ARD-Sonntagskrimi Der Münster-"Tatort" im Schnellcheck

Darf's auch ein bisschen kranker sein? Der "Tatort" handelt diesmal von den Eitelkeiten des Münsteraner Wissenschaftsbetriebs und kommt streckenweise als fröhlicher Pumpgun-Fiebertraum daher.

WDR/ Willi Weber

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Das Szenario:

Neid, Niedertracht und Narzissmus in Münsters Wissenschaftsbetrieb. Professor Boerne (Jan Josef Liefers) hat drei Millionen Euro an Drittmitteln für die Untersuchungen von Mumien klargemacht und lässt sich dafür auf einem Empfang feiern. Ein Mediziner (Peter Jordan), der das Geld lieber selbst für ein relevanteres Forschungsprojekt zu der tückischen Nervenkrankheit ALS eingestrichen hätte, nimmt die eitle Schar aus Honoratioren und Professoren in Geiselhaft und lässt sie Horsd'œuvres verzehren, die zum Teil mit einem Nervengift versetzt sind, das einen körperlichen Verfall wie bei ALS auslöst.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Keiner vorhanden. Zwar wird hier - von ALS und Sterbehilfe bis Darknet und Amoklauf - reichlich öffentlich-rechtlicher Debattenstoff verwurstet, aber lediglich als Erzählgimmicks für eine Thrillergroteske. Statt aufklärerischem Gestus gibt es nur kranken Humor, als Talkshowfutter taugt das nicht. Dieser "Tatort" ist das Gegenteil der Schweizer Sterbehilfe-Folge von letzter Woche.

Der ekligste Spruch:

"Gehen Sie mit mir auf den Empfang, oder schreiben Sie auch noch Kondolenzbriefe an die Erdbebenopfer in Nepal?" Sagt Gerichtsmediziner-Gockel Boerne zu seiner Assistentin, als diese einen Beileidsbrief an einen Kollegen schreiben will, statt zur Selbstbeweihräucherungsshow des Chefs zu gehen.

Gewalt-"Tatort" aus Münster

Die ekligste Szene:

Zwei große Löcher in der Brust, eine Pumpgun in der Visage: Gleich zu Anfang sehen wir eine gegen Boerne gerichtete Gewaltfantasie, die extrem stilisiert in Szene gesetzt ist. Hat der Jugendbeauftragte des WDR netterweise ein Auge zugedrückt.

Der Plausibilitätsfaktor:

Geht gegen null. Aber Plausibilität ist wohl auch kaum der Anspruch der Verantwortlichen bei diesem fröhlichen Pumpgun-Fiebertraum. Ein konsequent geschmackloser, kunstvoll gezimmerter Gegenentwurf zu dem Realitäts- und Relevanzanspruch anderer "Tatorte".

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Hat da jemand behauptet, dass bei SPIEGEL ONLINE immer alle Münster-"Tatorte" verrissen werden?

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Feierstunde", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



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