ARD-Sonntagskrimi Der Kiel-"Tatort" im Schnellcheck

Die Sonne strahlt, die Schampuskorken knallen, das Blut fließt: Borowski kriegt es mit einer gefährlich vergnügungssüchtigen Supermarktkassiererin zu tun. Verspulter "Tatort" aus Täterinnenperspektive.

NDR/ Christine Schroeder

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Das Szenario:

Aschenputtel in der Vorstadt: Supermarktkassiererin Peggy Stresemann (Katrin Wichmann) nascht von fremden Tellerchen, trinkt aus fremden Gläschen und posiert in fremden Kleidchen, weil sie sich vom eignen Leben gekränkt fühlt. Seit sie mitbekommen hat, dass das schicke Paar gegenüber im Lotto gewonnen hat, schleicht sie sich ins fremde Haus und kostet vom fremden Reichtum. Als überraschend der Hausherr vor der Tür steht, räumt sie ihn aus dem Weg. Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Sahin (Almila Bagriacik) stehen kurz darauf etwas ratlos vor der Blutlache im Schlafzimmer, lassen sich aber die Laune nicht verderben. Schließlich haben sie gerade rein zufällig einen international gesuchten Gangster überführt und dafür Glückwünsche von Scotland Yard erhalten.

Der Clou:

Die Sonne strahlt, die Schampuskorken knallen, das Blut fließt. Das Eindringen der Supermarktkassiererin ins fremde Eigentum samt tödlicher Eskalation wird in hellen Farben und mit beschwingtem Rhythmus in Szene gesetzt. Wie schon so oft bei Kieler "Tatort"-Folgen aus der Feder von Sascha Arango wird das Publikum in die Perspektive der pathologischen Täterfigur gezwungen. Und die findet eben nichts Schlimmes an ihrem mörderischen Treiben. Leider wird dieser schwierige Blickwinkel nicht konsequent durchgehalten.

Das Bild:

Peggy im Aufräumwahn: In ihrer Wut über den Reichtum zerlegt sie mit dem Rasenmäher den Flokati-Teppich und zerkleinert im Quirl die Fernbedienung. Aggression und Ekstase der Vorstadt, eingefangen in einer wunderschön verspulten Slow-Motion-Szene.

Fotostrecke

8  Bilder
Borowski-"Tatort": Ermittlungen im Schlendermodus

Der Dialog:

Sie: "Sind Sie Junggeselle?" Er: "Mir fehlt zum Glück die Frau." Dieser minimalistische Dialog zwischen Kassiererin und Kommissar bringt sehr schön die elegante Doppeldeutigkeit auf den Punkt, die dieser "Tatort" in seinen besseren Momenten hat.

Der Song:

"Breathe" von Pink Floyd. Zu diesem entspannten Zeitlupenrock surrt am Anfang des Krimis die Kameradrohne aus dem Vorstadthimmel in Peggys Ego-Hölle.

Die Bewertung:

6 von 10 Punkten. Ein "Tatort", der einen hin- und herreißt. Einerseits gibt es etliche tolle Einfälle, andererseits ist dieser Krimi so launig inszeniert, dass der Plot auseinanderzubrechen droht. Möglicherweise erhöht ein Joint den Sehgenuss.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Borowski und das Glück der Anderen", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 13 Beiträge
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Weltfinanzexperte 03.03.2019
1. "Möglicherweise erhöht ein Joint den Sehgenuss."
Dass SPON diese Rubrik noch "Kultur" nennt, sagt einiges über den Niedergang des Journalismus. Wenn der Tatort genau"so launig inszeniert" ist, wie dieser Artikel, ist er eventuell genauso überflüssig.
newline 03.03.2019
2. Peggy
ist vielleicht ein Aschenputtel, doch von fremden Tellerchen gegessen und aus fremden Gläschen getrunken hat Schneewittchen.
joernthein 03.03.2019
3. Also Herr Buß,
.. ich gebe jetzt schon acht von zwölf Punkten.
joernthein 03.03.2019
4. Herr Buß,
sie haben recht, 6 Punkte für diesen Klamauk sind durchaus wohlwollend.
Grestorn 03.03.2019
5.
Zitat von WeltfinanzexperteDass SPON diese Rubrik noch "Kultur" nennt, sagt einiges über den Niedergang des Journalismus. Wenn der Tatort genau"so launig inszeniert" ist, wie dieser Artikel, ist er eventuell genauso überflüssig.
Schlagen Sie mal nach, was "Kultur" bedeutet. Sie gehören genau zu den Leuten, die meinen, nur sie selbst definieren, was "gute" Kultur ist, "gute" Musik, "gute" Filme, "gutes" Essen usw. Das sind genau die Menschen, denen nichts anderes wichtiger ist, als sich selbst gegenüber anderen zu erhöhen. Sie passen wunderbar ganz genau zu diesem Tatort!
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