ARD-Sonntagskrimi Der neue Bodensee-"Tatort" im Schnellcheck

Ein Entführungsopfer muss vom Einfluss seines Peinigers befreit werden, der das Mädchen 15 Jahre in einer Parallelwelt gefangen hielt. Ein "Tatort", der ein bisschen zu viel öffentlich-rechtliches Erklärfernsehen ist.

ARD/ Stephanie Schweigert

Das Szenario:

Endlich frei! Endlich frei? 15 Jahre wurde Rebecca von einem religiösen Fanatiker gefangen gehalten und missbraucht. Nach dessen Feuertod ist sie ohne Orientierung. Ausgerechnet im Schnöselpolizist Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) sucht sie sich einen neuen "Erzieher". Der nimmt die Rolle an, um sie ins Leben zurückzuführen. Eine Gratwanderung.

Der blutigste Moment:

Nachdem der Körper des sadistischen Entführers lichterloh brennt, scheint er noch einmal nach Opfer Rebecca zu greifen. Eine klassische Horrorszene, die hier des Peinigers Macht über den Tod hinaus versinnbildlicht.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Gibt es nicht. Dafür erzählt dieser "Tatort" fallstudienartig von der Programmierung und Reprogrammierung eines Missbrauchsopfers.

Ein Satz, der erschüttert:

"Du weißt das nicht, dass du mir wehtun musst." So sagt es das Mädchen zu ihrem neuen "Erzieher" Perlmann, der in diese Rolle schlüpft, um Zugang zu dem Opfer zu bekommen.

Geliebter Sadist
Ein Dialog, der erschüttert:

"Für wen halten Sie sich?" So brüllt Kommissarin Blum (Eva Mattes) den Kollegen Perlmann an, als sie sieht, wie er gegen alle Absprachen mit den Therapeuten das Mädchen umarmt. Perlmanns Antwort: "Sie hat sich für mich entschieden." Ein Schlagabtausch, der verdeutlicht, wie dünn die Grenze zwischen beschützen und beherrschen ist.

Der Plausibilitätsfaktor:

Relativ hoch. Die junge Schauspielerin Gro Swantje Kohlhof ("Tore tanzt") spielt die junge Frau zwischen Selbstaufgabe und Selbstfindung beängstigend intensiv. Doch wie schnell die Polizisten Zugang finden in den obskuren pseudoreligiöse Kosmos des Opfers und wie lehrbuchmäßig das Mädchen in die Realität zurückgeholt wird, das gehorcht dann doch zu sehr den Formeln des öffentlich-rechtlichen Erklärfernsehens.

Die Bewertung:

6 von 10 Punkten.

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Rebecca", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
017621211124 10.01.2016
1. muß das sein
immer mehr Krimis oder Tatorte im fernsehen muß das sein ??
LapOfGods 10.01.2016
2. Punkte
Wofür gibt's eigentlich 10 Punkte, wenn immer nur gerade Punktezahlen vergeben werden? Da reicht auch das alte Notensystem von 1 bis 5 oder 6.
peeka(neu) 10.01.2016
3. Für mich
deutlich einer der besseren Tatorte. 6 Punkte sind da reichlich wenig. Aber vermutlich fehlte das Geballer und eine avantgardistische Grundhaltung. War eher ein beinahe klassischer Krimi mit Psychohintergrund.
apropos48 10.01.2016
4. Beeindruckender Tatort
trotz aller Vorabkritik. Man muss sich immer vor Augen halten, dass es sich um einen Spielfilm und nicht um eine Doku handelt. Trotzdem erinnert er mich an die Schilderungen der Geflohenen aus der chilenischen Colonia Dignidad. Sensibel inszeniert, großartig gespielt, fantastische Hauptdarstellerin.
cafe-wien 10.01.2016
5. Wir hatten uns schon so gefreut...
..., dass dieser Tatort-Ableger eingestellt wird, und nun belästigt er uns bis zu seinem finalen Auslaufen weiter mit der statisch agierenden Eva Mattes, die Teil des Quartetts des Schreckens der Ödnis ist (hinzu kommen noch Ulrike Folkerts, Sabine Postel und Maria Furtwängler-Burda). Ja, die ARD sorgt mit üppigen Zahlungen aus dem Topf der NEUN MILLIARDEN Euro Zwangsabgabe für die Ihren. Bemerkenswert ist nur, dass Tatorte wie der Frankfurter mit Joachim Krol und Nina Kunzendorf oder der Saarländische mit Maximilian Brückner und Gregor Weber, oder auch der Berliner mit Boris Aljinovic und Dominic Raacke innerhalb allerkürzester Zeit geradezu aus dem Programm gekickt wurden. Aus pc-Gründen darf das wohl mit Mattes nicht geschehen. Und dass uns die Oberlangweilerin Ulrike Folkerts, die fünf Mal (!) berechtigt an Schauspielschulen in der Aufnahmeprüfung abgelehnt wurde, wahrscheinlich solange weiterquält, bis nur noch Herr Buß, zwangsweise, deren Auftritte anschaut, ist da nur folgerichtig.
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