ARD-Sonntagskrimi Der neue Wien-"Tatort" im Schnellcheck

Kill local, think global? Eine Reihe bizarr inszenierter Ritualmorde konfrontiert die Wiener "Tatort"-Ermittler mit Politaktivisten aus ehemaligen Ostblockstaaten. Ein konsequent überreizter Cop-Krimi.

ARD/ Hubert Mican

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Das Szenario:

In Wien geht ein Serienmörder mit geopolitischer Botschaft um. Major Eisner (Harald Krassnitzer) und Kollegin Fellner (Adele Neuhauser) werden mit Leichen konfrontiert, die nach Bibelmotiven arrangiert sind, aber offensichtlich in einem größeren internationalen Zusammenhang stehen. Alle Opfer haben sich einst in Demokratiebewegungen in Südosteuropa engagiert, etwa in Georgien oder in der Ukraine. Ist Russland oder der US-Geheimdienst in die Taten verwickelt?

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Wie schon oft zuvor wird der Wiener "Tatort" als Zentrum für internationale politische Kraftströme in Szene gesetzt. Kill local, think global? Na ja. Eigentlich lenken die blutigen Ritualmorde eher von dem komplexen Thema der Demokratiebewegungen in den ehemaligen Ostblockstaaten ab, als dass sie dahin führen.

Die brutalste Szene:

Die Zumutungen von Wohnungsbesichtigungen in Städten wie Hamburg, München und Wien sind bekannt. In der Anfangsszene werden junge Menschen durch eine Bruchbude geführt, 55 Quadratmeter, 600 Euro kalt. Im ersten zu besichtigenden Zimmer hängt ein in Jesus-Pose arrangiertes Mordopfer. Da freut sich der Wohnungssuchende: Ein Toter vor blutbesudelter Tapete ist ein guter Grund, noch mal mit dem Makler zu verhandeln. Die Leiche als Mietpreisbremse.

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Serienmörder-"Tatort": Mörder mit Burn-out-Symptomen

Die lustigste Szene:

Ein junger streberhafter Kollege verlangt, mit einem Sonderkommando bei einem Mordverdächtigen aufzulaufen. Eisner und Fellner warten genervt vor der Tür, der sehr dicke Verdächtige flieht vor den martialisch bewaffneten Spezialcops über den Balkon im ersten Stock. Fellner pfeift den Dicken zu sich, der kommt dann angewatschelt. Ermittlungsarbeit als Entspannungsübung.

Der Plausibilitätsfaktor:

Hüstel. Dass hier der lustvoll ausgespielte Serienkillerthriller und das Ostblockpolitdrama nicht so recht zusammengehen, ist nicht schlimm. Krassnitzer und Neuhauser spielen geschmeidig über alle Unvereinbarkeiten hinweg.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Nach einigen schwächeren Wiener "Tatort"-Folgen ein konsequent überreizter Cop-Krimi, bei dem die Ermittler mit einer ordentlichen Portion Schmäh gegen Kollegendeppen und Drehbuchmacken vorgehen.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Die Faust", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 7 Beiträge
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LapOfGods 14.01.2018
1. Fast wie bei Klaus Kinski früher. Oder bei Dan Duryea.
Ist Mišel Matičević nicht immer der Täter (der seltenst das Filmende lebend erlebt)? Vielleicht sollte man den mal den Kommissar spielen lassen. Oder ein paar Jahre Traumschiff-Steward, damit sein Auftauchen nicht die Lösung vorwegnimmt.
th.diebels 15.01.2018
2. Ich liebe den "Tatort"
aber diesen Wiener Schmarrn-Tatort konnte ich nur ca. 30 Minuten ertragen ! Wenn ich da an den letzten Tatort aus Mannheim/Ludwigshafen denke .... das war der beste Tatort seit langem !
johankaiser 15.01.2018
3. Ich fands, überaschend, gut
Ich fand den Tatort überraschend gut von der Story. Auch hin und wieder ein paar schöne sarkastische Einfälle, es hat mir gefallen. Für den gewöhnlichen Fernsehrzuschauer war das natürlich nichts da zu viel politische Verschwörungstheoerie die es in der Welt der staatstragenden Medien nicht gibt und die so verstörend wirken können.
rudihaase 15.01.2018
4. Abgedreht
Wie die meisten Tatorte war auch dieser überambitioniert und dafür, dass er unrealistisch war, nicht unterhaltsam genug. Wer die Sache mit der Bewerbung/gestrichene Planstelle besser sehen will, schaut sich "Lösegeld" (2012) an. Der einzige Trost war, dass der CIA nicht für die Morde aufkam. Dann hätte ich sofort abgeschaltet. Alles in allem: vielleicht sind die guten Geschichten erzählt, aber immer wieder ein bekloppter Kommissar, der dann doch so gut ist, dass er komplizierte Fälle löst oder ein Tatort, an dem 5 verschiedene Verdächtige vorbeidefilieren, aber nur einer ist der Mörder ... ne Freunde.
der_lasso 15.01.2018
5. Oberstleutnant Eisner
Da wurde Eisner aber degradiert, wenn mich nicht alles täuscht. Die Bibi ist Major, er ist Oberstleutnant.
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