ARD-Sonntagskrimi Der Weimar-"Tatort" im Schnellcheck

Zitate von Goethe bis Gropius, Ermittlungsarbeit in der Museumsszene und im Rotlichtmilieu: Der Weimarer "Tatort" ist irgendwas zwischen Kunstschnurre und Bordelldrama. Leider nichts Gutes.

MDR/ Wiedemann & Berg

Von


Das Szenario:

Mord und Totschlag zwischen Bauhaus und Laufhaus. Die Ermittlungen zum Mord an einem Milliardär und Kunstsammler, der sich auf Kandinsky und andere Bauhaus-nahe Größen spezialisiert hat, führen Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ins Rotlichtmilieu. Dorn ermittelt bald undercover in ziemlich fadenscheiniger Prostituiertenverkleidung - und sieht sich der Bedrohung eines Zuhälters ausgesetzt.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Möglicherweise wollte man zeigen, wie gefährlich die Arbeitsverhältnisse von Sexarbeiterinnen sind. Bislang hielt sich der Weimarer "Tatort" ja mit gesellschaftspolitischer Sprengkraft zurück, hier nun steuert er auf ein brisantes explosives Ende zu - das dann leider doch völlig verpufft.

Die anrührendste Szene:

Ein Architekt, der darüber entscheiden soll, wo in Weimar das "Goethe-Geomuseum" gebaut werden soll, wird mit der Büste von Bauhaus-Gründer Walter Gropius erschlagen. Letztes zärtliches Wort des sterbenden Bauhaus-Jüngers: "Walter!"

Fotostrecke

11  Bilder
"Tatort" mit Nora Tschirner: Bombe gezündet, Humor begraben

Die abstoßendste Szene:

Polizistin Dorn verkleidet sich als alleinerziehende Unterschichten-Mutter Doreen, um beim Luden "Kalter Fritte" darum zu bitten, für ihn anschaffen gehen zu dürfen. Die Bewerbung eskaliert, ein Handlanger des Zuhälters schreit: "Los Mutti, zeig mal, was du für eine Sau bist!"

Der Plausibilitätsfaktor:

Nicht vorhanden. Der Schwenk vom Bordell-Schwank zum Rotlicht-Schocker misslingt gründlich, der Undercovereinsatz von Dorn wirkt völlig unglaubwürdig, fast zynisch.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten: Nach einigen sehr stilsicheren Krimi-Grotesken aus Weimar verliert sich dieser "Tatort" zwischen Rotlicht-Report, Kulturgeschichts-Rallye und Comedy-Krimi. Da helfen auch die vielen Verweise auf Goethe, Kandinsky und Gropius nicht. Mein Gott, Walter!

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Der kalte Fritte", Sonntag, 20.15, ARD



insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
espressotime 11.02.2018
1.
Der Weimarer Tatort gehört zu den schlechtesten. Die Schauspieler sind in ihrer Rolle kindisch und überhaupt nicht realgetreu.
schlaueralsschlau 11.02.2018
2. @ #1
Wenn ich "realgetreu" will, dann gucke ich kein tv. Ich mag die Tatorte aus Weimar weil ich den Humor mag.
EUtopia 11.02.2018
3. Muss-Termin
4 von 10 Punkten für Weimar, also dringend einschalten! Bisher immer sehr gut unterhalten worden. Und nein, ich brauche nicht zwingend Realität, aber geistreiche und witzige Unterhaltung findet man bei den Leuten aus Weimar.
spon-1239531362287 11.02.2018
4. Weimar-Tatorte stellen hervorstechend gute Ausnahmen dar - Danke!!!
Die Weimar-Tatorte sind - neben den Münster-Varianten - außerordentlich kurzweilig, intelligent und extrem hochwertig - ein wirklicher Genuß, der aus dem "Normal-Tatort-Angebot" wohltuend hervorsticht. Ich bin sicher, sehr viele Zuschauerinnen und Zuschauer sehen das exakt genauso. An dieser Stelle darf ich den Weimer-Tatort-Macherinnen und -Machern herzlich danken !!! und: bitte weiter so !!!
Iggy Rock 11.02.2018
5. Liest sich wie
jeder Verriss des Weimar-Tatorts. Das heisst, man muss ihn wie gewöhnlich unbedingt gucken, wenn man gut unterhalten werden will. Wer Realismus will, ist mit Aktenzeichen XY besser beraten, dafür taugt kein Tatort.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.