachwirkt.
Im Leipziger "Tatort" ist das eine wie das andere Thema nur angedeutet. Was bleibt, ist eine gewisse Atemlosigkeit, die zwar für Atmosphäre sorgt, für die Entfaltung der Handlung aber eher nachteilig ist. Kollegin Eva Saalfeld (Simone Thomalla) darf es diesmal ruhiger angehen, was uns recht sein soll, dafür wird Ermittler Keppler von Regisseur Thomas Jahn ("Knockin' On Heaven's Door") durch die eine oder andere Grenzsituation gejagt.
Das geht schon am Anfang los: Keppler kommt in sommerlich eleganter Dandy-Montur vom Urlaub aus Fernost am Leipziger Flughafen an und wird erst mal ausgiebig vom Zoll auf Drogen gefilzt. In ewig gleicher Schiebermützen-Leinenjacket-Kombi hetzt der Kommissar schließlich zwischen Explosionen und Verfolgungsjagden hin und her. Da braucht man eine starke Lunge.
Gut also, dass Keppler schon lange mit dem Rauchen aufgehört hat. Aber irgendwie auch schade.
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