ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" aus Stuttgart im Schnellcheck

Wer sind hier die Guten? Im Stuttgarter "Tatort" jagt Kommissar Lannert Schleuser. Ein Thriller, der mit den Gewissheiten der Zuschauer jongliert. Gewagt, aber nicht gelungen.

SWR/ Johannes Krieg

Das Szenario:

In einem Lastwagen wurden die Leichen von 23 Flüchtlingen gefunden. Kommissar Lannert (Richy Müller) fühlt sich schuldig, weil er die Menschen nicht befreit hat, als sie noch am Leben waren. Jetzt geht er in einem Flüchtlingsheim auf Tuchfühlung mit zwei bosnischen Geschwistern, die Geld damit verdienen, Flüchtlinge ins Land zu schmuggeln. Hinter der Gangsterfassade tut sich eine eigenwillige Moral auf.

Der grausamste Moment:

Der Leichenfund. In geheimen doppelten Wänden des Lastwagens sind die toten Flüchtlinge aufgereiht. Lannert und Kollege Bootz (Felix Klare) müssen sie eigenhändig in Leichensäcke betten. Ein grausames Fanal zum Thema Festung Europa.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Hier wird das Schleusertum als gigantische Schattenwirtschaft gezeigt. Und die ist, wie es im Film einmal heißt, "weltweit vernetzt wie Reiseveranstalter".

Die bittere Wahrheit:

"Wenn du die Toten mit nach Hause nimmst, machst du den falschen Job." So ein abgebrühter Drogenfahnder zum viel zu aufgewühlten Bootz. So bitter das ist, der Drogenfahnder hat recht.

Flüchtlings-"Tatort"
Der peinliche Patzer:

Kommissar Lannert stürmt mit vorgehaltener Waffe in eine Flüchtlingswohnung, in der eine verängstigte Familie sitzt, und ruft: "Keine Angst, ich bin von der Polizei." Bei Asylsuchenden, denen die Abschiebung droht, ist das eine eher beunruhigende Ansage.

Der Plausibilitätsfaktor:

Leider gering. Obwohl das Grundszenario Raum für die Grauzonen der Flüchtlingsproblematik lässt, wirken die Figuren wie Pappkameraden.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Im gelobten Land", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

cbu

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
tienchen767 21.02.2016
1. Kritik nicht objektiv
Ich kann mich an keine Tatort-Kritik erinnern, die hier im Spiegel positiv ausgefallen ist. Deshalb fuer mich nicht objektiv und nur Schlechtmacherei!
reinhard_martin 21.02.2016
2. Wer will diese Tatorte noch sehen?
Die Medienlügen über die deutsche Migrationskriese im Verlauf der Woche reichen mir vollkommen. Weshalb ich schon keine Nachrichten im ÖR mehr schaue. Da werde ich mir bestimmt nicht auch noch einen Krimi zum selben Theme anschauen oder?
cafe-wien 21.02.2016
3. Schade, schade, schade!
Ich mag das Gespann Lannert und Bootz. Doch leider wird die ARD einfach nicht klug. Nachdem sie uns seit Monaten dem monothematischen Flüchtlingsberichtsterror aussetzt, pädagogisiert sie dieses Thema nun auch noch in den Tatort. Sie kapieren es einfach nicht bei der ARD. Schade. Auch heute, den zweiten Sonntag in Folge (nach dem unsäglichen Ludwigshafen-Tatort mit dem seit Jahren auserzählten, langweiligen Schaufensterpuppengespann Odenthal-Kopper) ohne Tatort für mich. Ich sage voraus: Die Quoten werden mäßig sein. Aber, wie gesagt: Die ARD wird einfach nicht klug. Schade. Aber ich habe nichts Anderes erwartet.
spon_3055608 21.02.2016
4. Märchenland zum Wochenende
Oh wie schön,- wieder mal ein neuer Fadort! Schön betulich und bieder, aber in Bestlage wie in Schöner Wohnen, die Polizei natürlich eher dümlich aber bemüht,- wie immer (und vor allem alles vorhersehbar damit der Zuschauer bloss nicht überfordert wird) , die Bösen ganz bös und der üblich gute Ausländer damit es politisch korrekte zugeht und auch Frau Merkel zusehen kann. Halt,- die Frau hätte ich fast vergessen, die muss da noch mit rein wegen der Quote
kugelsicher 21.02.2016
5.
Zitat von reinhard_martinDie Medienlügen über die deutsche Migrationskriese im Verlauf der Woche reichen mir vollkommen. Weshalb ich schon keine Nachrichten im ÖR mehr schaue. Da werde ich mir bestimmt nicht auch noch einen Krimi zum selben Theme anschauen oder?
Welche angeblichen Lügen über eine "Kriese" meinen sie denn genau? Da haben sie doch sicher ein paar Belege.
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