ARD-Sonntagskrimi Der neue Lindholm-"Tatort" im Schnellcheck

Von Fleisch-Baronen und anderen Schweinen: Kommissarin Charlotte Lindholm ermittelt in einer Wurstfabrik. Ein "Tatort" über die Billigfleischbeglückung der Massen.

ARD

Was ist das Thema?

Glück und Leid eines Schweinelebens. In Niedersachsens Schweinegürtel wurde ein Attentat auf einen Fleisch-Baron (Heino Ferch) verübt, sein Fahrer kam ums Leben. Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler) lernt bei ihren Ermittlungen, wodurch die Herstellung einer Wurst billiger und das Leben eines Schweins schöner wird.

Wie blutig ist die neue Folge?

Wie gesagt: Hier geht es um Fleischherstellung. Blutpfützen sind unvermeidlich. Allerdings gehen die Filmemacher mit Schockmomenten zum Thema Schlachten klug und sparsam um. Dieser "Tatort" wird medium rare serviert.

Gibt es einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Selbstverständlich. Einmal sagt der Fleisch-Baron: "Unsere Gesellschaft besteht aus zwei Teilen. Aus denen, die gut essen und aus denen, die billig essen. Ich mache billiges Fleisch und billige Wurst." Dass günstig in diesem Fall das Gegenteil von korrekt ist, liegt auf der Hand.

Bester Spruch:

Gute Sprüche gibt es in diesem grimmigen, aber auch komischen "Tatort" einige. Zum Beispiel:

"So viel Leute, wie dem hintenrein kriechen wollen, der braucht ein Arschloch groß wie die Elbphilarmonie." Sagt ein Bauer, der vom Fleisch-Baron verdrängt wurde und nun dessen Machtstellung beschreibt.

Oder auch:

"Der Asiat knubbert gerne an Schweineschnäuzchen und Schweinefüßchen. Das ganze Fett schicken wir nach Afrika, weil der Schwarze liebt den deutschen Schweinebraten." So spricht die Mutter des Fleisch-Barons. Leicht senil - und doch grausam wahr. So funktioniert das Fleischerhandwerk in Zeiten der Globalisierung.

Wer ist der Regisseur?

Autor und Regisseur Alexander Adolph hat zuvor den schon legendären Münchner Gisbert-"Tatort" mit Fabian Hinrichs gedreht sowie den Mahler-"Polizeiruf" mit Matthias Brandt. Ein Mann, der gekonnt Schock und Melancholie zusammenbringt.

Bester Auftritt?

Bibiana Beglau als flatterhafte Hilfsermittlerin vor Ort, die stets das Richtige im falschen Moment tut. Oder umgekehrt. Eine weitere grandiose Sidekick-Figur aus der Feder Alexander Adolphs - von der manchmal fast schon zu grandiosen Theater-Diva Beglau angenehm und ungewohnt leise gespielt.

Und: Können wir das alles glauben?

Ja, es ist viel Wahres dran an dieser Geschichte über die riskante Billigfleischbeglückung der Massen.

Lohnt das Einschalten?

Auf jeden Fall. Schon deshalb, weil es inzwischen ja nur noch einen Lindholm-"Tatort" im Jahr gibt.

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Der sanfte Tod", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Arno Frank kommentiert für uns den "Tatort" am Sonntag live auf Twitter.

cbu



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tadamtadam 07.12.2014
1. ach ja...
... die moral von der geschicht: leute, die fleisch essen und produzieren, schubsen auch kleine kinder vom nachttopf und sind grundsolide unsympathen. der mord ist aber - wie eigentlich eh immer - eine beziehungstat. schnarch....
DerNachfrager 07.12.2014
2. Lohnt sich das Enschalten ?
"Auf jeden Fall. Schon deshalb, weil es inzwischen ja nur noch einen Lindholm-"Tatort" im Jahr gibt." Das stimmt. Kurz nach dem Einschalten weiß man diese Tatsache zu schätzen.
kleineEiszeit 07.12.2014
3. so, Tatort läuft
und wie immer lohnt sich das Einschalten nicht: schlecht erzählt, schlechte Schnitte, der nervige politische Fingerwink mit dem Zaunpfahl und die regulären, gleichsam überaus nervtötende Nebenhandlung auf der Ermittlerseite. Würde diese Nebenkriegsschauplätze vermieden werden, bliebe auch mehr Zeit, die Story besser zu erzählen. Nach 45 min wurde noch nicht einmal der ernsthafte Versuch unternommen zu ermitteln. Unterirdisch. Selbst der wie immer grandiose Ferch kann dieses Filmchen nicht mehr retten. Der Polizeiruf wird um Welten besser erzählt. Regelmäßig.
blauervogel 07.12.2014
4. Schöne prüde Norddeutsche?
So mache ich das auch immer, wenn ich unter der Dusche das Telefon höre. Zuerst mal krampfhaft das Handtuch über die Brust und dann ans Telefon. Die Geschichte ist so spannend wie Niedersachsen gebirgig. aber immerhin ist Fr. Furtwängler sehr attraktiv. Das macht Hoffnung.
DerNorddeutsche 07.12.2014
5. Werte und Normen
Ich fühle mich in die 8. Klasse versetzt. "Religion" oder "Werte und Normen" Unterricht .... . Ich habe es damals gehasst und ich hasse es heute. Ich will Sonntag Abends eine Krimi gucken und nicht belehrt werden. Ich bin erwachsen genug, selber zu entscheiden, was ich esse und wie ich lebe. Dazu brauche ich keinen Tatort. Demnächst gucke ich das Format nicht mehr! Kriege ich dann auch meine Gebühren zurück? ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.