ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" aus Köln im Schnellcheck

Der Rechtsstaat erodiert! Schenk und Ballauf kämpfen im Kölner "Tatort" zwischen Nordafrikanern und Rechtspopulisten um die Ordnung.

WDR/ Thomas Kost

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Das Szenario:

Jeder gegen jeden in Köln. Eine Bürgerwehr macht Jagd auf Marokkaner, Marokkaner machen Jagd auf Tunesier, schwarze Polizisten werden von schwarzen Sheriffs verprügelt. Auslöser ist der Raubmord in einer kleinen Zoohandlung, den ein junger Mann aus dem Maghreb begangen haben soll. Dieser "Tatort" entstand nach den Ereignissen auf der Kölner Domplatte Silvester 2015/2016 und spiegelt die Stimmung von Wut und Verunsicherung wider. Mittendrin im Chaos: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), die trotz burschikosen Auftretens alle Mühe haben, das Gewaltmonopol des Rechtsstaates aufrechtzuerhalten.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Böse Nordafrikaner, gute Nordafrikaner? Mit Mut zu Ambivalenzen wird hier der Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt ausgeleuchtet. Hart, reell, ohne Sympathiebonus für irgendjemanden.

Der stärkste Dialog:

Fragt der schwarze Kriminalpolizist den marokkanischen Gemüsehändler: "Herr Faras, was macht einer wie sie bei der Bürgerwehr? Sagt der marokkanische Gemüsehändler dem schwarzen Polizisten: "Lustig, dass Sie das fragen. Was macht einer wie Sie bei der Polizei?" Da sprechen zwei Menschen mit nicht-deutschen Wurzeln, die sich gegenseitig ihr deutsches Lebensfeld absprechen. Der schwarze Polizist wird später von der Bürgerwehr niedergeprügelt, weil man ihn für einen kriminellen Flüchtling hält.

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9  Bilder
"Tatort" mit Schenk und Ballauf: Pulverfass Köln

Der schwächste Gag:

"Du hast sie wohl nicht mehr alle, ein Döner im Auto!" So raunzt Freddy Schenk seinen Kollegen Max Ballauf an. Eine Kabbelei wie aus seligen Zeiten, als der Döner noch als lustiges Multikulti-Accessoire herhalten musste. Passt irgendwie nicht in den entfesselten ethnischen Mehrfrontenkrieg, der hier im "Tatort" gezeigt wird.

Der Plausibilitätsfaktor:

Hoch. Die Gewalt, die von einigen nordafrikanischen Männern in Köln ausgeht, wird rigoros gezeigt, Pauschalverurteilungen haben hier aber keinen Platz. Lesen Sie dazu auch unseren Faktencheck am Montag. Nur die aufgeregten deutschen Bürger wirken streckenweise wie Pegida-Pappkameraden.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Starker Soziothriller vor aufgewühltem Hintergrund.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Wacht am Rhein", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 52 Beiträge
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helisara 15.01.2017
1. Es nervt!
Mehr oder weniger ist es doch dasgleiche Thema, etwas anders varriert, wie im Tatort von letzter Woche, natürlich etwas abgewandelt, "Lindenstraße" in der Tatortversion. Wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit einem "klassischen" Krimi, ohne Erziehungsgedanken?
Paul Panda 15.01.2017
2. Na, da bin ich aber skeptisch!
"Ohne Sympathiebonus für irgendjemanden"? Wirklich? Oder ist es einfach nur wieder "Erziehungsfernsehen", genau wie der letzte Tatort und "Soko Leipzig" vom Freitag: Böse Deutsche, gute Flüchtlinge? Die Macher solcher Sendungen scheinen ziemlich naiv zu sein, wenn sie glauben, das Verhalten der Wähler (bald geht's in NRW ja zur Sache) auf diese Weise beeinflussen zu können. Der "Shitstorm" im offiziellen ARD-Internetforum zum letzten Tatort scheint jedenfalls eine andere Sprache zu sprechen - oder ist es heute wirklich anders und der Bösewicht ist heute Abend ausnahmsweise mal ein "Schutzssuchender" - oder niemand - oder alle? Wir werden sehen!
lupo44 15.01.2017
3. bitte bleibt euch treu:wir haben genug deutsche Fälle mit Mord und Diebstahl....
nicht das der Tatort badriftet wie "Soko Leipzig".Die letzten Sendungen am Freitag Abend hatten nur diese Thematik Kriminalität und Totschlag in Verbindung von Einwanderern ,Moschen und Imanen. Nein Danke ist nicht der Stil deutscher Thematik. Krimi-Zeit ist Unterhaltungszeit-das soll auch so bleiben.
gldek 15.01.2017
4. Lasst die Politik besser raus
Kein Krimi mehr ohne das leidige "F-Thema". Man hat das Gefühl täglich eine moralische Lektion verpasst zu bekommen. Wir sind mündige Bürger und haben das nicht nötig. Ausserdem ist diese Vorgehensweise ohnehin kontraproduktiv.
Izmir..Übül 15.01.2017
5.
Zitat von helisaraMehr oder weniger ist es doch dasgleiche Thema, etwas anders varriert, wie im Tatort von letzter Woche, natürlich etwas abgewandelt, "Lindenstraße" in der Tatortversion. Wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit einem "klassischen" Krimi, ohne Erziehungsgedanken?
Wenn es sich um eine skandinavische Produktion handeln würde, dann würden Sie den "aktuellen Zeitbezug" bestimmt loben. Aber so ist es natürlich "Erziehungsfernsehen".
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