ARD-Sonntagskrimi Der Franken-"Tatort" im Schnellcheck

"Der Ring des Nibelungen" trifft "Das Schweigen der Lämmer": Die fränkischen "Tatort"-Ermittler jagen während der Wagner-Festspiele in Bayreuth einem Killer hinterher.

BR/ Hendrik Heiden

Von


Das Szenario:

Große Rache-Oper auf dem Grünen Hügel: Während "Die Walküre" aufgeführt wird, erschießt ein bis dahin unscheinbarer Anwalt im Stundentakt Menschen. Die Blutspur führt ins Festspielhaus, wo Kommissarin Ringelhahn (Dagmar Menzel) den Täter kurz vor dessen dritten Mord mit einem Schuss tötet. Doch wie sie und Kollege Voss (Fabian Hinrichs) feststellen müssen, ist die Rettung in letzter Sekunde nur der Auftakt zu einem viel perfideren Mörderspiel.

Der Clou:

"Der Ring des Nibelungen" trifft "Das Schweigen der Lämmer" - dieserambitioniert konstruierte Rache-Oper versucht beides zusammenzubringen. Der Mordversuch im Festspielhaus findet zum Arien-Anfang statt: "Ein fremder Mann, ihn muss ich fragen." Und so wie Brünnhilde in "Die Walküre" Siegmund verkündet, dass er sterben werde, gibt es auch in diesem "Tatort" eine "Todesverkündung". Sie wird von einem rachsüchtigen Mörder ausgesprochen, der gefesselt ist wie einst Hannibal Lecter in der Sicherheitsverwahrung.

Das Bild:

Ein verwaistes, verrumpeltes, düsteres Eigenheim. Die Taschenlampe der Polizei leuchten in ein Zimmer und zu sehen ist: verschlossene Pampers-Tüten, traurige Kuscheltiere, ein einsam wackelndes Mobile mit Schäfchen über einem leeren Gitterbettchen. Hier streifen die Ermittler durch die Ruine eines Eigenheimtraums, in dem böse Rachegedanken ersponnen wurden.

Der Spruch:

"Bevor du fragst: Mir geht es gut. Ein Tag wie jeder andere." Ringelhahn tut cool, als sie Voss auf den Todesschuss anspricht. Alles nur Fassade, natürlich.

Die Musik:

