ARD-Sonntagskrimi Der neue Köln-"Tatort" im Schnellcheck

Männer, die vom Balkon springen wollen. Frauen, die nach SM-Spielen verschwinden. Der Köln-"Tatort" geht in süffigen Sexspekulationen unter.

WDR/ Martin Valentin Menke

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Das Szenario:

Die Frauen vermisst oder tot, die Männer verlassen oder traumatisiert: Bei ihren Ermittlungen im Baugewerbe von Köln kriegen es die Kommissare Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) mit aus den Fugen geratenen Geschlechterverhältnissen zu tun. Eine Hotelangestellte wird ermordet, die Projektmanagerin eines Architekturbüros verschwindet nach SM-Spielen. Zurück bleiben Kerle, die ihr verfallen waren und jetzt allerhand irre Dinge anstellen.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Am Anfang könnte die Idee gestanden haben, aufzuzeigen, wie deutsche Unternehmen beim entfesselten Immobilienboom samt Sklavenarbeit auf dem Bau in Katar mitmischen - das Architektenbüro, wo die Vermisste angestellt ist, ist auf dem arabischen Markt aktiv -, doch sämtliche geopolitischen und architekturkritischen Aspekte gehen in süffigen Sexspekulationen bezüglich des Opfers unter.

Die angestrengteste Szene:

Oh Freddy, das hätte ins Auge gehen können! Kommissar Schenk quatscht im zugigen zehnten Stock eines Bürohauses fünf Minuten auf einen Geschäftsmann ein, der sich in die Tiefe stürzen will, bis der von seinen Selbsttötungsabsichten absieht.

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"Tatort" aus Köln: Im Bann der Femme fatal

Die lässigste Szene:

"Ach Freddy, woher willst du das denn wissen, du hast einmal in deinem Leben ein ganz kleines Reihenmittelhäuschen gebaut!" Kommissar Ballauf macht sich über seinen Kollegen lustig, als der mit seinen Eigenheimstrategien den Bauboom im Emirat und die deutsche Beteiligung daran erklären will.

Der Plausibilitätsfaktor:

Gering. Die Verstrickungen der deutschen Wirtschaft in Katar bleiben unterbelichtet, das Männerbild wirkt vollkommen überzogen.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten. Es gibt Verweise auf Film-noir-Klassiker wie "Laura" oder SM-Softsexfantasien wie "9 1/2 Wochen" - aber wie die hier zu einem verschwitzten Männerdrama zusammengerührt werden, ist schon sehr altbacken.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Bausünden", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
winki 21.01.2018
1.
Ich habe den Tatort noch nie abgeschaltet. Dieses mal schon. Mehr will ich dazu nicht sagen. Und noch etwas. Im öffentlich rechtlichen Fernsehen gibt es jeden Tag auf allen Sendern Krimis. Oft genug mit Brutalität die im Fernsehen nicht sein sollte. Dazu noch die Anleitung klar und deutlich wie man Straftaten begeht und vertuscht. Dafür muss man dann auch noch Gebühren bezahlen.
schuggerleo 22.01.2018
2. Ansichtssache...
Die Geschmäcker sind verschieden, 4 von 9 Punkten kann ich z.B. nicht nachvollziehen: Für mich war es gute Abendunterhaltung, die Schauspieler gut aufgelegt, die Wendung am Schluss überraschend, ich freue mich immer, Ballauf und Schenk wiederzusehen. Halt nichts "Experimentelles", sonder einfach ein solider Tatort: 8 von 10 Punkten.
Knützel 22.01.2018
3. Drehbuch 4---; Musik eine glatte 6
Über das Drehbuch kann man sich ja noch streiten und der Humor ist in Köln auch anscheinend ausgegangen, aber die musikalische Untermalung... Irgendwo zwischen Softporno und ganz schlechtem 70´er Jahre Krimi. Ganz ehrlich, der Kölner Tatort stand immer ganz oben auf meiner Sympathie-Skale, aber das war Gestern eine Zumutung! Technisch (nicht Inhalt!) gesehen war das Dschungelcamp im Anschluss mit deutlich mehr Professionalität (Ton, Schnitt) produziert!
Shelly 22.01.2018
4. Ich habe ihn angesehen.
Ein Krimi halt, leichte Unterhaltung am Sonntagabend, da brauche ich nichts tiefgründiges. Das Beste am Tatort war die fehlende Polit-Belehrung, wie toll doch Flüchtlinge sind.
Kurt-C. Hose 22.01.2018
5. Aus Verzweiflung mal reingeschaltet
und kurz bevor Langeweile mich endgültig sediert hat, schnell wieder den Kanal gewechselt - echt jetzt, für solch einen Müll verballern die ÖR Milliarden? Frechheit.
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