"Tatort" aus Leipzig: Der Joint, dein Freund und Helfer

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"Tatort" aus Leipzig: Wenn der Schwarze Afghane glimmt Fotos
MDR

Shit, riecht das gut! Kommissar Keppler erschnuppert, dass bei einem Anschlag auf einen deutsch-afghanischen Verein auch ein paar Kilo Haschisch in Rauch aufgegangen sind. Leider wirkt auch der Rest dieses verqueren "Tatort" um Islamisten und Brandbomben etwas bekifft.

Jetzt eine anstecken, das wär's. Hauptkommissar Andreas Keppler (Martin Wuttke) zeigt mehrmals im Laufe des aktuellen Falles diesen sehnsuchtsvollen Blick, den nur ehemalige Raucher und Kiffer draufhaben. Also Leute, die aus gesundheitlichen Gründen oder einfach, weil man das halt so tut in einem gewissen Alter, mit dem Tabak- und Haschisch-Konsum aufgehört haben. Die aber keine Gelegenheit auslassen, sich ein Wölkchen fremdproduzierten Rauchs um die Nase wehen zu lassen. Als Erinnerung an alte entspannte Zeiten.

Solche nostalgischen Momente können leicht mal deplatziert wirken, wenn man ein grausames Verbrechen aufzuklären hat. Einmal sagt Keppler während der Ermittlungen: "Schwarzer Afghane, der muss glimmen." Und das in dem Moment, wo ein anderer Beamter ein paar schwarze Päckchen vor seine Nase hält, die aussehen wie verbranntes Gummi.

Das Haschisch lag im Haus eines deutsch-afghanischen Freundschaftsvereins, das ein Attentäter in Brand gesetzt hat. Die Spur führt auf das benachbarte Grundstück, von wo aus ein Spediteur (Sylvester Groth) Hilfsgüter an den Hindukusch verfrachtet. Auch ein junger afghanischer Student, dessen gesamte Familie bei einem Einsatz der Isaf-Truppen ums Leben gekommen ist, hat kurzzeitig beim Verladen der Güter geholfen. Kann es sein, dass er ein Radikaler geworden ist und das Feuer gelegt hat?

Dandy unter Drogenverdacht

Der Plot von "Schwarzer Afghane" (Buch: Holger Jancke) ist verworren, die erzählerische Zielsetzung erschließt sich nicht wirklich. Die in dem Stoff liegenden Themen wurden in anderen Fernsehkrimis schon pointierter abgehandelt. So lieferte Lars Becker mit seinem Cenk-Batu-"Tatort" die schlüssige Innenansicht einer islamistischen Zelle in Hamburg, und Andreas Kleinert zeichnete in einem nachtschwarzen Kölner Soldaten-"Tatort" nach, wie der Krieg am Hindukusch in Deutschland nachwirkt.

Im Leipziger "Tatort" ist das eine wie das andere Thema nur angedeutet. Was bleibt, ist eine gewisse Atemlosigkeit, die zwar für Atmosphäre sorgt, für die Entfaltung der Handlung aber eher nachteilig ist. Kollegin Eva Saalfeld (Simone Thomalla) darf es diesmal ruhiger angehen, was uns recht sein soll, dafür wird Ermittler Keppler von Regisseur Thomas Jahn ("Knockin' On Heaven's Door") durch die eine oder andere Grenzsituation gejagt.

Das geht schon am Anfang los: Keppler kommt in sommerlich eleganter Dandy-Montur vom Urlaub aus Fernost am Leipziger Flughafen an und wird erst mal ausgiebig vom Zoll auf Drogen gefilzt. In ewig gleicher Schiebermützen-Leinenjacket-Kombi hetzt der Kommissar schließlich zwischen Explosionen und Verfolgungsjagden hin und her. Da braucht man eine starke Lunge.

Gut also, dass Keppler schon lange mit dem Rauchen aufgehört hat. Aber irgendwie auch schade.


"Tatort: Schwarzer Afghane", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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insgesamt 7 Beiträge
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1. + Silikon
SchiffSetzung 15.03.2013
Zitat von sysopShit, riecht das gut! Kommissar Keppler erschnuppert, dass bei einem Anschlag auf einen Deutsch-Afghanischen Verein auch ein paar Kilo Haschisch in Rauch aufgegangen sind. Leider wirkt auch der Rest dieses verqueren "Tatort" um Islamisten und Brandbomben etwas bekifft. "Tatort" aus Leipzig mit Martin Wuttke als Keppler - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/tatort-aus-leipzig-mit-martin-wuttke-als-keppler-a-887545.html)
Das Double der Thomallschen schaue ich ich nicht mehr. Diese aufgespritzte Dame passt nicht in das Kostüm einer Polizistin. Schade...
2. öfter mal was neues
eddiewagner 16.03.2013
aha, eine art vekappter kiffertatort. warum nicht. dem "sehnsuchtsvollen exkifferblick" haben bestimmt viele zuschauer voll drauf. der sonntag wird immer psychedelischer. besser spät als nie.
3. Schön
groooveman85 16.03.2013
Als vor einigen Monaten eine Tatort Komissarin von ihren Kollegen beim Dealer-Mord gedeckt wurde, schien das den wenigsten deutschen Medien kritisierenswert. Wenn aber ein Polizist in einem Tatort in der Lage ist Schwarzen Afghanen zu erkennen, und dabei sogar noch einen "sehnsuchtsvollen Blick" aufsetzt, dann ist das gleich ein Problem oder wie? Ich finde es gut, es zeigt deutlich die gesellschaftliche Realität, dass Cannabiskonsum eben in allen Schichten verbreitet ist, und auch vor Polizeibeamten keinen Halt macht. Moralisch gesehen spricht ja auch nichts dagegen sich ab und an einen Joint zu gönnen, wenn da nicht dieses komische Gesetz wäre...
4. gelungener sonntagabend
steuerschlupf 17.03.2013
Wer diesen Tatort aufgrund der (sich auf Rauchgüter beschränkten) Rezension nicht gesehen hat, hat was verpasst. Gut gemacht Thomas Jahn, noch besser gemacht Wuttke!
5. Nur Rauch...
the_skywalker 17.03.2013
Außer Wuttkes Outfit ein schlapper Tatort. Das der Täter am Ende trotz diverser Patronen intus noch 2 (!) Bomben auslösen kann, hat ja schon slap stick Charakter. In von Meuffels zweiten Fall wurde der gleiche Themenkomplex grandios aufgegriffen. Vielleicht hätte Thomas Jahn lieber auf die Schauspieler von "Knockin' On Heaven's Door" zurückgreifen sollen. Nick hätte es ordentlich knallen lassen…
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Zum Autor
Saima Altunkaya
Christian Buß, Jahrgang 1968, ist Kulturredakteur bei SPIEGEL ONLINE. Seine Kollegen denken, er hat eine Macke, weil er nicht nur gefeierte US-Serien schaut, sondern auch jeden noch so schlechten "Tatort". Doch der TV-Krimi ist für ihn nun mal mehr als ein Täterrätsel - er öffnet ihm ein Fenster in die bundesrepublikanische Wirklichkeit. Wer wissen will, wie das Land tickt, der kommt um den "Tatort" nicht herum.