"Die Walküre - Erster Aufzug" Die Oper, während der im Festspielsaal der tödliche Schuss fällt - und der Fall eine ganz neue Richtung nimmt.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. An die Virtuosität der Schweizer "Tatort"-Folge "Die Musik stirbt zuletzt", die in einer Einstellung während einer Konzertvorstellung aufgenommen wurde, kommt der Wagner-"Tatort" nicht heran, auch weil zu viele umständliche Erklärszenen der furiosen Rache-Oper die Fahrt rausnehmen. Aber wie der deutsche Mythenschatz und das US-Thrillerkino zusammengebracht werden, das macht schon Laune.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Ein Tag wie jeder andere", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
ambulans 24.02.2019
1. das
problem liegt hier wahrscheinlich in der wahl des themas und des dazugehörigen tatortes/ambientes: bayreuth ist für sowas schlichtweg unbrauchbar/unspielbar, weil - dieser österreicher (a.h.) hat mit seiner wahnhaften wagner-annäherungssucht an wagner und bayreuth jeder (auch zukünftiger) herangehensweise für alle zeiten jeden boden unter den füßen weggezogen; pech für bayreuth (schlingensief, meese, beliebige andere krawallmacher, etc. konnten und können daran nichts ändern). magenza locuta causa finita ...
odenkirchener 24.02.2019
2. Egal,
ich hab heute Abend Zugriff auf'n flottes stabiles iNet. Die zwei sehe' ich gerne zu. Gute Leute. Da fühl ich mich eigentlich immer ganz gut unterhalten. . .
Dramaturgen-Frau 24.02.2019
3. Ich wünschte mir für die Figur Voss...
... mehr Privates, z.B. eine (unglückliche) Liebe oder einen One-Night-Stand mit viel oder immer mal wieder Alkohol. Dass nun die alternde Co-Kommissarin für die pathogenen Psychostrukturen benutzt wird in dem Duo, ist wahrscheinlich der ARD-pc geschuldet, ist aber letztlich eben sehr unerotisch. Da könnte man mehr draus machen. Ob nun mit diesem Tatort jene Schwedenkrimiliebhaber, die gern in Blutmatsch waten und Kellerfolter etc. goutieren, gut bedient sein werden, ist fast zu befürchten nach dem, was die Kritik ausbreitet. Sowas ist anachronistisch und wird zu keinem Erfolg im Jahre 2019 führen. Daher wäre mehr Blick in die Privatheit des Kommissars Voss eine schöne, vielleicht sogar dominierende Nebenhandlung, die wie bei Matthias Brandt alias Hanns von Meuffels im P110 die Lust des begleitenden Blicks des Zuschauers im Ablauf des Fernsehfilms veredeln würde.
matteo51 24.02.2019
4.
Zitat von Dramaturgen-Frau... mehr Privates, z.B. eine (unglückliche) Liebe oder einen One-Night-Stand mit viel oder immer mal wieder Alkohol. Dass nun die alternde Co-Kommissarin für die pathogenen Psychostrukturen benutzt wird in dem Duo, ist wahrscheinlich der ARD-pc geschuldet, ist aber letztlich eben sehr unerotisch. Da könnte man mehr draus machen. Ob nun mit diesem Tatort jene Schwedenkrimiliebhaber, die gern in Blutmatsch waten und Kellerfolter etc. goutieren, gut bedient sein werden, ist fast zu befürchten nach dem, was die Kritik ausbreitet. Sowas ist anachronistisch und wird zu keinem Erfolg im Jahre 2019 führen. Daher wäre mehr Blick in die Privatheit des Kommissars Voss eine schöne, vielleicht sogar dominierende Nebenhandlung, die wie bei Matthias Brandt alias Hanns von Meuffels im P110 die Lust des begleitenden Blicks des Zuschauers im Ablauf des Fernsehfilms veredeln würde.
Hoppla - wenn ich das lese....eine super Idee, die könnte man doch mal konkret aufnehmen...obwohl mir es gut gefällt, dass auch die "alternde Co-Kommissarin" eine amgekratzte Seele hat...wie wir alle und wie viele Frauen in dem Alter. Gell.
mentor54 24.02.2019
5.
Zitat von Dramaturgen-Frau... mehr Privates, z.B. eine (unglückliche) Liebe oder einen One-Night-Stand mit viel oder immer mal wieder Alkohol. Dass nun die alternde Co-Kommissarin für die pathogenen Psychostrukturen benutzt wird in dem Duo, ist wahrscheinlich der ARD-pc geschuldet, ist aber letztlich eben sehr unerotisch. Da könnte man mehr draus machen. Ob nun mit diesem Tatort jene Schwedenkrimiliebhaber, die gern in Blutmatsch waten und Kellerfolter etc. goutieren, gut bedient sein werden, ist fast zu befürchten nach dem, was die Kritik ausbreitet. Sowas ist anachronistisch und wird zu keinem Erfolg im Jahre 2019 führen. Daher wäre mehr Blick in die Privatheit des Kommissars Voss eine schöne, vielleicht sogar dominierende Nebenhandlung, die wie bei Matthias Brandt alias Hanns von Meuffels im P110 die Lust des begleitenden Blicks des Zuschauers im Ablauf des Fernsehfilms veredeln würde.
Also ich wäre froh, wenn es noch Krimis gäbe, in welchen die Protagonisten nicht irgendwie traumatisiert oder emotional gestört wären und per Flashbacks gegen ihre eigenen Psychomacken ankämpften (es sei denn, es ist so amüsant, originell und selbstironisch gemacht wie bei "Monk"), sondern sich auf ihre Ermittlungsarbeit konzentrierten. Ich weiß, das soll die Charaktere psychologisch "interessant", "ambivalent" und "vielschichtig" machen, ist aber längst zu einer stereotypen Masche degeneriert.
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