ARD-Sonntagskrimi Der "Tatort" aus Österreich im Schnellcheck

"Outbreak" in Österreich: In der Steiermark wird ein mit Ebola infizierter Afrikaner ermordet aufgefunden, Eisner und Fellner sehen sich mit Seuchenschutz und Abschottungsmaßnahmen konfrontiert.

ARD/ Hubert Mican

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Das Szenario:

Seuchenpanik in der Steiermark. In einem Steinbruch nahe einer Flüchtlingsunterkunft wird ein Afrikaner erschlagen aufgefunden; wie sich herausstellt, trägt er das Ebolavirus in sich. Spezialisten in gelben Schutzanzügen riegeln die Berge ab - und die aus Wien angereisten Kommissare Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) werden mit den schwierigen Fragen des Katastrophenschutzes und den noch schwierigeren der Flüchtlingspolitik konfrontiert.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Zu zeigen, dass der Staat Österreich seine Grenzen so verrammeln kann, wie er will - die Katastrophen einer globalisierten Welt werden dort trotzdem nicht haltmachen.

Das politisch korrekte Lob:

"Ich würde sagen, zwischen Zivilcourage und ein bisschen zivilem Ungehorsam sind die Grenzen ja oft fließend." So erklärt Ermittlerin Fellner mit jovialem Lächeln einem Arzt, der in privater Initiative ein Flüchtlingsheim für Afrikaner ohne Aufenthaltsgenehmigung errichtet hat.

Die politisch unkorrekte Häme:

"Sieht aus wie eine Stellung aus meinem Kamasutra-Buch: der gestürzte Engel. Das ist jetzt eher der glühende Wacholder, ist der Favorit von meiner Frau." Ein Kollege über Fellner und Eisner, die aufgrund mangelnder Leistungen zu Kampfsportübungen verdonnert wurden und sich nun auf der Matte lächerlich ineinander verrenkt haben.

Der Plausibilitätsfaktor:

Mäßig. Der gute Vorsatz der Filmemacher, hier die Dritte Welt in die Erste zu holen versuchen und anhand dieses Szenarios die Verbrechen der Ersten gegenüber der Dritten Welt zu thematisieren, scheitert an ihrer fehlenden Konzentration.

Die Bewertung:

3 von 10 Punkten. Trotz solide inszenierter Seuchen-Action: "Outbreak" in Österreich, diese Rechnung geht hier nicht auf. Zu viele Gags, zu wenig Grimm. Ein etwas holpriger Anlauf in die "Tatort"-Saison 2017/2018.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Virus", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
keiler70 27.08.2017
1. tadelloser Tatort
...wie fast immer von unseren Nachbarn. Herr Krassnitzer muß langsam aufpassen, daß seine Kollegin Neuhauser ihn nicht abhängt. Eine Bitte, liebe Österreicher: Nebengeräusche runter-, Sprache rauffahren; ich kam mir vor wie ein Schwerhöriger!
fatherted98 28.08.2017
2. Botschaft...
...die Botschaft scheint zu sein: Europäer sollen für ihre kapitalistischen Missetaten in Afrika mit den Leben büßen....na bravo....der Vorschlag wird sicher viel Beifall bei IS und Co. finden.
hwmueller 28.08.2017
3. Ausgrenzung pur?
Der Versuch die Fremden fremd zu lassen und uns nicht zugänglich zu machen ist geglückt. Weder Übersetzung noch Untertitel haben weite Teile des Tatort zu einem unverständlichen Parcourlauf werden lassen. Das ist mehr als ärgerlich, zeugt er doch den rassistischen Zug des ÖR. Und der Subtext des Plots: Die Migranten sind wie eine Seuche, die nach der EU schwappen. Widerwertiger Ansatz aber typisch Austria. Unterste Schublade. Und der Böse ist immer der Kapitalist: das erste Verhör mit dem jungen Reus. Rüde wäre zu schwach beschrieben. Ein Tatort mit schlechter Anfängerregie.
permissiveactionlink 28.08.2017
4. Unverantwortliche
Angst- und Panikmache ! Da wird völlig übertriebene Angst provoziert vor Migranten, die als hochinfektiöse lebende Virenbomben ganz Europa bedrohen. Vorsorglich rückt noch das Bundesheer mit einer ABC-Schutz-Einheit an. Absurd. Migranten sind heute aus Westafrika so lange unterwegs nach Europa (Monate !), die würden eine Ebola-Infektion gar nicht mehr lebend zu uns bringen. Die Infektion würde aber zuvor in Nordafrika ausbrechen und sofort internationale Aufmerksamkeit erregen. Ebola-Viren übertragen sich nur durch direkten Körperkontakt zu bereits Erkrankten oder an dieser Infektion Verstorbenen. (Nahezu alle Filoviren sind nicht durch die Luft übertragbar. Einzige Ausnahme bisher : Ebola-Reston). Viele Menschen werden jetzt nach diesem Tatort in ihrer Haltung gegenüber Migranten noch ablehnender und feindseliger. Dabei stellen Flugreisende in der Regel ein wesentlich größeres Risiko dar als Armutsflüchtlinge. (Beispiel SARS. Das ist grade noch mal gut gegangen !) Ein unverantwortlicher, reißerischer Tatort, der nun wieder all jene in Panik versetzt, die sonst nicht einmal zu einer sinnvollen Tetanus- oder Diphtherie-Schutzimpfung zu bewegen sind.
permissiveactionlink 28.08.2017
5. Unverantwortliche
Angst- und Panikmache ! Da wird völlig übertriebene Angst provoziert vor Migranten, die als hochinfektiöse lebende Virenbomben ganz Europa bedrohen. Vorsorglich rückt noch das Bundesheer mit einer ABC-Schutz-Einheit an. Absurd. Migranten sind heute aus Westafrika so lange unterwegs nach Europa (Monate !), die würden eine Ebola-Infektion gar nicht mehr lebend zu uns bringen. Die Infektion würde aber zuvor in Nordafrika ausbrechen und sofort internationale Aufmerksamkeit erregen. Ebola-Viren übertragen sich nur durch direkten Körperkontakt zu bereits Erkrankten oder an dieser Infektion Verstorbenen. (Nahezu alle Filoviren sind nicht durch die Luft übertragbar. Einzige Ausnahme bisher : Ebola-Reston). Viele Menschen werden jetzt nach diesem Tatort in ihrer Haltung gegenüber Migranten noch ablehnender und feindseliger. Dabei stellen Flugreisende in der Regel ein wesentlich größeres Risiko dar als Armutsflüchtlinge. (Beispiel SARS. Das ist grade noch mal gut gegangen !) Ein unverantwortlicher, reißerischer Tatort, der nun wieder all jene in Panik versetzt, die sonst nicht einmal zu einer sinnvollen Tetanus- oder Diphtherie-Schutzimpfung zu bewegen sind.
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