ARD-Sonntagskrimi Der Bremen-Tatort im Schnellcheck

Eine Frau düst auf Rollerblades zu Motivationsseminaren, der Kommissar ist hingerissen: Der "Tatort" als lustvoll überreizter Karrieretrip in die schwindelerregenden Höhen der Selbst- und Fremdmanipulation.

RB/ Michael Ihle

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Das Szenario:

Selbstoptimierung bis der Arzt kommt. Über Bremen verteilt werden die Leichenteile eines Pharmamanagers gefunden, der sich schon vor Monaten wegen Burn-outs von Firma und Familie verabschiedet hatte. Durch die Stadt düst auf Rollerblades eine Karrierefrau (Nadeshda Brennicke), die Motivationsseminare hält und Manipulationsattacken vornimmt. An dem Mordfall sitzt auch die geniale BKA-Profilerin Inga Selb (Luise Wolfram), die mit unaufhaltsam schnurrender Logik die Fakten zusammenträgt. Instinktmensch Stedefreund (Oliver Mommsen) gerät zwischen den weiblichen Effizienzmaschinen vollends ins Hintertreffen.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Hier geht es um die Frage, wie weit wir es mit unserer Selbstoptimierung treiben können. Ein lustvoll überreizter Karrieretrip in die schwindelnden Höhen der Selbst- und Fremdmanipulation, der die Frage aufwirft, ob Frauen die besseren Karrieristen sind. Während die Männer hier unter Burn-out leiden und sich umständlich ihrem Beziehungsstress hingeben, wissen die Frauen immer ganz genau, was sie wollen.

Die bittere Wahrheit:

"Sie wollten auch mal mehr als dies hier, oder?" So führt die attraktive Businessfrau dem Beamten-Popanz Stedefreund mit frivoler Fadesse seine Piefigkeit vor Augen. Überheblichkeit und Ehrgeiz zum Niederknien.

Das schöne Bekenntnis:

"Tupac ist kein Scheiß!" Sagt die irre schlaue BKA-Frau Lenz wie aus der Pistole geschossen, als ein von ihr verhörter Vater seine Hip-Hop hörende Tochter anschreit: "Lotte, kannst du mal den Scheiß ausmachen!" Die Profilerin funktioniert wie ein Taschenrechner und kennt den real shit. Auch bei ihr gilt: zum Niederknien.

Der Plausibilitätsfaktor:

Gering. Aber hier geht es ja auch nicht darum, ein möglich reales Abbild hocheffizienter und hochbeschleunigter Arbeitswelten zu schaffen, sondern lustvoll zum Kern des modernen Effizienzdenkens vorzustoßen.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Ein Karrieristinnen-Psychogramm mit kleinen dramaturgischen Fehlern, das aber zum Glück frei ist von ödem aktuellem Achtsamkeitssprech und sich lustvoll den irre klugen Frauen unterwirft, die hier porträtiert werden.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Zurück ins Licht", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
liwe 22.10.2017
1.
7 von 10 Punkten? Sind Sie sicher, dass Sie den Tatort gesehen haben? Bis jetzt reihen sich schlechte Sexszenen und noch schlechtere Psychoszenen aneinander... Es ist nicht auszuhalten!
lupo62 22.10.2017
2.
Nach einer Dreiviertelstunde hätte ich einige Wünsche: 1. Eine gradliniegere Handlung mit einfacheren Charakteren. Banküberfall oder so was. 2. Polizisten ohne chaotische Beziehungen, die ganz einfach nur ihren Fall lösen. 3. Nicht ganz so viele total taffe Frauen, die Hälfte würde reichen. 4. Eine etwas dezentere Kameraführung, wenn Leichen oder Teile davon gefunden werden. 1-4 ist aber heutzutage offenbar nicht mehr drin. Wer in aller Welt mag den Anblck abgetrennter Daumen?
demokritos2016, 22.10.2017
3. nach 30 Minuten ausgeschaltet...
Nach 30 Minuten ausgeschaltet und eine Stunde Lebensqualität gewonnen.
mat76 22.10.2017
4.
War klar, dass dieser Tatort polarisiert. Ich fand ihn super, eben genau weil er nicht gradlinieg und damit langweilig war, sondern spannend, exentrisch
ganzneudabei 22.10.2017
5. Falscher Name
Könnte der Autor bitte mal der Inga Selb den richtigen Vornamen Linda verpassen?
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