ARD-Sonntagskrimi Der Kiel-"Tatort" im Schnellcheck

Stadt im Ausnahmezustand, Kerle im Zerstörungsmodus: "Tatort" nutzt die Kieler Woche als Kulisse für marodierende Männeregos. Brutales, brillantes Saisonende der Krimi-Reihe.

rbb/ NDR/ Christine Schroeder

Das Szenario:

Am Hafen gibt's Lebkuchenherzen und Pils aus Plastikbechern, in den angrenzenden Wohnsilos Messerstiche und Schläge mit Stuhlbeinen: Vor dem Hintergrund der Kieler Woche zeigt dieser "Tatort" Männer im Zerstörungs- und Selbstzerstörungswahn. Während ein Ex-Familienvater (Misel Maticevic) Frauen und Kerle, Drogendealer und Geldverleiher ersticht und erschlägt, knipst sich Borowski (Axel Milberg) auf dem Volksfest mit Rotwein und Bier die Lichter aus. Zwei Männer im Ausnahmezustand, denen es entgegenkommt, dass auch die Stadt im Ausnahmezustand ist. Kollegin Brandt (Sibel Kekilli bei ihrem letzten "Tatort"-Einsatz) schaut mit Ekel auf die marodierenden männlichen Egos.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Hier geht's um die Bestie Mann. Woher kommt seine Wut? Wie befriedet man ihn? Wie kann so einer mit anderen zusammenleben? Ach, fragen Sie nicht. Dieser "Tatort" will alles - nur keine Antworten geben.

Der brutalste Satz:

"Sie hat ihn genervt." Borowski zeigt am Tatort bei der Tatrekonstruktion Einfühlungsvermögen für den Gewaltmenschen, der kurz zuvor mit einem Stuhlbein seine Freundin totgeschlagen hat. Männer, vereint im Zorn.

Der zärtlichste Satz:

"Sag mal, kannste mal mit dem Kind rausgehen! Wirklich nur Idioten hier." In einer extrem gewalthaltigen Situation weist ein Geldverleiher seinen Gorilla an, sein Baby rauszutragen. Brutalo, weichgespült.

Der Plausibilitätsfaktor:

Hoch. Der Film treibt das männliche Gewaltpotenzial auf die Spitze. Er rechtfertigt nicht, er verharmlost nicht, er zeigt nur. Sehr glaubhaft, sehr schmerzhaft.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Männer wie Brandsätze und Bilder, die Funken schlagen. Ein explosiver "Tatort", der die Zuschauer spalten wird. Ein starker Saisonabschluss.

Die ausführliche Analyse:

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"Tatort: Borowski und das Fest des Nordens", Sonntag, 20.15 Uhr



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