ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" aus München im Schnellcheck

Ruinierte Knochen, ruinierter Glaube: Ein Serienkiller treibt Batic und Leitmayr an die Grenzen der Belastbarkeit. Kleiner blutiger Cop-Thriller mit etwas zu großer Botschaft.

BR/ Hagen Keller

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Das Szenario:

Ein Gefangenentransport, der aus dem Ruder läuft. Ein Serienkiller, der über das Morden als ultimativen Akt der Freiheit philosophiert. Und zwei Polizisten, die mit lädierten Knochen und lädiertem Herzen zu der Erkenntnis kommen, dass sie machtlos sind gegen all das Sterben in ihrem Umfeld. Dieser Krimi ist die Fortsetzung der düsteren "Tatort"-Folge "Die Wahrheit" aus dem Oktober vergangenen Jahres, in der Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) erfolglos einem Mörder nachjagten. Jetzt haben sie den Mann zwar gefasst - zu dem Preis allerdings, dass sie ihren Glauben an die Arbeit verlieren.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Gibt keinen. Tapfer sein, in diesem nihilistischen "Tatort" erscheint alles so sinnlos, so sinnlos, so sinnlos!

Die bittere Erkenntnis:

Psychokiller sind Konfektionsware. Kennste einen, kennste alle. Hier gibt der Schauspieler Gerhard Liebmann den Serienkiller mit dem sadistischen Knautschgesicht von Kevin Spacey in "Se7en" und mit der manipulativen Flüsterstimme von Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer".

Fotostrecke

8  Bilder
München-"Tatort": Jagd auf den Psychokiller

Die schöne Erkenntnis:

Kripo-Partner sind wie Eheleute. Als Batic nach einem fehlgeschlagenen Gefangenentransport, bei dem drei Menschen getötet wurden und er selbst schwer verletzt zurückblieb, lebensmüde im Krankenhausbett das Cop-Dasein verflucht, flüstert Leitmayr zärtlich: "Was ist mit uns? Was ist mit mir? Wenn es sein muss, schieb ich dich im Rollstuhl zum nächsten Tatort."

Der Plausibilitätsfaktor:

Niedrig. Der Depri-Plot ist zwar formschön und blutverschmiert mit rostigen Nägeln in Beinen und Kugeln in Schultern in Szene gesetzt, aber er wimmelt auch von sehr unwahrscheinlichen Zufällen. An den rigorosen Erzählstil der Vorgänger-Episode "Die Wahrheit" kommt der "Tatort" nicht heran.

Bewertung:

7 von 10 Punkten. Bisschen "Se7en", bisschen "Reservoir Dogs". Schöner kleiner Knochenbrecher-Krimi mit etwas zu großer Botschaft.

Die ausführliche Analyse:

Bitte lesen Sie hier weiter!

"Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 16 Beiträge
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Herbert B. 30.04.2017
1. Fortsetzung mit großen Vorschusslorbeeren
Nun, ich teile die Kritik von Herrn Buß nicht. Ich habe die verschiedenen Kritiken gelesen und überall wird dieser Tatort als genial bezeichnet und bekommt von TV-Digital einen grünen Punkt, also 10 Punkte. Lassen wir uns überraschen von der Fortsetzung des 1. Kriminalfalles, bei dem das Münchner Duo einen Mord aufzuklären hatte an einem Passanten ohne jede Verbidnung zwischen Opfer und Täter, der in der ersten Folge nicht ermittelt werden konnte. Ich freu mich auf diesen Tatort und die "Honigfrauen" müssen 90 Minuten warten mit der 2. Folge!
weem 30.04.2017
2. Er lebt!
Der Tatort lebt! Ich hatte bereits die Hoffnung für das Münchner Gespann aufgegeben. Nach guten Start, wurden die Münchner Tatorte zusehends flacher, wirrer bzw. gähnend langweilig (ab und an gab es Ausreißer mit Ausschlag nach oben). Dann kam der heutige..Ein atmosphärisch dichter, düsterer, schwarzer Tatort, glänzend gespielt (vor allem Leitmeier in überzeugender, kaum zu glaubender Spiellaune), keine grenzdebilen Späße, unglaublich fesselnd und ich machte das erste Mal bei einem Tatort mein Handy aus, da ich absolut nicht gestört werden wollte. Hervorragend war zudem der Ton, die Kamera und die Musik. Einziger Kritikpunkt war nur die Tatsache, dass die Justizbeamtin von hinten erschossen wurde, und bei den Ermittlungen offensichtlich davon ausgegangen wurde, dass die Schüsse von vorne kamen. Aber egal..meine Lieblingsszene war, als Leitmeier im Krankenhausgang auf seinen Krücken in das Zimmer von Batic rannte, da er nicht glauben konnte, dass er den Mord gestanden hatte..tolle Einstellung, wunderbar gespielt! Hätte nicht gedacht, dass sich der olle Tatort noch mal in solche Höhen schwingen wird. Bin wirklich begeistert, obwohl ich den ersten Teil nicht sah. Jetzt schöpfe ich tatsächlich wieder Hoffnung für zukünftige Tatorte. Das war eine glatte 10!
pek 30.04.2017
3. Das war Qualität
Gelungene Blenden, perfektes Spiel, gut die Story gibt am Ende Fragen auf, aber der Entertainment-Faktor war erste Sahne. Die beiden Hauptdarsteller sind einfach genial, aber auch der Serienkiller ist weit besser als man üblicherweise erwartet.
Augustusrex 01.05.2017
4. Sehr gut
Tatort vom Feinsten. Ich hoffe, dass Batic und Leitmayer wirklich noch ein paar Jahre weitermachen.
Sissy.Voss 01.05.2017
5. Beeindruckend
Nach langer Zeit habe ich mal wieder einen Tatort angeschaltet. Das Uralt-Team Batic und Leitmayr (das älteste diensttuende?) hat mich dazu gebracht, mich wirklich hinzusetzen und zuzusehen. Und ich war beeindruckt. Wenn das eine Renaissance der alt-ehrwürdigen Serie ankündigt, dann kann man gespannt sein. Batic und Leitmayr sind ohnehin neben Thiel und Börne (und Alberich) meine Favoriten beim Tatort.
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