ARD-Sonntagskrimi Der Bremen-"Tatort" im Schnellcheck

Vampire in Bremen - lächerlich! Einer Leiche wurde drei Liter Blut abgesaugt, die "Tatort"-Ermittler sind skeptisch, am Ende holen auch sie den Holzpflock raus. Psychologischer Realismus mit hoher Suggestivkraft.

Radio Bremen/ Christine Schröder

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Das Szenario:

Blutrausch in Bremen. Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) werden mit einem Mordopfer konfrontiert, das durch einen Menschenbiss gestorben ist und drei Liter Blut verloren hat. Während die Ermittler anfänglich noch mit ironischer Distanz, später mit echtem Schauder Vampirliteratur studieren, lernt das Publikum die junge Nora (Lilith Stangenberg) kennen, die von ihrem Vater mit Menschenblut- und Rinderblutkonserven ernährt wird.

Der Clou:

Am Anfang sehen wir, wie drei junge Frauen einen Horrorfilm schauen und bei Popcorn und Bier über dessen Schockeffekte lästern. Das Ding haben sie für 99 Cent bei einem Video-on-Demand-Anbieter abgerufen. Aber warum streamen, wenn man Gebühren zahlt? Der deutsche Krimiklassiker "Tatort" wird für diese Folge zum gehobenen Popcorn-Fernsehen für die junge Zielgruppe.

Das Bild:

Ein Frauenhals in Nahaufnahme, in dessen Venen das Blut zu pulsieren und zu pochen scheint. Kommissar Stedefreund zeigt Anzeichen, selbst zu einem Vampir zu werden, und bei einer Untersuchung im Krankenhaus übt die Krankenschwester eine verstörende Wirkung auf ihn aus.

Der Spruch:

"Ich hatte schon abgebissene Nasen, Finger, Penisse. Einmal hat ein Mädchen vom Straßenstrich an der Cuxhavener Straße einem anderen sogar die Brust abgebissen. Aber das hier, das ist schon an der Grenze dessen, wozu ein Mensch fähig ist." Das gesamte Grauen dieses "Tatort" in den Worten der Rechtsmedizinerin.

Der Song:

"Raining blood" von Slayer. Der Thrash-Metal-Klassiker aus dem Jahr 1986 beginnt mit den Worten: "Trapped in purgatory / A lifeless object, alive". Ein anrührend gebrülltes Lamento, das den Gefühlszustand beschreibt, in dem sich die weibliche Hauptperson in diesem "Tatort" befindet: gefangen in der Hölle, auf ewig allein, auf ewig am Leben.

Die Bewertung

9 von 10 Punkten. Dieser Blutsaugerkrimi, der einerseits lustvoll die Klaviatur des fantastischen Schreckens spielt und andererseits die Geschichte subtil im Rahmen des psychologischen Realismus hält, entwickelt eine tolle Suggestivkraft. Am Ende kann man sogar verstehen, dass der aufgebrachte Stedefreund einen Besenstil zerbricht, um ihn zum Pflock für die Vampirjagd umzufunktionieren. Die Vampire sind unter uns!

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Blut", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
herr_k 28.10.2018
1. Den Musiklink...
sollten Sie mal nachbessern. Ich nehme an, Sie meinen tatsächlich die trashingen Slayer und nicht die folkige Suzanne Vega. Zu ihr und ihrem lieblichen "Blood Sings" führt der Link.
sw-grisu 28.10.2018
2. Läuft gerade (noch)
Meine Wertung: 0 von 10 Punkten. Könnte man Minuspunkte vergeben würde ich auch die maximalen vergeben. So ein Schrott läuft sonst nur auf RTL2 und Co
kgglage 28.10.2018
3. Schlimmer geht nimmer
Bescheuerter geht's wohl nicht.Aber wenn in diesem Käseblatt schon 9 von 10 Punkten steht.
headsign 28.10.2018
4. Gähn...
Ich habe schon einige peinliche Vampirklamotten gesehen, aber die hier schießt den Vogel ab. Schlechtes Tempo, peinliche Dialoge, hölzerne Spielweise das Ganze in einer suggestiven Vampir-Hokuspokus-Athmosphäre. Man erwartet natürlich, dass am Ende die Masken fallen, wie bei Scoobi-doo. Aber nein, wieder mal wurde anscheinend der 'Schritt weiter' in den Abgrund gewagt, um der eintöniger Langeweile allsonntagabendlichen Krimis entgegenzuwirken. Sind die Dialoge diesmal vielleicht improvisiert. oder hat man zur Abwechslung diesmal das Filmen einem trainierten Schimpansen überlassen? Nein. Dracula und Konsorten sind diesmal der Plot und zwar so ziemlich der Komplette. Ich habe bis 1/4 Stunde vor Ende durchgehalten aber es wurde und wurde nicht besser. Gruselmusik, Weitwinkelaufnahmen, Dunkelheit Bluuut. Happy Halloween. Buuuh!
pepe.le.moko 28.10.2018
5.
Na ja, ein ernsthafter Krimi so mit R-uber und Schandi wie aus Münster oder mit den Grauen Wölfen aus München war das nicht. Offenbar musste es aus aktuellem Anlass eine Halloween-Klamotte sein. Dafür war es gar nicht schlecht gemacht.
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