ARD-Sonntagskrimi Der Dresden-"Tatort" im Schnellcheck

Wie lebt der pädophile Nachbar? Der "Tatort" nähert sich in aufwühlender und herausfordernder Weise einem brisanten Thema. Ein gelungener Krimi-Neustart in Dresden.

MDR/ Wiedemann & Berg

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Das Szenario:

Die Eltern in Dresden sind in Aufruhr, die Polizei ist im Ausnahmezustand. Ein Junge wurde missbraucht und ertränkt und dann am Elbufer abgelegt. Während der sichtlich mitgenommene Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) über Sinn und Unsinn von Gesetzen und Bürokratie bei der Jagd nach Pädo-Kriminellen nachdenkt, versucht der Täter mit seiner Lebenspartnerin, einer jungen Lehrerin, ein ganz normales bürgerliches Leben zu führen. Unser Nachbar, der Pädophile.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Den Blick zu schärfen für alle Facetten des Themas Pädophilie. Einerseits wird die Problematik der Forderung nach härteren Gesetzen aufgezeigt, andererseits kommt der Zuschauer dem Pädo-Verbrecher ganz nahe. Nichts für Leute, die schnelle, kompakte Antworten wollen.

Die bittere Erkenntnis:

Am Fundort der Kinderleiche haben sich Schaulustige eingefunden, die auf ihren Handys Fotos machen. Sagt die eine Ermittlerin: "Widerlich. Wann sind die Leute so krank geworden?" Entgegnet die andere Ermittlerin: "Die waren schon immer so. Nur früher gab es noch keine Handys." Was für ein differenzierter Blick in angespannter Situation.

Die blamable Frage:

Der Kommissariatsleiter schaut bei den Opfereltern vorbei. In seiner Aufgewühltheit fragt er die beiden: "Haben Sie bei irgendwem ein ungutes Bauchgefühl?" Ein Aufruf zur Falschbeschuldigung. Was für ein indifferenter Satz in angespannter Situation.

Der Plausibilitätsfaktor:

Relativ hoch. Dieser "Tatort" beleuchtet das Pädo-Verbrechen aus verschiedenen Perspektiven - man ist in gleichem Maße nah an Opfer, Täter und überfordertem Beamten dran. Alle Figuren werden glaubhaft gespielt. Zum Teil grausam glaubhaft.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Am Ende wird der Spannungsbogen arg überreizt, trotzdem bleibt man dran. Nach dem Chaos, das die vergangenen zwei Jahre beim Dresden-"Tatort" geherrscht hat, endlich ein konsequent ernsthafter Krimi.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Déjà-vu": Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
lordofaiur 28.01.2018
1. Dresden
Der Tatort aus Dresden war bislang gruselig. Heute bekommt er von mir die letzte Chance.
DJ Doena 28.01.2018
2.
Ich dachte, die blonde Kommissarin sei ausgestiegen? Oder war das ihr letzter?
susanneuser 28.01.2018
3. Unter die Haut gehend
Nach längerer Zeit habe ich mal wieder einen Tatort gesehen. Dieser ging wirklich unter die Haut und da sitzt er grad ziemlich fest. Das Thema wurde bittertraurig umgesetzt.
idee342 28.01.2018
4. Guter Tatort
Meiner Meinung nach ein überdurchschnittlicher Tatort: Realitätsnah, Spannung und nicht zu viel Action sowie politische Meinungen. Ich muss aber auch gestehen, dass ich die Rolle des Kommissars Schnabel sehr unterhaltsam finde. Diese kam heute aber nicht übermäßig zur Geltung und trotzdem fand ich den Tatort gut.
freund*schnürschuh 28.01.2018
5. Geht doch
Da hat der DD-Tatort doch noch die Kurve bekommen. Spannend erzählt und ein bestens besetztes Casting. Es bleibt zu hoffen, dass Alwara Höfels dem ganzen treu bleibt! Zwei Daumen hoch!
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