ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" aus Wien im Schnellcheck

Säure-Alarm! Dieser Wiener "Tatort" führt in die ekligen Regionen der chemischen Industrie, in der Fair Trade keine Chance hat. Gut gemeint, schlecht gemacht.

ARD

Was ist das Thema?

Gute Chemie, schlechte Chemie: Nach einem tödlichen Unfall in dem Unternehmen Secure Chemical Logistics ermitteln Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) in der Welt der Säuren und Laugen.

Wie blutig ist die neue Folge?

Mäßig blutig - und trotzdem ist dieser "Tatort" nichts für Zartbesaitete. Das Zischen und Schmurgeln, das gefährliche Säuren auf Haut und Fleisch verursachen, entfaltet beim Zuschauer eine unangenehme Wirkung.

Gibt es einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Klar. Die Botschaft: Fair Trade hat keine Chance, in der chemischen Industrie siegt immer das Böse. Eine Haltung, die es zum Nulltarif gibt.

Bester Darsteller

Anian Zöllner als idealistischer Spross einer Chemie-Dynastie, der zwischen Weltbeglückung und Zwangsvorstellung pendelt. Trägt einen Schnurrbart wie Gustl Mollath, dem lange Zeit zu Unrecht im Gefängnis einsitzenden Bayern. Der Schauspieler Zöllner, der eigentlich in jeder Nebenrolle gut ist, bringt eine furiose Ambivalenz in diesen ansonsten recht schlicht geratenen Industrie-"Tatort".

Wien-"Tatort" über Säureunfall
Wer sind die Verantwortlichen?

Regisseur Robert Dornhelm ist ein Veteran des internationalen Film- und Fernsehbetriebs. 1947 in Rumänien geboren, drehte er für das europäische Fernsehen genauso wie für das amerikanische Kino. Etwa den US-Indie-Film "Echo Park" 1986 oder den Euro-Mehrteiler "Krieg und Frieden" 2007. Die Drehbuchautorin Verena Kurth hat zuvor schon die aberwitzige Wiener "Tatort"-Folge "Zwischen den Fronten" geschrieben.

Und: Könn en wir das alles glauben?

Nein, die meisten Figuren bleiben Behauptung, der chemisch-industrielle Komplex ist hier reine Kulisse.

Lohnt das Einschalten?

Nicht wirklich. Auch wenn Neuhauser und Krassnitzer durch so manche schwache Passage tragen - das gewohnte Niveau wird hier leider nicht erreicht.

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Gier", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

cbu



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
chuckal 07.06.2015
1. Flusssäure
ist ja seit Breaking Bad allseits bekannt und beliebt.
Kaffee Wien 07.06.2015
2. Recht solide, aber viel zu behäbig!
Eisner / Fellner sieht man ebenso wie Boerne / Thiel deshalb gern, weil die beiden Marken sind. Daher ist es unverständlich, warum der Beziehung dieser beiden zueinander nicht mehr Raum gegeben wird. Eisner muss kratzbürstiger inszeniert werden. Heute war er quasi nur Staffage. Das geht nicht! Als wohlwollender Unterstützher der Privatlebendarstellung der Kommissare könnte man hier viel mehr machen. Warum kam heute Eisners Tochter überhaupt nicht ins Bild? Warum wurde Fellners Alkoholproblem nicht thematisiert. Bitte, Leute: Bleibt bei Euren Leisten, heißt: Die beiden sind privat und wienerisch grantelnd darzustellen und zu inszenieren!
Rock Strongbow 07.06.2015
3.
Absolut sehenswerter Tatort. Unaufgeregt, wenige Längen, Story mMn schlüssig. Und Adele Neuhauser / Harald Krassnitzer waren eh super wie immer.
movfaltin 07.06.2015
4. Bester Spruch
Vienna goes Ballermann: "Du, diesen Wendler müssen wir unbedingt einmal anschauen."
klararaimund 07.06.2015
5. Unbedingt
Hervorragender Nebendarsteller. Anian Zöllner muss den Vergleich mit Lars Eidinger (Der stille Gast) nicht scheuen. Top.
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