ARD-Feiertagskrimi Der neue "Tatort" aus Köln im Schnellcheck

Ein Kölner Unternehmer wurde ermordet. Der Verdacht fällt auf den ehemaligen Geschäftspartner. Der ist allerdings tot. Oder auch nicht. Ein "Tatort", der so verworren ist wie seine Handlung klingt.

WDR/ Thomas Kost

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Das Szenario:

Eine Leiche wird gejagt: Nach dem Mord an einem Exportkaufmann fahnden Kommissar Schenk (Dietmar Bär) und sein Kollege Ballauf (Klaus J. Behrendt) nach dessen ehemaligem Partner - der allerdings schon vor langer Zeit für tot erklärt wurde.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Ist in diesem leichtsinnig zusammenfabulierten Krimi-Schlamassel nicht so recht zu erkennen. Dabei geben sich die Verantwortlichen alle Mühe, zig brenzlige Themen anzupacken. So geht es unter anderem um Wassergeschäfte in Tansania und Atomtechnikdeals mit Iran, um Steuer-CDs und Schmugglerkriminalität. Dazu kommen betont moderne Berufsbilder, die Ex-Frau des Verdächtigen arbeitet zum Beispiel als Well-Aging-Beraterin. Hilft alles nichts, dieser "Tatort" mutet so brisant und so brandaktuell an, wie 'ne alte Folge "Derrick".

Ein Satz zum Lachen:

"Wann macht Gebhard eigentlich seine Bude wieder auf?", fragt der eine Kommissar den anderen, als sie ein paar ranzige Pommes im Auto verdrücken. Eigentlich bezieht sich der Satz auf den rollenden Imbiss am Rhein, der gerade geschlossen ist. Man könnte es aber auch als Referenz auf den WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke verstehen, der für den "Tatort" verantwortlich zeichnet. Gebhard, lass die Bude zu! Hier hat sich keiner der Beteiligten eine Portion Deiner Pommes verdient.

Ein Satz zum Heulen:

"Sportschütze? Sie haben doch bestimmt auch eine 9-mm-Parabellum?", fragt der allwissende Kommissar einen Verdächtigen. Das nennen wir mal Spürnasengetue der ganz schlichten Art.

Der Plausibilitätsfaktor:

Gering. Die Figuren wirken hölzern, die Handlung ist verworren. Ein Zettelkasten halbgarer Ideen. Wirklich überzeugend ist hier eigentlich nur eins: das angenehm beiläufige Outing von Assistent Tobias Reisser (Patrick Abozen) - der jetzt offiziell der zweite schwule "Tatort"-Ermittler ist, nachdem letzten Monat schon der Berliner Kommissar Karow (Mark Waschke) einen betont verruchten One-Night-Stand mit einem Mann hatte.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten. Kleiner Tipp: Wenn Sie einen wirklich starken "Tatort" sehen wollen, dann warten sie einfach einen Tag. Am Sonntag läuft der neue "Tatort" mit Ulrich Tukur. Großes, irres Krimi-Kino!


"Tatort: Benutzt", Samstag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
hwdtrier 26.12.2015
1. Seit wann hat ein
Krimi einen gesellschaftspolitischen Auftrag? Es ist das Elend der deutschen Krimis dass sie damit überfrachtet sind.
suelzer 26.12.2015
2.
Sehe ich auch so. Ein Krimi sollte spannend und unterhaltsam sein. Wäre er extrem realistisch, wäre er langweilig, denn wer will schon einem Polizeibeamten beim Din-A-4 Blätter abheften, Kaffee saufen und Taschenbilliard zusehen? Aber leider ist die Tatortreihe oft weder realistisch noch spannend, sondern einfach nur schlecht.
Brummi 26.12.2015
3. Lieber heute ...
... solide und vielleicht leicht verworrene Kölner Krimikost als morgen diesen Tukurschwachsinn, den nur Herr Boß versteht, naja zu verstehen meint.
lemmy 26.12.2015
4. Einfach irre
So weit, so gut. Aber den geneigten Leser am Ende des Artikels auf den Sonntag mit dem "irren" Tukur zu verweisen, dass ist wirklich "irre". Denn die Tatort-Plots mit diesem Herrn sind an Wahnwitz doch wohl echt nicht mehr zu unterbieten, oder überbieten, wie man´s nimmt. Und deswegen werde ich mir den unter Garantie nicht anschauen ! Statt dessen hätte hierhin der Verweis auf die Tatort-Doppelfolge mit T. Schweiger an Neujahr und kommenden Sonntag gehört. Da lohnt sich das einschalten mit Sicherheit. Dafür muss man auch kein Fan von T. Schwieger sein.
Lelas 26.12.2015
5.
Dass ich das noch erlebe: die SPON Kritik bewahrheitet sich. Langeweile pur, Schauspieler wie in einer Vorabend Soap. Das können die Kölner besser.
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