ARD-Sonntagskrimi Der Schwarzwald-"Tatort" im Schnellcheck

Zwischen Sägewerk, Biobauernhof und Waffenschmiede: Der erste "Tatort" mit dem neuen Ermittlerteam um Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner stößt direkt ins dunkle Herz des Schwarzwalds vor.

SWR/ Alexander Kluge

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Das Szenario:

Holz verarbeiten, Obstler brennen, Gewehre bauen. Im Schwarzwald wirken traditionelles Handwerk und deutsche Wertarbeit fatal zusammen: Ein Kind wurde durch einen Schuss ins Herz getötet - mit einer Waffe, die in der Region hergestellt wurde, ein anderes Kind gilt als vermisst. Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) und ihr Kollege Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ermitteln zwischen Sägewerk, Biobauernhof und einer Waffenschmiede, die ziemlich deutlich an die reale Firma Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar erinnert.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Zu zeigen, dass man vor den Grausamkeiten einer globalisierten Welt samt militärisch-industriellem Komplex auch im idyllischen Schwarzwald keinen Schutz findet. Die Waffen, durch die in Kriegen in aller Welt Unschuldige sterben, werden hier produziert. Die Ermittlungen in diesem etwas anderen Heimatkrimi ziehen sich - denn die große Politik schützt das deutsche Handwerk. Auch und vor allem das deutsche Waffenbauerhandwerk.

Die zärtlichste Szene:

Der Kommissar versucht den Chef der Waffenschmiede in ein Gespräch zu verstricken, überfällt ihn in seiner Villa, wo er gerade liebevoll mit seinen drei Kindern im Kinderzimmer rumtollt. Wohlfeile, aber wahre Erkenntnis: Auch Waffenproduzenten sind am Ende nur liebende Eltern.

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10  Bilder
Neues "Tatort"-Revier: Wald der Waffen

Die aggressivste Szene:

Der Vater des toten Kindes richtet all seine Wut und Verzweiflung gegen die befreundeten Eltern, deren Kinder am Leben geblieben sind. Grausam, aber unbestreitbar: Der Tod eines Einzelnen kann eine stabil geglaubte Solidargemeinschaft zum Kippen bringen.

Der Plausibilitätsfaktor:

Hoch. Der Erosionsprozess des kleinen alternativen Familienzusammenschlusses wird sehr glaubhaft inszeniert und gespielt, die knorrige Schwarzwaldkulisse ist dazu stimmungsvoll ins Bild gesetzt.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Ein starker erster Fall für das neue "Tatort"-Revier im äußersten Südwesten von Deutschland, der ohne jeden Auftaktfirlefanz ins dunkle Herz des Schwarzwalds vorstößt. Die Dreharbeiten zu einem zweiten Fall sollen in wenigen Tagen beginnen, gut so.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Goldbach", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
peeka(neu) 01.10.2017
1. Oh
Ist Volker Kauder (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-06/volker-kauder-g36-heckler-und-koch) nicht gerade wiedergewählt worden? Na - ist ja bestimmt "nur" ein Krimi.
spon-1292345938400 01.10.2017
2. Schwäbisch sprechender Kommissar
In einer Vorschau sprach der Kommissar aus Freiburg schwäbisch FREIBURG LIEGT NICHT IN SCHWABEN Das sollte auch beim Tatortteam bekannt sein.
Johe1 01.10.2017
3. Kein Dialekt.. schade!
Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas: Kein Dialekt - schade! Tatort lebt auch von Regionalität?
legeipsred 01.10.2017
4.
hat so vielversprechend angefangen, jetzt wieder pupi-drehbuch ausm krimi-lehrbuch, so "werde vom minister zitiert". schauspiel aber ok.
josefinebutzenmacher 01.10.2017
5. @ #3 spon- irgendwas...
Jaja, sogar die Realität ist falsch. Hier in München gibt es Leute, die sächsisch, Hessisch, französisch, Türkisch, englisch, ... sprechen. Dabei weiß doch jeder, dass München in Bayern liegt und ergo bairisch gesprochen wird.
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