ARD-Sonntagskrimi Der München-"Tatort" im Schnellcheck

Absturz von Wolke sieben: Dieser "Tatort" über Polyamorie leuchtet Schönheit und Risiko unkonventioneller Liebesbeziehungen aus. Und Françoise Hardy singt dazu ein paar Lieder.

BR/ Hendrik Heiden

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Das Szenario:

Der Mann ist ein grandioser Liebhaber. Erst kocht er die tollsten Sachen für die Frau, dann liebt er sie auf die tollste Weise. Und dann zieht er weiter zur nächsten Frau. Architekt Thomas Jacobi (Martin Feifel) lebt das Lebensmodell der Polyamorie, er führt mehrere Beziehungen nebeneinander. Blöde nur, dass seine verschiedenen Frauen davon nichts wissen. Bald ist eine von ihnen tot. Die Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) erleben einen Mann im Multi-Romanzen-Modus.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Liebe geht auch anders. Mag die verlogene Hauptfigur nicht unbedingt der beste Werbeträger für Polyamorie sein, so werden hier doch ernsthaft Beziehungsmodelle jenseits der bürgerlichen Zweierkiste vorgestellt. Wer noch Fragen hat, geht am besten zum "Poly-Stammtisch", von dem im Krimi einmal die Rede ist.

Die bittere Wahrheit:

Die Ermittler verhören eine der Frauen des Architekten. Die sagt: "Ich nehme mein Zeugenverweigerungsrecht in Anspruch." Die Ermittler in Anspielung auf die Quasi-Polygamie der Verdächtigen: "Das sie gar nicht haben - oder nur zu einem Fünftel."

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"Tatort" mit Batic und Leitmayr: Ob blond, ob braun

Die schöne Lüge:

Batic hat ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau, die sich Lügen ausdenken muss, um ihren betrogenen Mann zu beruhigen. Als Batic sie nach dem Sex an den liebevoll gedeckten Esstisch winkt, sagt sie abwehrend: "Gleich ist mein Pilateskurs vorbei." Er fragt nach: "Ich bin dein Pilateskurs?" Sie lächelt: "Mit dir trainier ich meinen Beckenboden. Ich habe nicht gelogen."

Der Plausibilitätsfaktor:

Hoch. Sehnsucht, Begehren, Egoismus: Dieser "Tatort" leuchtet glaubhaft ein alternatives Beziehungsmodell aus. Samt Möglichkeiten und Grenzen.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Absturz von Wolke sieben. Eine wunderbar ambivalente Vögelei, und Françoise Hardy singt dazu in verschiedenen Szenen ein paar schöne doppelbödige Lieder.

Die ausführliche Analyse:

Lese Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Die Liebe, ein seltsames Ding", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
felertoifel 21.05.2017
1. Ach Gott
Was für ein erbärmliches Ende...
Augustusrex 21.05.2017
2. Na ja
War schon bisschen ein Wunschtraum älterer Herren, nämlich dass jüngere Frauen nichts besseres zu tun haben als mit ihnen in die Kiste zu springen, bzw. dass sie in der Lage wären, fünf Frauen zu befriedigen. Der Schluß war tatsächlich schwach.
Olli 100 22.05.2017
3. Jacobi lebt KEINE Polyamorie
Polyamorie in kurz: 1. Mehrere Menschen lieben (können) 2. bei vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten Partner. Jacobi hingegen lebt mehrere Doppelleben wobei er die Frauen belügt und hintergeht. Er lebt also gerade nicht polyamor sondern vermittelt den Frauen, er würde nur jeweils sie leben. Eher lebt die Psychologin polyamor, wobei auch ihr egal ist, das die Frauen von Jakob nichts voneinander wissen.
der_seher59 22.05.2017
4. wer diesen Tatort
und vor allem die Auflösung für plausibel hält - ein Mord, weil man eine größere Wohnung braucht und ein Mord, um dem Chef einen Gefallen zu tun - der sollte mal dringend an die frische Luft der Wirklichkeit des Lebens
rennflosse 22.05.2017
5. Noch im Dienst
Nach der vorherigen Folge aus München können die beiden Kommissare eigentlich gar nicht mehr im Dienst sein. Zumindest nicht Batic; zu heftig seine dienstlichen Verfehlungen aus der Vor-Folge. Aber gut, man setze die Situation auf Anfang. Herr Buß verfängt sich zu sehr in Nebensächlichkeiten. Francoise Hardy sang gerade mal 10 Sekunden, ansonsten bestand die musikalische Untermalung aus schwermütigem Klavierklimpern und dem Verkehrslärm der Metropole München. Die Diagnose Polyamorie wurde von einer Psychologin gestellt und damit wird dann anscheinend zur Krankheit erhoben, was in Zeiten von HIV bereits aussortiert schien. Polyamorie liegt aber nur dann vor, wenn alle Partner von einander wissen. Man könnte den Tatort auch als Anspielung auf die Münchener Wohnungsnot verstehen, die Schluss-Sequenz legt das jedenfalls ganz unsubtil nahe.
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