ARD-Sonntagskrimi Der Dresden-"Tatort" im Schnellcheck

Schon mal das Kleingedruckte in Ihren Versicherungspolicen gelesen? Ein Comedy-"Tatort" aus Dresden will Wahnsinn und Verbrechen in der Branche zeigen.

MDR/ Wiedemann & Berg/ Gordon Mueh

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Das Szenario:

Zwischen den Schreibtischen tobt der Krieg, vor dem Büro demonstrieren die Opfer. Nach dem Mord an einem Versicherungsmanager ermitteln Sieland (Alwara Höfels), Gorniak (Karin Hanczewski) und Schnabel (Martin Brambach) in einem Konzern, in dem Missmanagement und Mobbing mörderisch zusammenspielen. Unfallopfer werden systematisch hintergangen, mit bedenklichen Gutachten wird ihnen die Auszahlung der Versicherungssumme vorenthalten. Böse, böse Versicherungsbranche!

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Schon mal das Kleingedruckte in Ihren Versicherungspolicen gelesen? Dieser "Tatort" will komödiantisch - vielleicht zu komödiantisch - über Abzocke, Missmanagement und Größenwahn in einem der größten und einflussreichsten Wirtschaftszweigen des Landes berichten.

Größter Auftritt:

Arnd Klawitter als Versicherungs-Hallodri. Für jeden kritischen Kommentar hat der mordverdächtige Bereichsleiter eine Schlaumeierantwort, die sich am Ende doch nur gegen ihn selbst richtet. Borniertheit bis Selbstvernichtung. Klawitter hat schon oft mit solch trocken überreizten Auftritten mäßige "Tatorte" gerettet. Unvergessen sein Part im Til-Schweiger-Helene-Fischer-"Tatort" , wo er als zugekokster Wiedergänger des rechtspopulistischen Politikers Ronald Schill den bösen Lurch gab.

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Kleinster Auftritt:

Alexander Schubert als, nun ja, Versicherungs-Hallodri. Der aus der "heute show" bekannte Brachialkomiker ("Außenreporter Albrecht Humboldt") agiert mal wieder an der Schmerzgrenze, sein Spiel als Overacting zu beschreiben wäre eine Untertreibung, er ist hier die Parodie einer Parodie eines Konzernarschlochs und droht so die Reste an Realitätsgehalt aus der sowieso schon übergeigten Handlung zu verspielen. Er wird, puh, gleich am Anfang aus der Handlung gemordet.

Der Plausibilitätsfaktor:

Bescheiden. Sehr bescheiden. Hier reiht sich Abziehbild an Abziehbild, der Krimi-Plot ist ziemlich zusammengehämmert.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten. Am Drehbuch war Ralf Husmann beteiligt. Wenn man etwas über den strukturellen und kriminellen Irrsinn der Versicherungsbranche erfahren will, sollte man lieber noch mal ein paar alte Folgen von Husmanns "Stromberg" gucken. Unterhaltsamer sind die auch.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Auge um Auge", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
fiktiv 12.11.2017
1. 9mm
Also bisher ganz unterhaltsam. Aber eine 9mm als Tatwaffe zu ermitteln. Bitte?! Der Schütze hat aus mind. 150m geschossen.
peter_rot 12.11.2017
2. Endlich mal ein guter Tatort
Es gilt die alte Regel SPON Beurteilung gut - schlechter Tatort, SPON Beurteilung schlecht - guter Tatort. Ich fand die Folge gut, da war Humor, da war Reality (Versicherungen sind tatsächlich nicht dazu da Geld an die potentiellen Kunden zu verteilen, sondern das Ziel ist die Rendite oder den Aktienkurs zu erhöhen). Das Team stimmt. Die Privatangelegenheiten halten sich in Grenzen. Das Rauchen hätte zwar nicht sein müssen, aber insgesamt ein unterhaltsamer Film.
a-baer 12.11.2017
3. Ich fand den nicht schlecht...
Ich gehe tatsächlich mittlerweile auch nach der Methode vor: SPON Beurteilung gut - schlechter Tatort, SPON Beurteilung schlecht - guter Tatort. So war's auch hier wieder. Den Plot fand ich überhaupt nicht unrealistisch und nur wenig überzeichnet. Einerseits sind Fälle über erschlichene Versicherungsleistungen relativ häufig in der lokalen Presse und umgekehrt habe ich schon selbst und im Bekanntenkreis mehrfach erlebt, dass Versicherungen relativ unverfroren Leistungen ablehnen und erst durch massiven juristischen Einsatz auf den Pfad der Tugend zurückkommen. Das menschliche Zusammenspiel der zwei Kommissarinnen untereinander und mit ihrem Chef ist auch differenziert und humorvoll. 7 Punkte.
Augustusrex 12.11.2017
4. Vielleicht nicht
Vielleicht nicht das absolute Highlight, jedoch wesentlich angenehmer anzusehen als vieles was da in letzter Zeit kam.
Fritz.A.Brause 13.11.2017
5. Ich sehe...
...Martin Brambach und weiss, dass ich keinen Tatort aus Dresden schauen werde, solange er dort im Einsatz ist. Erstens: Egal wo man hinschaut, er spielt immer denselben Charakter. Zweitens: Seit seiner Rolle beim KDD ist er für mich endgültig zum "Kassengift" geworden.
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