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ARD-Sonntagskrimi

Der neue Kiel-"Tatort" im Schnellcheck

Borowski kämpft mit den Gespenstern der Vergangenheit, seine neue Kollegin Sahin prügelt ihren Boxsack: Der neue Kieler "Tatort" ist ein Geister-Krimi, der ein bisschen zu schlau sein will.

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Sonntag, 02.09.2018   16:15 Uhr

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Das Szenario:

Den Ermittler plagt die Vergangenheit, in einer Villa poltern die Geister. Kommissar Borowski (Axel Milberg) besucht einen alten Freund, dessen Ehefrau vor vier Jahren spurlos verschwunden ist, es sind noch einige Dinge zwischen ihnen zu klären. Die zweite, psychisch labile Ehefrau des Freunds sieht sich in der großen Villa von dem Geist der ersten konfrontiert. Borowski und seine neue Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) müssen einen ziemlich fadenscheinigen Hokuspokus untersuchen.

Der Clou:

Dialoge mit dem Totenreich, sonnig inszeniert. Die Filmemacher versuchen ihren Psychohorror mit hellen Bildern und tänzerischer Leichtigkeit zu inszenieren. Ein interessantes Paradoxon - das leider am Ende nicht die rechte Wirkung erzielt: Als Zuschauer weiß man nicht recht, ob man sich von den Spukeinlagen erschrecken lassen soll oder ob man sich wissend über sie erheben soll. Die Filmemacher wechseln einfach zu schnell auf die Thriller-Meta-Ebene.

Das Bild:

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Borowski besucht während seines Trips in die Vergangenheit auch seine Ex-Frau, die gerade als Ballettlehrerin einen Kurs mit kleinen Mädchen unterrichtet. Die Kamera kreist nun um die ehemaligen Liebenden, während die sich inmitten der tanzenden Kleinen mit zärtlichem Sarkasmus über die guten und schlechten alten Tage unterhalten. Ein bisschen viel Schwanengesang für ein Beziehungsgespräch.

Der Dialog:

Borowski überrascht zur neuen Kollegin: "Was ist das?" Sahins knappe Antwort: "Das ist Walter, mein Kumpel und mein Coach." Worüber die beiden sprechen: über einen Boxsack, den Sahin eigenhändig an die Decke des Büros gedübelt hat. Soll wohl besonders tough und trocken rüberkommen. Mein Gott, Walter!

Der Song:

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Irgendein Song von Portishead. Die hallen alle so schön schwermütig und gespenstisch, als ob sie direkt aus dem Jenseits herüberhallen würden.

Die Bewertung

4 von 10 Punkten. Versuch eines eleganten, melodramatischen und doppelbödigen Spuk-Thrillers. Leider nicht geglückt. Mit Klassikern wie Hitchcocks "Rebecca" (1940) oder Cukors "Gaslight" (1944), die hier Pate standen, hat man einen besseren Abend.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Borowski und das Haus der Geister", Sonntag, 20.15 Uhr

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