ARD-Sonntagskrimi Der neue Köln-"Tatort" im Schnellcheck

Zwischen Barbecue und Beerdigung: Nach dem Mord bei einem Reifenhändler loten die Kölner "Tatort"-Kommissare die fragile Mitte der Gesellschaft aus.

WDR/ Martin Valentin Menke

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Das Szenario:

Aggressionen und Erosionen des deutschen Mittelstands. Am Rande von Köln, zwischen Speditionen, Baugeräteverleihern und Gebrauchtwagenhändlern ermitteln Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) zum Mord an einem Autoschrauber. Die Reifenhändler-Familie Grevel (u.a. Lavinia Wilson) droht an dem Druck der Kommissare zu zerbrechen.

Der politische Auftrag:

Schützt den Mittelstand, die fragile Mitte der Gesellschaft! Wie so oft, wenn die Kölner diese Schicht zwischen Aufstiegsgelüsten und Abstiegsängsten aufsuchen, laufen sie zu starker Form auf. Hier kommt ein "Tatort" zwischen Barbecue und Beerdigung raus - mit entsprechendem musikalischen Begleitprogramm.

Der düsterste Song:

Leonard Cohens "It Seemed the Better Way". Aus Oberperspektive und in Zeitlupe wird zu diesem Musikstück gezeigt, wie eine Ehefrau vom Tod ihres Mannes erfährt. Der "Tatort" als Trauerfeier.

Fotostrecke

10  Bilder
"Tatort" mit Schenk und Ballauf: Hier haben die Frauen den Helm auf

Der heiterste Song:

Vampire Weekends "A-Punk". Die Schrauber beim Reifenhändler haben den Grill angeschmissen, reißen Blondinenwitze und quatschen über ihre Autos. Der "Tatort" als Grillparty.

Der Plausibilitätsfaktor:

Ziemlich hoch: Das Autoschraubermilieu samt zweifelhaft getunter Geschäftsmodelle ist authentisch in Szene gesetzt, die familiären und betrieblichen Abhängigkeitsverhältnisse sind in sich schlüssig.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Eine Folge, die lustvoll altes Gesellschaftskrimiterrain auf die "Tatort"-Landkarte zurückbringt und es zeitgenössisch in Szene setzt. Am stärksten sind hier die weiblichen Charaktere - was den Krimi in direkte Konkurrenz setzt zum dreiteiligen Rock'n'Roll-Emanzipationsdrama "Ku'damm 59", das am Sonntag zeitgleich im ZDF anläuft.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Mitgehangen", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Ekkehard Grube 19.03.2018
1. Ich war enttäuscht!
Ein guter Krimi zeichnet sich dadurch aus, dass der Zuschauer dem Handlungsgang von Anfang an folgen kann. Falsche Fährten und Überraschungen gehören zwar auch dazu, dürfen aber nie dazu führen, dass der Zuschauer sich über längere Strecken nicht orientieren kann. Insofern war dieser Tatort idealtypisch schlecht: Man brauchte sehr lange – fast bis zum Ende des Films! – bis man die Beziehungs- und Konfliktkonstellationen halbwegs durchschaute. Vieles – u.a. die Rolle der Figur Luzi – blieb im Vagen. Und auf die Filmmusik, über die sich meine Fernsehzeitschrift vor Begeisterung nicht einkriegen konnte, hätte ich nur zu gerne verzichtet. Im Ganzen: 1 von 10 Punkten - und der geht an den neuen Assi. Wirklich gelungen, wie Jütte mit scheinbarer Trotteligkeit seinen Kollegen Ballauf und Schenk immer wieder ein Schnippchen schlägt. Die Kölner waren schon mal viel besser – u.a. in dem Karneval-Tatort „Tanzmariechen“ aus dem Jahr 2017, der dieses Jahr mit Recht wiederholt wurde.
koh 19.03.2018
2. Plausibilität?
Hat der Autor den Film bis zum Ende gesehen? Der "Plausibilitätsfaktor" des Filmes war keineswegs 8 von 10, eher in der nähe von 0. Klar, man musste Tatort-Regel 6 einhalten "Wenn die Kommissare zu einer Person völlig grundlos unfreundlich sind, ist das am Ende immer der Mörder", aber es völlig unplausibel dass der hier als "Seele von einem Mensch" gezeichnete Täter sich offenbar als eine Art Auftragskiller entpuppt, der auch noch den Preis in die Höhe verhandelt. Da kann der Autor hier noch so sehr vom "Aufbrechen des Mittelstandes" fabulieren, der Film hatte einfach einige dicke Logiklöcher. Auch war das Verhalten der Kommissare an vielen Stellen einfach nicht nachzuvollziehen.
Knützel 19.03.2018
3. Netter Tatort aus den 90er Jahren
Ganz ehrlich, wie kann man hier von guter Musik reden, nur weil einmal Leonard Cohens zu hören ist. Der Rest war ein musikalischer Offenbarungseid. Die Story war flach, der neue Sidekick ist Humor aus dem Seniorenzentrum. Die Bildsprache und das ganz drum rum hätte auch 1990 spielen können, abgesehen davon das die Komissare jetzt Tablets benutzen. Ich habe mich tatsächlich dabei erwischt, wie ich in der EPG geschaut habe, ob das eine Wiederholung ist... Einer der schlechtesten und auch langweiligsten Kölner Tatorte seit 15 Jahren! Die Kölner Tatorte leben aktuell von ihren damaligen wirklich gut produzierten Tatorten z.B. "Pechmarie" (2006), dass was heute in Köln produziert wird, hat bestenfalls SOKO-Qualität.
salamicus 19.03.2018
4. D'accord
Ein temporeicher und harter Tatort. Mir hat er sehr gut gefallen. Wo da die "ackernden Frauen" und "schnatternden Männer" gewesen sein sollen, entzieht sich meiner Kenntnis.
PremiumB 19.03.2018
5. Deutsche können kein Krimi
Wenn ich in einer Rezension schon lese "Der politische Auftrag" weiß ich schon warum die Deutschen das nicht können. Die Deutschen sollen mal ihre Problemfilme drehen und alles was mit Unterhaltung zu tun hat den angelsächsischen Raum überlassen. Deshalb sind die Deutschen auch so wenig optimistisch und depressiv. Wenn selbst in einem Krimi Probleme gewälzt werden müssen. Aber gut, dass es auf den Privatsendern noch gute amerikanische Filme geboten wurden.
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