ARD-Sonntagskrimi Der München-"Tatort" im Schnellcheck

Blinkende Bildschirmwände, nachdenkliche Chatbots, überforderte Ermittler: Dieser Münchner Cyber-"Tatort" räsoniert über die künstliche Intelligenz. Leider ohne Ergebnis.

BR

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Das Szenario:

Alte Analog-Wölfe verbeißen sich in neue digitale Gegner. Nachdem eine 14-Jährige als vermisst gemeldet wurde, entdecken Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) auf deren Laptop ein hochkomplexes, lernfähiges Programm, das in das Verschwinden involviert zu sein scheint. Der Dialog mit der künstlichen Intelligenz namens Maria gestaltet sich schwierig. Dass der Kommissar grollend seine Stimme erhebt, lässt den verhörten Computer ziemlich kalt. Oder etwa doch nicht?

Der Clou:

Die Kommissare verhören ein künstliches Gegenüber, das im Gespräch mit echten Menschen lernt, Gefühle zu verstehen. Die große philosophische Frage dabei: Können Algorithmen Empathie schaffen? Leider wird dieser interessante Aspekt im Laufe der Falles immer weiter in den Hintergrund gedrängt, bis nur noch ein konventionelles Krimi-Drama um eine dysfunktionale Familie übrig bleibt.

Das Bild:

Eine Leiche verfängt sich in den Isar-Rechen, die Treibgut aus dem Fluss holen. Im "Tatort" heißt es dazu "Die Rechen fischen alles raus, kein guter Ort für ein Geheimnis, die Isar." Ein brutales sinnliches Bild, das auch als Gleichnis für die unfehlbaren Filtervorgänge von Highend-Software gelesen werden kann. Ansonsten fehlt aber eine Idee, wie sich die abstrakten digitalen Vorgänge visuell darstellen lassen - abgesehen von den unvermeidlichen flirrenden Computertürmen.

Der Spruch/Dialog:

"X-Map ist ein Ferrari, und wir lassen ihn in der Dreißigerzone fahren." So beschreibt eine junge Mitarbeiterin des Rechenzentrums, in dem die responsive Software entwickelt wurde, frustriert deren nicht ausgereizten Möglichkeiten.

Der Song:

"Computerliebe" von Paso Doble. Dieser neckische Schlager aus der Spätphase der Neuen Deutschen Welle beschreibt, wie es ist, wenn Computer Gefühle entwickeln: "Die Module spielen verrückt. Mensch, ich bin total verliebt." Sehr viel smarter als der im Jahr 1985 besungene Computer ist Maria im "Tatort" auch nicht.

Die Bewertung

5 von 10 Punkten. Das Thema künstliche Intelligenz bleibt irgendwann hinter den blinkenden Computerwänden auf der Strecke, der Cyberkrimi hat den vielen "Tatorten" über Mord in Zeiten der Digitalisierung wenig hinzuzufügen.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: KI", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Dramaturgen-Frau 21.10.2018
1. Dieser Tatort wird seinen Zweck voll und ganz erfüllen
Tatorte werden immer zweckgerichtet produziert. In diesem Fall erfüllt er mit recht wenig Aufwand (blinkendes Chaos und Rechnergepiepe) seinen Zweck, dem analogen 60+ Publikum der ARD wie Ekkehard Grube ein mulmiges Gefühl à la "Da kommt was auf uns zu!" zu vermitteln. Weiterhin kann sich der so beschriebene Zuschauer sehr gut in die beiden sympathischen Grauhaardackel hineinversetzen. Und zum Schluss wird ihm noch vorgegaukelt, man könne analog und mit grauem Haar die böse Welt der KI doch noch mit Katalogen, Tesafilm und dem Unverständnis, was denn eigentlich "Bukkake" sei (Verweis auf einen vorangegangenen München-Tatort!) im Jahre 2018 wie Waldorf und Statler paroli bieten. Ja, so ist das: mia san mia, und alles bleibt so, wie es ist. Prost! Schnarch. Insofern freue ich mich auf den schön rotweinselig luschigen Wochenendausklang.
Tante_Frieda 21.10.2018
2. Nach langer Zeit
Nach langer Zeit wieder mal ein München-"Tatort",der langweiliger nicht hätte sein können.Liegt nicht an den beiden Bayern-Kommissaren,sondern am Sujet.Künstliche Intelligenz bietet,bis jetzt jedenfalls,keine Vorlage,mit der man eineinhalb Krimi-Stunden spannend füllen könnte.Vor ca. zwei Jahren gab es schon mal einen ähnlichen Reinfall mit diesem Thema.Schade um die Zeit!
joe_ 21.10.2018
3. hanebüchen
Nicht das Thema an sich. Gesichtserkennung z.B. ist aktueller denn je. Aber in Deutschland! mit einem Notebook aus einem Geräteschuppen auf dem Land in quasi Echtzeit mit einem Supercomputer kommunizieren? Lächlich!
stasy 21.10.2018
4. Der Spruch/Dialog
Der beste Spruch (von einem der beiden Kommissare) war -entgegen dem Artikel genannten-: "Nix mehr mit Maria und die ungehackte Empfängnis"
fritz__meyer 22.10.2018
5. Ich fand ihn gut
und ich gehöre nicht zum analogen 60+ Publikum. Danke an SPON für die klare Empfehlung
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