ARD-Sonntagskrimi Der Lindholm-"Tatort" im Schnellcheck

Plazenta im Schulklo, Backpfeife von der Kollegin: "Tatort"-Kommissarin Lindholm muss sich für einen aufwühlenden Fall mit einer ebenbürtigen Co-Ermittlerin arrangieren. Harte Bilder, schwammige Story.

NDR/ Christine Schroeder

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Das Szenario:

Entbindung auf der Schultoilette, Ermittlung im Aggromodus. Nach ihrer Strafversetzung wird die Hannoveraner Kommissarin Charlotte Lindholm(Maria Furtwängler) in Göttingen mit einem aufwühlenden Fall konfrontiert: Eine 16-Jährige hat heimlich ein Kind auf die Welt gebracht, doch sowohl vom Mädchen als auch vom Neugeborenen fehlt jede Spur. Die Untersuchungen fordern vollen Einsatz - das gilt auch für Lindholms neue örtliche Kollegin: Kommissarin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) lässt sich nicht gern in ihre Arbeit reinreden, da ähnelt sie der Einzelgängerin Lindholm. Zwei Ermittlerinnen-Egos knallen aufeinander.

Der Clou:

Hier wird nicht um Sympathiepunkte gerungen. Maria Furtwängler gibt ihre Kommissarin Lindholm als verbohrte Einzelkämpferin, die trotz Degradierung den Kollegen in der Provinz ihre Überlegenheit spüren lassen will. Florence Kasumba hält als Dickschädel mit mangelnder Impulskontrolle handgreiflich dagegen. Dass mit Kasumbas Schmitz die erste starke afro-deutsche Ermittlerfigur in den "Tatort" eingeführt wird, erscheint bei dem Kriminalerinnen-Clash eher nebensächlich.

Das Bild:

Ein episch verdrecktes Schulklo, aus dem Kommissarin Lindholm eine Plazenta herausfischt. Dieser "Tatort" ist ein Sozialreport mit expliziten Bildern. Doch so hart und klar die Aufnahmen, so nebulös und unscharf bleibt am Ende die Geschichte der Teenagermutter.

Fotostrecke

11  Bilder
Lindholm-"Tatort": Endstation Schultoilette

Der Dialog:

"Was ist das hier, das Treffen der Anonymen Alkoholiker?" fragt Kommissarin Lindholm jovial in Anbetracht der gedrückten Atmosphäre im neuen Göttinger Revier. Gar nicht lustige Antwort eines neuen Kollegen: "Ich bin seit 18 Monaten trocken."

Der Song:

"Göttingen" von Barbara. In diesem düsteren, thematisch anspruchsvollen "Tatort" gibt es keine in den Soundtrack eingewebten Songs. Dieser Klassiker, mit dem die Sängerin Barbara 1964 die oft als langweilig verschmähte niedersächsische Universitätsstadt auf die Weltkarte des Chansons (und ins Zentrum der deutsch-französischen Aussöhnung) gebracht hat, bietet eine respektvolle Einstimmung auf die "Tatort"-Expansion Richtung Göttingen.

Die Bewertung:

5 von 10 Punkten. Ein interessanter Auftritt für Lindholm und ihre neue Kollegin Schmitz, aber leider ein schwaches Drama um Missbrauch und Teenagerschwangerschaft.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Das verschwundene Kind", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
romeov 03.02.2019
1. Nichts für mich
..ohne jetzt in das übliche Bashing in den sozialen Medien zu verfallen, aber die schauspielerischen Fähigkeiten der Hauptdarstellerin sind wirklich sehr übersichtlich. Mich macht das irgendwie nachdenklich, da es viele talentierte Schauspielerinnen in Deutschland gibt, die das nicht als Hobby betreiben und die meiste Zeit beste Freundin der Arbeitsvermittlung sind.
gersois 03.02.2019
2. Krimi?
Der Beschreibung nach ist das wohl ein ein Fall fürs Jugend- oder Sozialamt, weniger ein Kriminalfall. Dazu noch ein Zickenkrieg! Lässt für heute nicht viel erwarten.
beathovenr66 03.02.2019
3. Warum..
wird hier vorvdervAusstrahlung fleissig gespoilert ? Echter Quotenkiller
ambulans 03.02.2019
4. nachtrag:
"göttingen" von barbara richtete sich (übrigens international vielbeachtet; s. youtube) gegen die atomare aufrüstung des westens, die auch diese aufrechte kleine uni-stadt dicht an der innerdeutschen grenze bedrohte, im ernstfall sogar hätte zerstören können; recherchieren hilft ...
flomosig 03.02.2019
5. Bitte ändern, liebes SPON-Team
Es heißt: hannoversche Kommissarin, nicht Hannoveraner Kommissarin.
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